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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Korrespondenzblatt zum ersten Band.

moyo, welcher, der Insel Sansibar gegenüber und dem Herrscher von Sansibar gehörig, der Ausgangspunkt so vieler ostafrikanischer Expeditionen gewesen ist und wohl den Hafen des deutschen Besitzes bilden wird. Endlich hat der Kapitän der Korvette Gneisenau im März 1885 mit dem Herrscher des Gebiets zwischen Port Durnford und dem Dschubbfluß einen Schutzvertrag abgeschlossen.

Richard ter Meer in Regensburg. Sie wünschen eine Erklärung der in dem Artikel Afrika gebrauchten Ausdrücke: horizontale und vertikale Gliederung. In der Erdbeschreibung versteht man unter dem Ausdruck horizontale Gliederung die Entwickelung der Umrisse der Erdteile und Länder in ihrer Längen- und Breitenausdehnung. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß diese am größten bei Europa, am geringsten bei Afrika ist. Aus dieser mehr oder minder mannigfaltigen Gestaltung der horizontalen Dimensionen, aus dem Verhältnis der Glieder (Halbinseln, Inseln) zum Stamm hat man eine Erklärung gesucht für den höhern oder niedrigern Grad der Kultur, welchen die Bewohner der verschiedenen Erdteile erreicht haben. Je größer die horizontale Gliederung eines Erdteils ist, desto befähigter erscheint er, die Menschen in ihrem Streben nach allseitiger Ausbildung zu unterstützen. Denn die horizontale Gliederung eines Erdteils bedingt zum großen Teil nicht nur sein Klima und damit seine Produktionskraft, sie erleichtert oder erschwert auch seine Zugänglichkeit, den Verkehr der Bewohner miteinander und dadurch die gegenseitige Anregung und Erziehung. Das Verhältnis der Glieder zum Stamm ist für Europa wie 1:2, für Asien wie 1:3, für Amerika wie 1:8, für Australien wie 1:36 und für Afrika wie 1:47. Im Gegensatz zur horizontalen bedeutet die vertikale Gliederung die Entwickelung des Reliefs eines Landes, seine Erhebung über das Meer. Dieselbe zeigt sich am deutlichsten in den Ansammlungen von über einen tiefern Teil der Erdoberfläche hervorragenden Höhen, den Gebirgen. Die Lehre von der vertikalen Gliederung umfaßt sowohl die Orographie (Beschreibung der Höhen) als die Hypsometrie (die Höhenmessung). Horizontale und vertikale Gliederung gehen nicht immer in gleichem Verhältnis nebeneinander. Während Südamerika und Afrika sich durch die Einförmigkeit ihrer Küstenumsäumung, also ihre horizontale Gliederung, am ähnlichsten sind, ist ihre innere Oberflächenentwickelung, ihre vertikale Gliederung, eine gänzlich verschiedene. Dagegen zeigen Nord- und Südamerika in ihrer vertikalen Gliederung viel Ähnlichkeit, während sie in ihrer horizontalen Gliederung sehr voneinander abweichen. Der erste, welcher die beiden Ausdrücke gebrauchte, war Karl Ritter; er that dies in seiner 14. Dez. 1826 in der Berliner Akademie vorgetragenen Abhandlung: Über geographische Stellung und horizontale Ausbreitung der Erdteile. Für Unterrichtszwecke hat zuerst A. v. Roon, der nachmalige Kriegsminister, die beiden Ausdrücke nutzbar gemacht und zwar in seinen "Grundzügen der Erd-, Völker- und Staatenkunde", die in erster Auflage 1832 zu Berlin erschienen.

