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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: At home; Athlōne; Athole; Atholl; Athon; Athos

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Athlone - Athos.

übte Boxen (s. d.) zu sein. Sonst kommen eigentliche Athleten nur noch einzeln auf Volksfesten, Messen und Jahrmärkten vor, wo sie sich meist in Ringkämpfen produzieren. Auch das Heben und Tragen schwerer Gewichte etc. gehört zum Handwerk solcher Athleten. - Bei der Schwierigkeit, die A. von der Gymnastik zu trennen, lassen sich auch nicht viele Bildwerke aus dem griechisch-römischen Altertum, welche Athleten darstellen, mit Sicherheit nachweisen. Eine Ausnahme macht das in den Caracalla-Thermen zu Rom gefundene, jetzt im Lateran daselbst befindliche Mosaik, welches unzweifelhaft Athleten mit massigen, stark aufgedunsenen Körperformen darstellt. Atheletenstatuen ^[richtig: Athletenstatuen] scheinen auch zu sein: der Apoxyomenos (s. d.), der Ringer mit dem Ölfläschchen (in Dresden und im Palazzo Pitti zu Florenz), der Diskoswerfer (s. d.), der Faustkämpfer in Dresden und die Ringergruppe in Florenz. Vgl. Gymnastik.

Athlōne, Stadt in der irischen Grafschaft Westmeath, zu beiden Seiten des Shannon, unterhalb Lough Ree, hat ein festes Kastell, eine große Kaserne und (1881) 6755 Einw., welche lebhaften Verkehr unterhalten.

Athole, schott. Herzogstitel der Familie Stewart-Murray, deren Ahnherr John de Moravia um 1225 nachweisbar ist. Den Titel Graf von A. führte seit 1357 Sir John Stuart, ältester Sohn von Sir James Stuart von Lorne und Johanna, Witwe König Jakobs I. von Schottland; 1629 ging derselbe durch Erbschaft mütterlicherseits auf John Murray, Grafen von Tullibardine, über, dessen Sohn John 1676 zum Marquis und dessen Enkel John 1715 zum Herzog von A. erhoben wurde. Das Haus gehörte im 17. und 18. Jahrh. zur Partei der Jakobiten, und mehrere Mitglieder desselben wurden infolgedessen geächtet. Im englischen Oberhaus hat der jedesmalige Herzog Sitz als Graf Strange.

Atholl, Landschaft in der Grafschaft Perth (Schottland), tief in den Grampians, mit großem Gehege (52,600 Hektar) für Rotwild und Birkhühner.

At home (engl., spr. ätt hohm, "zu Hause"), in England Name theatralischer Vorstellungen satirischen Inhalts, die vom Schauspieler Foote (gest. 1777) zuerst als Privatvorstellungen aufgebracht, dann (1834) vom Komiker Mathews und seinem Schüler Yates auch öffentlich gegeben wurden; auch s. v. w. Empfangsabend.

Athon, s. Asplenium.

