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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Auerbachīt; Auerbachs Keller; Auerberg; Auerhuhn

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Auerbachit - Auerhuhn.

ter, Meyerheim illustrierte frühere Erzählungen; "Tausend Gedanken des Kollaborators" (Berl. 1876); "Nikolaus Lenau", Vortrag (Wien 1876). Er starb 8. Febr. 1882 in Cannes. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien Stuttgart 1863-64, 22 Bde., eine Volksausgabe der "Schwarzwälder Dorfgeschichten" und Romane daselbst 1871, 20 Bde. Vgl. "Berthold A., ein Gedenkblatt" (Berl. 1882); "Auerbachs Briefe an seinen Freund Jakob A." (Frankf. 1884, 2 Bde.).

Auerbachīt, s. Zirkon.

Auerbachs Keller, s. Auerbach 1).

Auerberg, bewaldete Porphyrkuppe des Unterharzes, bei Stolberg, im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, 576 m hoch. Auf dem Gipfel erhebt sich ein als Aussichtspunkt dienendes, 23 m hohes Kreuz, das Graf Joseph von Stolberg 1832-33 nach Schinkels Entwurf erbauen ließ, daher der Berg auch Josephshöhe genannt wird.

Auerhuhn (Tetrao L.), Vogelgattung aus der Ordnung der Scharrvögel, der Familie der Waldhühner (Tetraonidae) und der Unterfamilie der eigentlichen Waldhühner (Tetraoninae), gedrungen und sehr kräftig gebaute Vögel mit kurzem Hals, kleinem Kopf, kurzem, dickem, am Grund breitem, nach der Spitze zu komprimiertem, stark gewölbtem Schnabel, mittellangen, abgerundeten Flügeln, breitem Schwanz, niedrigen, starken Füßen mit befiedertem Lauf, langen Zehen, die am Rand mit stummelartigen Federrudimenten gefranst sind, ohne Sporn. Das A. (Urhuhn, Waldhuhn, T. Urogallus L.) ist 1-1,1 m lang, 1,4 m breit und in der Feistzeit 6-7,5 kg schwer, an Scheitel und Kehle schwärzlich, der Hinterhals dunkel aschgrau, schwarz gewässert, Vorderhals schwärzlich aschgrau gewässert, der Rücken schwärzlich, fein aschgrau und rostbraun überpudert; Oberflügel schwarzbraun, stark rostbraun gewässert, Schwanzfedern schwarz, mit wenigen weißen Flecken; die Brust glänzend stahlgrün, der übrige Unterkörper schwarz und weiß gefleckt. Am Hinterkopf und an der Kehle sind die Federn merklich verlängert; das Auge ist braun, die nackte Braue und eine nackte Stelle um dasselbe lackrot, der Schnabel hornweiß. Die Auerhenne ist um ein Drittel kleiner, ohne Bart und Augenfleck, an Kopf und Oberhals schwärzlich, rostgelb und schwarzbraun gestreift, auf dem übrigen Oberkörper schwarzbraun, rostgelb und rost-graugelb gemischt; die Steuerfedern sind rostrot-schwarz gebändert, Kehle und Flügelbug rostrotgelb, Oberbrust rostrot, Bauch rostgelblich unterbrochen, schwarz und weiß gebändert. Das A. lebt polygamisch als Standvogel in den Wäldern Skandinaviens und Rußlands bis 69° nördl. Br., auch in Nordasien, einzeln und nirgends häufig in allen Hoch- und Mittelgebirgen Deutschlands, südlicher auch in Anatolien, Akarnanien, auf Euböa und in Spanien. Es bevorzugt Bergwälder mit feuchtem, stellenweise moorigem Grund, lebt am liebsten in gemischten Beständen (ausnahmsweise in Laubwald), in Dickichten mit fließenden Bächen und Quellen. Sein Flug ist rauschend und nach Art der Feldhühner niedrig, schwerfällig und nicht anhaltend. Am Tag hält sich das Auergeflügel an der Erde, des Nachts in den Astzweigen hoher Bäume auf. Bei tiefem Schnee und strenger Kälte schläft es auch im Schnee in einer selbstgegrabenen, 1,5-2 m langen Höhle. Es ist sehr scheu und bemerkt mit seinem scharfen Gesicht und Gehör die geringste Gefahr. Die Nahrung des Auergeflügels besteht aus Nadelholzsamen, Bucheckern, Waldbeeren, Insekten, Würmern, Schnecken, auch Knospen und Blättern, im Frühjahr fast ausschließlich aus Fichtennadeln, in Buchenwäldern aus Buchenknospen. Es wird schädlich durch das Ausscharren der Holzsaaten und durch das Abknacken der Nadel- und Laubknospen.

