Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Auerswald

51

Auerswald.

mit der Reiterei und die Division Schmettau, welche um 6 Uhr morgens von A. aufgebrochen waren, sich bei dichtem Nebel Hassenhausen näherten, trafen sie bereits auf feindliche Truppen und erkannten, da mehrere Angriffe zurückgewiesen wurden, daß sie auf die feindliche Hauptmacht gestoßen seien. Erst nach der Ankunft der Division Wartensleben, gegen 9 Uhr, schritten die Preußen zum Angriff auf das Dorf Hassenhausen, das sie aber trotz heftigen, verlustreichen Kampfes nicht zu erobern vermochten. Während desselben wurde Herzog Karl durch beide Augen geschossen, Schmettau tödlich verwundet. Es fehlte nun jede oberste Leitung, vereinzelt drangen die preußischen Truppen, Infanterie und Reiterei, vor, wurden aber von dem inzwischen verstärkten Feind immer zurückgewiesen. Endlich, als die Flügel entblößt und bedroht, die Munition verschossen war, trat die preußische Armee, obwohl inzwischen die Division Oranien herangekommen und noch über zwölf frische Bataillone vorhanden waren, den Rückzug in guter Ordnung an, bis in Buttstädt, wo sie auf die Trümmer der Armee von Jena stieß, auch bei ihr die Auflösung begann. Die Preußen zählten bei A. 47 tote und 221 verwundete Offiziere; von ihrer Infanterie war fast die Hälfte der zum Kampf Gekommenen tot oder verwundet. Die Franzosen hatten einen Verlust von 7000 Mann, darunter 270 Offiziere.

Auerswald, 1) Hans Jakob von, Landhofmeister von Preußen, geb. 25. Juli 1757, trat schon 1770 in die preußische Armee, besuchte 1774 die Universität Königsberg und schied 1783 aus dem Militärdienst aus. Als landrätlicher Assistent in den Zivildienst eingetreten, wurde er 1787 Mitglied der westpreußischen Landschaft, dann Landschaftsdirektor des Marienwerderschen Departements, 1797 zum Präsidenten der westpreußischen Kammer ernannt, 1802 als Präsident der ostpreußischen und litauischen Kammer nach Königsberg versetzt, 1806 zum Wirklichen Geheimen Oberfinanz-, Kriegs- und Domänenrat und Kurator der Universität Königsberg, 1808 zum Geheimen Staatsrat und Oberpräsidenten von Ost- und Westpreußen und Litauen befördert. In dieser Stellung nahm er an der Reform des Staates durch Stein und Hardenberg hervorragenden Anteil. Als 1810 die Oberpräsidentenstellen aufgehoben wurden, trat A. als Präsident an die Spitze der ostpreußischen Regierung und erhielt 1811 die Würde eines Landhofmeisters des Königreichs Preußen. Um die Erhebung der Provinz zu befördern, wagte er es auf Steins Anraten, im Januar 1813 ohne königliche Genehmigung den Landtag einzuberufen, welcher die Errichtung der Landwehr und den Beginn des Befreiungskampfes beschloß. Nachdem er für das Gemeinwohl des Landes und das Gedeihen der 1806-19 seiner Kuratel anvertrauten Universität Königsberg unausgesetzt thätig gewesen, zog er sich 1824 aus dem Staatsdienst auf sein Gut Faulen zurück, siedelte aber 1832 wieder nach Königsberg über, wo er 3. April 1833 starb.