Athos (neugriech. Hagion Oros, ital. Monte santo, "heiliger Berg"), die östliche der drei Landzungen der Chalkidischen Halbinsel im Ägeischen Meer, ein etwa 50 km langes und 5-10 km breites und durch eine schmale, niedere Erdzunge an den Kontinent gebundenes Bergeiland, das, allmählich ansteigend, sich im Berg oder Vorgebirge A. zu 1936 m Höhe erhebt. Ein zusammenhängender, üppiger Laubwald der schönsten und verschiedenartigsten Bäume, vermischt mit Reben-, Öl- und Obstpflanzungen und schön blühenden Sträuchern, bedeckt die Halbinsel, welche von zahlreichen Meereseinschnitten und Felsenvorsprüngen umsäumt und von Schluchten und Thälern durchsetzt ist. In der alten Geschichte ist diese Halbinsel hauptsächlich berühmt durch den Untergang der persischen Flotte unter Mardonios 492 v. Chr., welchen die am A. tobenden Stürme herbeigeführt hatten. Gleiches Mißgeschick zu vermeiden, ließ Xerxes noch vor seinem Zuge gegen Hellas 483 einen Kanal durch die das Gebirge mit dem Festland verbindende Landzunge graben, welchen dann drei Jahre später über 1300 Dreiruderer passierten; Spuren dieses Werks sind noch heute zu sehen. Jetzt ist die Halbinsel merkwürdig als Sitz einer eigentümlichen Mönchsrepublik, welche 20 große Klöster, 10 Dörfer (Sketen), 250 einzelne Zellen und 150 Einsiedeleien umfaßt, und deren Entstehung in das erste Jahrtausend des Christentums zurückreicht (s. unten). Jede der griechischen Kirche angehörende Nation hat unter den Klöstern eins oder mehrere zu eigen, die alljährlich von Pilgern aus Rußland, Serbien, Bulgarien etc. sowie aus Griechenland, Kleinasien und Konstantinopel besucht werden. Die Mönche selbst rekrutieren sich aus allerlei Nationen, besonders aus Russen, und leben nach der Regel des heil. Basilius in völliger Abgeschiedenheit. Die Privilegien, welche sie unter den Türken genießen, verdanken sie Murad II., der ihnen für ihre freiwillige Unterwerfung noch vor der Eroberung Konstantinopels seinen Schutz angedeihen ließ. Noch heute darf sich kein Muselman, den Aga Bostandschi ausgenommen, durch den die Mönche mit dem Sultan verkehren, im heiligen Bezirk niederlassen. Die Regierung der geistlichen Republik, die etwa 6000 Mönche und Einsiedler zählt, führt die heilige Synode von Karyäs, dem reizend gelegenen Hauptort der Halbinsel, wo auch der Aga Bostandschi residiert; sie besteht aus 20 Abgeordneten (einem aus jedem Kloster) und 4 Präsidenten, welche jährlich aus 4 andern der 20 Klöster genommen werden. Dieser Synode, welche wöchentlich eine Versammlung hält, während die vier Präsidenten einen ständigen Ausschuß bilden, liegen die Disziplin sowie die schwierige Vermögensverwaltung, die Beschaffung des jährlichen Tributs für den Sultan ob. Jedes Kloster hat zum Betrieb des Fischfanges und kleiner Handelsfahrten seinen besondern Landungsplatz, der nicht selten noch mit einer Art Citadelle oder einem Arsenal versehen ist. Die berühmtesten, umfangreichsten und prächtigsten sind die Abteien St. Lavra (mit zwei Kirchen), am Fuß des Bergs A., auf dessen höchstem Gipfel die Kapelle der Verklärung steht, welche ein prachtvolles Panorama gewährt, und Vatopädi, nächst ihnen St. Denis, St. Paul, St. Gregorius, Simopetra, Russikon, Kastamonitu, Xeropotamu und das äußerst malerisch gelegene Kloster Zographu. Sämtliche Stiftungen sind der heiligen Jungfrau geweiht. In der innern Regierungs- und Verwaltungsform der Klöster besteht seit uralter Zeit ein merkwürdiger Unterschied. Die einen, die eigentlichen Cönobien, stehen unter einem Abt (Hegumenos), dem die einzelnen Mitglieder unbedingt gehorchen; die andern Klöster, die sogen. Monastira idiorhythma, haben eine republikanische Verfassung, indem sie jährlich ihren Vorstand wählen und über allgemeinere Angelegenheiten in Versammlungen aller stimmberechtigten Mitglieder entscheiden. In jenen führen die Mönche ein Leben der Gemeinsamkeit, in diesen leben sie nach ihrem Belieben und erhalten vom Kloster nur das Brot und den Wein. Die Lebensart auf dem A. ist äußerst mäßig und streng; kein Weib darf das Gebiet betreten, dagegen ist es Erfindung, daß auch kein weibliches Tier (keine Kuh, keine Henne etc.) auf dem A. geduldet werde. Die außer den Klöstern auf dem A. noch befindlichen Sketen oder Dörfer und Cellen sind von jenen abhängig. Erstere sind Gruppen von etwa 60 einzelnen Häusern, in deren jedem 4-5 Mönche zusammenwohnen und zwar hier noch strengerer Zucht und härtern Bußübungen unterworfen als in den Klöstern selbst. Da die Sketen keine Güter besitzen wie die Kloster, so müssen sich die Bewohner ihren Unterhalt durch Handarbeit (Verfertigen von Priestermützen, Kruzifixen,