Die Begattungszeit (Balz) des Auerwilds währt von Ende März bis Ende April. Die Hähne, welche bis dahin vereinzelt im Wald stehen, suchen dann gegen Abend gewisse Orte (Balzplätze) auf, schwingen sich auf Bäumen ein, auf welchen sie übernachten wollen, und lassen dabei bisweilen, wenn die Witterung gut ist, Balzlaute hören. Sobald der Morgen dämmert, stimmt der Hahn seinen Balzgesang an, welcher mit einem erst langsamen, dann sich schnell wiederholenden Knappen (Triller) beginnt. Die einzelnen Laute dieses Knappens sind bei windstillem Wetter etwa auf 200-300 Schritt hörbar und haben Ähnlichkeit mit dem Knacken beim Aufziehen eines Gewehrhahns. Hierauf folgt ein Ton, welcher wie Klock klingt (der Hauptschlag) und der sich mit dem Laut beim Auskorken einer Flasche vergleichen läßt. Den Schluß bildet das Schleifen, ähnlich dem leichten Wetzen einer Sense. Während dieses Balzgesangs läßt der Hahn die Flügel hängen, schlägt mit dem Schwanz (dem Stoß) ein Rad, sträubt die Federn und trippelt umher. Sobald es Tag geworden, reitet oder steht der Hahn ab, d. h. streicht von dem Baum auf die Erde, um dort die Hühner, welche ihn mit ihrem Lockruf "kack kack" begrüßen, zu treten. Bisweilen balzt auch der Hahn auf dem Boden. Finden sich mehrere Hähne auf dem Balzplatz, so kämpft der stärkere die schwächern ab. Da der Hahn während des Schleifens taub zu sein scheint, weil sich beim Aufsperren des Schnabels zur Hervorbringung desselben der Fortsatz des Unterkiefers vor den Gehörgang schiebt, und da er dabei mit hoch gehobenem Kopf nicht nach unten äugt, so benutzt der Jäger den kurzen Zeitraum des Schleifens, um den Auerhahn anzuspringen, d. h. sich ihm mit 2-3 weiten Schritten möglichst gedeckt zu nähern. Bis zum nächsten Schleifen muß der Schütze völlig bewegungslos verharren, da der Auerhahn dann sehr scharf äugt und hört. Hat sich der Jäger durch wiederholtes Anspringen bis auf Schußweite genähert, so gibt er seinen Schuß mit schwachem Hasenschrot während des Schleifens ab, weil der Hahn in diesem Liebestaumel oft selbst einen Fehlschuß nicht beachtet und ruhig stehen bleibt. Die Schießzeit für die Auerhähne dauert nach dem Wildschongesetz für Preußen von Anfang September bis Ende Mai, für Hennen von Anfang September bis Ende Januar. In der dritten oder vierten Woche der Balz streichen die Hähne nach ihren gewohnten, oft weit entfernten Standorten zurück, und die Hennen schreiten nunmehr zum Nestbau. Die Henne legt 10 bis 12 gelbe, braun gefleckte Eier (s. Tafel "Eier II", Fig. 3), welche sie vier Wochen lang in einer flachen, wenig versteckten, oft an Wegen liegenden Grube bebrütet, ohne sich dabei durch die Annäherung von Menschen stören zu lassen. Sie gestattet, daß man sie aufhebt und zu ihrem Schutz das Nest mit einer Einfriedigung versieht. Das Fleisch der alten Hähne ist hart und zäh, das der Hennen und jungen Hähne sehr schmackhaft. In der Gefangenschaft halten sich Auerhühner sehr schlecht; man kann die Eier von einer Truthenne ausbrüten lassen, die Hühnchen aber sind sehr schwer aufzuziehen und sterben in der Regel bei der zweiten Mauser. Über das Birkhuhn (T. tetrix) s. d. Vgl. Wurm, Das Auerwild, dessen Naturgeschichte, Hege und Jagd (Stuttg. 1874); Geyer, Die Auerhahnbalz (2. Aufl., Graz 1874).