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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: A tre; Atracĭa ars; Atragēne; Atraméntstein; Atrămentum; Atrāto; Atrax; Atrebaten; Atrek; Atremogrāph; Atresīe; Atreus

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Atracia ars - Atreus.

sache mancher Krankheiten, namentlich melancholischer Gemütsstimmung (Atrabilität); atrabilär, schwarzgallig (s. Cellularpathologie).

Atracĭa ars (lat.), s. Schwarzkunst; vgl. Atrax.

Atragēne L. (Alpenrebe), Gattung aus der Familie der Ranunkulaceen, mit Clematis verwandt, aber mit gefärbtem Kelch und zahlreichen schmalen Kronblättchen. Wenige in Europa, Asien, Nordamerika wachsende Arten. A. alpina L. (Alpendoppelblume), mit kletterndem Stengel und großen, schmutzig weißen, gelblichen, rötlichen oder violetten Blüten, auf den Alpen, und A. sibirica L., mit blauen oder roten Blüten, werden als Zierpflanzen in Gärten kuliviert ^[richtig: kultiviert]. A. (Adonis) vesicatoria L., am Kap, dient als blasenziehendes Mittel.

Atraméntstein (Atramentarius lapis), bei den Alten schwefelsaures Eisenoxydul.

Atrămentum (lat.), jede schwarze Farbe oder Schwärze, z. B. A. pictorium, schwarze Malerfarbe, aus Weintrestern, Elfenbein, Sepia oder andern Stoffen gewonnen; A. liberarium oder scriptorium, Schreiberschwärze, schwarze Tinte, dann flüssiges Schreibmaterial überhaupt von beliebiger Art und Farbe. A. sympatheticum, sympathetische Tinte. In der mittelalterlichen alchimistischen Sprache bedeutet A. oft s. v. w. Stein der Weisen.

Atrāto, ein wasserreicher Fluß in der südamerikan. Republik Kolumbien, entspringt 3220 m hoch am Westabfall der westlichen Kordillere und fließt in einem niedrigen Thal, von der Küste durch einen kaum 325 m ü. M. sich erhebenden Höhenzug getrennt, gegen N. dem Meerbusen von Darien oder Uraba zu, in welchen er nach einem 490 km langen Lauf unter Bildung eines umfangreichen Delta mündet. Der A. empfängt mehrere schiffbare Zuflüsse und ist selbst 155 km weit für Seeschiffe fahrbar; gewöhnliche Flußdampfer sollen ihn über 400 km weit beschiffen können. Das zuerst von Humboldt angeregte Projekt, den A. zur Herstellung einer interozeanischen Kanalverbindung zu benutzen, hat sich nach den neuesten Untersuchungen (1870-71) als unausführbar gezeigt. Jedenfalls verspricht der A. für die Provinz Cauca, welche er durchfließt, wie für die von Antioquia eine wichtige Verkehrsstraße zu werden.

Atrax, im Altertum eine Stadt der Perrhäber im nördlichen Thessalien, unsern des Peneios oberhalb Larissa. Von ihr hat die Atracia ars (Zauber- oder Schwarzkunst) den Namen, da im Altertum überhaupt Thessalien für das Land der Zauberer und Hexen galt.

A tre (ital.), zu dreien; a tre voci, zu drei Stimmen.

Atrebaten (Atrebātes), gall. Volk in Gallia Belgica, zwischen Somme und Schelde, mit der Hauptstadt Nemetocenna (Nemetacum, dem heutigen Arras, vläm. Atrecht), stellten 15,000 Krieger gegen Cäsar, der sie und die Nervier in der Schlacht an der Sambre besiegte. Auch hieß so ein britisches Volk an der obern Themse, mit der Hauptstadt Calleva (jetzt Silchester in Berkshire).

Atrek (Etrek), in seinem Unterlauf Grenzfluß zwischen Persien und der jetzt russischen Turkmenenwüste, entspringt im NW. von Meschhed am Gülistangebirge, fließt westwärts und ergießt sich nach einem Laufe von ca. 550 km in die seichte Hassan Kuli-Bai des Kaspischen Meers. Das Thal ist durchgehend des Anbaus fähig und bevölkert; doch sind die Zustände so unsicher, daß sich ein regelmäßiger Anbau nicht ermöglichen läßt. Die Mündung des Flusses kam 1871 in den Besitz der Russen, welche 15 km nördlich davon am Meeresufer das Fort Tschikischlar erbauten als Stützpunkt bei ihren Operationen gegen die Turkmenen. Der größte Zufluß (von rechts) des A., der auf dem Kübbet Dagh entspringende Sumbar, fließt ganz auf russischem Gebiet.