P. V. in D. Bekanntlich hat noch keins der bisher erschienenen deutschen Aussprachewerke ein phonetisches Bezeichnungssystem zur allgemeinen Geltung bringen können. Solange aber ein solches nicht existiert, muß sich das Konversationslexikon in der Bezeichnung der Aussprache damit begnügen, alles durch die dem Gebildeten geläufigen Mittel deutscher Rechtschreibung wiederzugeben. Diese Rücksicht nötigte uns, alle fremdartigen, ohne besondere Erklärung der Mehrzahl der Leser unverständlichen Zeichen beiseite zu lassen. In solcher Weise wurde schon die vorige Auflage unsers Werks konsequent und mit Sorgfalt durchgeführt. An Vollständigkeit übertreffen unsre Angaben jedes der vorhandenen Lexika und auch die bekannten Spezialwörterbücher der Aussprache überhaupt, Ihr "Taschenwörterbuch der Aussprache" nicht ausgeschlossen. Nur sind wir in vielen Fällen grundsätzlich und mit Vorbedacht von Ihrer Bezeichnung abgewichen. Welche Schwierigkeiten und Weitläufigkeiten mit einer gewissenhaften Behandlung des Aussprachekapitels verbunden sind, möge Ihnen folgender Fall darthun.

Bekannt ist, daß der Name Beaconsfield teils "béckensfihld", teils "bihkensfihld" gesprochen wird. Sie meinen, es kann nur das eine oder das andre richtig sein, und daß der Name des Staatsmanns nicht anders ausgesprochen werden kann als der Name des Orts, nach welchem angeblich er sich genannt hat. Um aus zuverlässigster Quelle zu erfahren, welche Bewandtnis es mit dem Ort habe, wandte sich unser Mitarbeiter an den würdigen Pfarrer des letztern. Rev. S. J. Bowles, seit 1864 Pfarrer von Beaconsfield, schreibt nun darüber:

"Beaconsfield, der Name des Dorfs, wird stets Beck'nsfihld ausgesprochen (die alte Schreibart ist Becconsfield, Bekinfield etc., in dem Gemeinderegister passim). Beaconsfield, Disraelis Beiname wird irrtümlich Bihk'nsfield ausgesprochen. Kein Eingeborner heißt unser Dorf anders als Beck'nsfihld. Der Name hat nichts mit beacon (Bake) zu thun. Eine Bake stand nie hier, und Penn (wo Reste einer alten Bake sich vorfinden) ist volle 200 Fuß höher und 3-4 Meilen entfernt. Die richtige Ableitung des Namens ist ohne Zweifel vom altenglischen beccon oder beccan, als Adjektiv beecken, d. h. aus Buchenbäumen bestehend. Unsre ganze Grafschaft war einst ein Buchenwald, von dem die Burham Beeches ein Rest sind. Der Ursprung unsers Dorfs war eine Zelle der Nonnen aus der 7 Meilen entfernten Burnhamabtei; die alte Pfarrerwohnung (rectory) steht auf den Grundmauern des alten Nonnenklosters. Und Kirche sowohl als Gemeinde stammen wohl aus jener Zeit. Im Doomesday Book ist der Ort nicht genannt."

"Lady B. bestand allerdings darauf, Bihkensfihld geheißen zu werden, und soll sogar Personen, die sie anders hießen, korrigiert haben. Die D'Israelis hatten jedoch nie Eigentum hier noch anderweitige Verbindungen, und wenn der Titel wirklich von hier genommen wurde (was mir nicht erwiesen zu sein scheint), so geschah es, weil sich Edmund Burke diesen Titel gewählt hatte, den er aber fallen ließ, als sein einziger Sohn starb. Jedenfalls ist die Aussprache wie von mir angegeben, und wie sie Burke zweifellos auch gebraucht hat. Von Amerika hatte ich gleichfalls eine ähnliche Anfrage, bei Gelegenheit einer Wette, und meine Entscheidung sollte endgültig sein... Ich fürchte, die Mitglieder des Beaconsfield Club sprechen den Namen meist à la Lady B. aus, aber wenn der Titel (in Nachahmung Burkes) von hier stammte, so ist dies zu korrigieren..."

Was folgt daraus? Das Konversations-Lexikon muß beide Lesarten nebeneinander setzen, denn je nach Umständen werden beide im Gebrauch sein.