2) Hans Adolf Erdmann von, preuß. Generalmajor, Sohn des vorigen, geb. 19. Okt. 1792 auf dem väterlichen Gut Faulen, widmete sich auf der Universität Königsberg 1810-13 juristischen und kameralistischen Studien, trat im Januar 1813 als Freiwilliger in das 2. westpreußische Dragonerregiment und machte in demselben die Schlachten bei Großbeeren, Dennewitz und Leipzig und den Feldzug in Holland als Leutnant mit, ward 1815 nach der Schlacht bei Waterloo Bülows Adjutant und trat 1818 in den Generalstab, in welchem er 1831 zum Major befördert wurde. Im J. 1841 ward er zum Oberst des litauischen Dragonerregiments, 1846 zum Brigadekommandeur in Neiße ernannt und 1848 in gleicher Stellung nach Breslau versetzt. Im J. 1848 zum Mitglied der deutschen Nationalversammlung gewählt, beschäftigte er sich hier vorzugsweise mit militärischen Fragen. Der den Beratungen des Parlaments zu Grunde gelegte Entwurf zu einem die deutsche Wehrverfassung betreffenden Gesetz rührte von ihm her. Das ihm im April 1848 angetragene Portefeuille des Kriegs lehnte er ab, weil sein Bruder bereits Mitglied des Kabinetts war. Seiner Gesinnung nach gehörte er dem rechten Zentrum an. Als 18. Sept. 1848 der Straßenkampf in Frankfurt ausbrach, ritt er mit dem Fürsten Lichnowski vor das Friedberger Thor, um sich nach den erwarteten hessischen Truppen umzusehen. Von einer Schar Aufständischer angefallen, die Lichnowski suchten, ward A. durch einen Pistolenschuß sofort getötet. Kurz zuvor hatte A. seine Gemahlin, geborne v. Bardeleben, verloren. Für seine hinterlassenen Kinder, vier Söhne und eine Tochter, wurde eine Nationalsammlung durch ganz Deutschland veranstaltet.

3) Rudolf von, preuß. Minister, Bruder des vorigen, geb. 1. Sept. 1795 zu Marienwerder, wurde von 1807 bis 1812 mit den königlichen Prinzen im Schloß zu Königsberg erzogen und war namentlich mit dem Prinzen Wilhelm (dem spätern Kaiser Wilhelm I.) eng befreundet. Im J. 1812 trat er in ein Husarenregiment, machte den russischen Feldzug und die Freiheitskriege mit und verließ 1821 als Rittmeister den Militärdienst, um seine Güter Keimkallen und Weschinen in Ostpreußen zu bewirtschaften. Als Landrat des Kreises Heiligenbeil 1824-34 und dann als Generallandschaftsrat von Ostpreußen erwarb er sich allgemeines Vertrauen, wurde zum Oberbürgermeister von Königsberg gewählt und wohnte seit 1837 den Landtagen der Provinz Preußen als Abgeordneter und Stellvertreter des Landtagsmarschalls bei. Im J. 1842 zum Mitglied des vereinigten ständischen Ausschusses in Berlin gewählt, ward er in demselben Jahr zum Regierungspräsidenten in Trier ernannt, in welcher Stellung er bis zum März 1848 blieb. Ende März ward er zum Oberpräsidenten der Provinz Preußen, 25. Juni aber zum Ministerpräsidenten und Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Trotz seiner verfassungstreuen Haltung gelang es ihm nicht, der überflutenden Demokratie einen Damm zu setzen. Nachdem der Steinsche Antrag wegen eines Erlasses an die Armee in der preußischen Nationalversammlung 7. Sept. angenommen war, trat er zurück und übernahm wieder das Oberpräsidium in Ostpreußen, blieb jedoch Mitglied der Nationalversammlung und unterstützte als Mitglied des rechten Zentrums überall die monarchisch-konstitutionellen Anträge. In den Sessionen der preußischen Ersten Kammer 1849 und 1850 sowie im Staatenhaus zu Erfurt leitete er, zum Präsidenten gewählt, die Verhandlungen mit Geschäftskenntnis und Umsicht; dann wurde ihm das Oberpräsidium der Rheinprovinz übertragen, welches er vom 3. Aug. 1850 bis zum Sommer 1851 verwaltete. Vom Ministerium Westfalen zur Disposition gestellt, weil er die Reaktivierung der Provinziallandtage widerriet, gehörte er seitdem als Mitglied des Abgeordnetenhauses zur Opposition gegen das bestehende Ministerium, bis dieses vom Prinz-Regenten bei der Übernahme der Regentschaft entlassen wurde, worauf A. 6. Nov. 1858 als Minister ohne Portefeuille in das Ministerium der sogen. neuen Ära eintrat, in dem er als persönlicher Freund des Regenten hervorragenden Ein-^[folgende Seite]