Atremogrāph (griech.), Federhalter zur Beseitigung des Schreibkrampfs; s. Schreibkrampf.

Atresīe (griech., lat. Imperforatio, das "Undurchbohrtsein"), diejenige fehlerhafte Bildung, wobei eine normale Ordnung oder ein Kanal organisch verschlossen ist. In der großen Mehrzahl der Fälle ist die A. ein angebornes Übel und beruht auf einer Bildungshemmung. Seltener ist sie erworben, d. h. die Öffnung oder der Kanal eines normal gebildeten Organs ist infolge krankhafter Prozesse wieder verschlossen worden. Die erworbene A. ist meist Folge von Entzündungsprozessen in der Wand des Kanals oder entsteht durch anhaltenden Druck, welcher von außen her auf denselben ausgeübt wird. Von den angebornen Atresien kommt die des Afters häufig zur Beobachtung. Sie wird bald nach der Geburt entdeckt, da sie den Austritt von Kotmassen aus dem Mastdarm unmöglich macht und schwere Störungen in den Verrichtungen des Darmkanals bedingt. Dagegen wird die A. der Gebärmutter und der Scheide in der Regel erst zur Zeit der eintretenden Geschlechtsreife entdeckt, wenn sich infolge der Menstruation, wobei das Blut aber nicht ausfließen kann, Beschwerden einstellen. Seltener kommt A. an den Augenlidern, am Mund, an der Harnröhre etc. vor. Die A. kann nur auf operativem Weg, durch Spaltung oder Durchstechung der den Kanal verschließenden Membran, beseitigt werden. Diese Operation ist oft schwierig oder überhaupt nicht ausführbar. Aber selbst wenn sie gelungen ist, hält es gewöhnlich schwer, die hergestellte Öffnung auch wirklich offen zu erhalten.

Atreus, in der griech. Mythe Sohn des Pelops, Königs von Elis, und der Hippodameia, älterer Bruder des Thyestes. Mit diesem brachte A. auf Anstiften der Hippodameia seinen Stiefbruder Chrysippos um, flüchtete vor dem Zorn des Vaters nach Mykenä zum König Ssthenelos und erhielt, als dessen Sohn Eurystheus gegen die Herakliden gefallen war, die Herrschaft über Mykenä. Den Fluch, der auf ihrem Stamm ruhte (s. Tantalos und Pelops), pflanzten die Brüder fort. Thyestes verführte seines Bruders Gemahlin Aerope und wurde verbannt. Um sich zu rächen, sandte er des A.' Sohn Pleisthenes, den er geraubt und als sein Kind erzogen, zur Ermordung des A. aus; allein Pleisthenes ward von dem ihn nicht kennenden Vater getötet. Aufgeklärt über den Frevel des Bruders und die eigne That, versöhnt sich A. zum Schein mit Thyestes, ruft ihn mit seinen Söhnen zurück, tötet diese und setzt ihr Fleisch dem Vater als Speise vor, wovon dieser ahnungslos genießt, bis er an den ihm gezeigten Extremitäten seine Söhne erkennt. Das ganze Geschlecht der Pelopiden verfluchend, entweicht er darauf zum König Thesprotos in Epirus; A. aber heiratet, ohne deren Herkunft zu wissen, die Pelopia, des Thyestes Tochter, welche, schon von ihrem Vater schwanger, bald darauf den Ägisthos (s. d.) gebar. Dieser, von A. erzogen, sollte auf dessen Befehl später den Thyestes töten; allein von seiner wahren Abkunft unterrichtet, wandte er das Schwert, womit kurz vorher Pelopia ihre Blutschande gesühnt hatte, bei einem festlichen Opfermahl gegen A. selbst und gelangte so mit Thyestes zur Herrschaft von Mykenä. A.' Söhne Agamemnon und Menelaos (gewöhnlich Atriden genannt) flohen nach Sparta, wo König Tyndareos sie freundlich aufnahm. Übrigens hat die Sage un-^[folgende Seite]