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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Augenpflege

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Augenpflege.

katarrhalische Bindehautentzündung, welche selten gefährlich wird, und wobei eine andre Behandlung als eine diätetische selten einzutreten braucht; bei den Blattern aber entstehen zuweilen Pusteln auch auf dem Augapfel und erfordern schleunigst ärztliche Behandlung. Von besonderer Wichtigkeit ist es, die Augen der Kinder sorgfältig zu überwachen, wenn diese beginnen, ihre Augen zu einer regelmäßigen Beschäftigung zu gebrauchen.

Die Kurzsichtigkeit (Myopia), welche in neuerer Zeit viel allgemeiner verbreitet ist als früher, hat zwar oft genug in dem angebornen myopischen Bau des Auges ihren Grund; öfter aber ist dieselbe erworben, oder es bildet sich ein niederer Grad infolge unzweckmäßigen Gebrauchs des Sehorgans zu einem höhern aus, wozu sich oft Schwachsichtigkeit (Amblyopia) hinzugesellt. Vor allem ist hier zu anhaltendes Lesen zu vermeiden und stets nur ein guter, schöner Druck zu wählen. Auch müssen Eltern und Lehrer darauf achthaben, daß die Kinder ihre Augen nicht zu sehr dem Buch nähern, sondern es etwa in der normalen Sehweite von 26 cm vom Auge entfernt halten, damit das Anpassungsvermögen an entferntere Gegenstände nicht geschwächt werde. Die richtige Beleuchtung spielt dabei eine wichtige Rolle. Düstere Schulstuben, Lesen, Schreiben bei unzureichendem Licht sind so schädlich, daß sie häufig den Grund zur Verderbnis der Augen legen. Auch sollen die Augen nicht zu lange auf einen Gegenstand gerichtet werden, sondern immer möglichst häufige Abwechselung stattfinden. Kommt aber die Zeit, wo der Beruf gewählt werden muß, so sollte in Fällen, wo auch nur eine geringe Neigung zu Augenschwäche u. dgl. vorhanden ist, stets der Rat eines erfahrenen Spezialaugenarztes eingeholt werden. Denn es kann wohl ein Auge vollkommen seine Dienste thun, wenn dasselbe mehr im Freien benutzt werden kann, während dasselbe Auge unaufhaltsam völligem Ruin entgegengeht, wenn es zu feinen Arbeiten, wie sie z. B. bei der Gravierarbeit und der Uhrmacherkunst vorkommen, verwendet werden sollte. Kurzsichtige, welche die gehörige Ausdauer und Schärfe des Gesichts besitzen, können dagegen einen Beruf wählen, der ein längeres und angestrengtes Sehen in der Nähe erfordert, wenn es ihnen nur zugleich möglich ist, in angemessener Weise die Augen wieder ausruhen zu lassen, was überhaupt als Regel dienen mag, auch für solche, welche einen gelehrten Beruf wählen und anhaltenden Studien obliegen, sobald sich nur das geringste Gefühl der Ermüdung des Auges einstellt. Ein Knabe, welcher früher öfters an Augenentzündungen gelitten hat, und dessen Augen meist noch bis in spätere Jahre zu einer gewissen Reizbarkeit und Empfindlichkeit neigen, darf keinen Beruf wählen, bei dem die Augen starker Hitze oder grellem Feuer oder scharfen Ausdünstungen oder Staub und Rauch etc. ausgesetzt werden müßten. Er würde einen solchen Beruf doch wieder aufgeben müssen. Für Mädchen gelten ähnliche Regeln: feine Arbeiten, Sticken, Weißzeugnähen etc., passen nur für ganz gesunde und ausdauernde Augen, abgesehen davon, daß auch die anhaltend sitzende Lebensweise mit stark vorgebeugtem Oberkörper manche blühende Gesundheit untergräbt. Die Zeit der Geschlechtsentwickelung, zu welcher bei beiden Geschlechtern eine vermehrte Anlage zu Entzündungszuständen der Augen vorhanden ist, erheischt eine besonders sorgfältige Überwachung von seiten der Eltern und Erzieher.

Auch im erwachsenen Alter ist das Auge zahlreichen Störungen und Leiden ausgesetzt; namentlich sind hier gewisse Berufsbeschäftigungen von entscheidendem Einfluß. Damit die äußersten Anstrengungen von einem sonst gesunden Auge ertragen werden, dazu ist Hauptbedingung hinreichendes Licht und richtige Beleuchtung. Die lichtempfindende Netzhaut des Auges vermag sich wohl allmählich an geringe Lichtstärke zu gewöhnen und selbst im Halbdunkel noch seine Gegenstände genau erkennen zu lernen; ja, die Empfindlichkeit derselben nimmt bei abnehmendem Licht sogar noch zu. Dies ist aber gerade die Ursache, warum ein Auge, welches lange Zeit das Tageslicht entbehren mußte, so empfindlich wird, daß schon mäßiges Licht hinreicht, dasselbe zu blenden. Überhaupt ist jeder rasche Wechsel von sehr verschiedenen Helligkeitsgraden auch dem gesündesten Auge nachteilig, und nie lernt es, diesen Wechsel zu ertragen und sich an ihn zu gewöhnen. Es ist schädlich, zu lesen oder zu schreiben etc., während die Sonne das Papier bescheint. Auch das Licht des Vollmondes und das Feuer der Hochöfen oder stark brennende Gaslampen können die Augen schwächen, wenn sie längere Zeit in dieselben blicken, um so mehr, als die Umgebung im tiefsten Schatten erscheint. Es ist daher rätlich, grell scheinendes Lampenlicht durch matte Glocken zu dämpfen und anderseits zu schwaches Abendlicht beim Lesen zu vermeiden.

Nachteiligen Einfluß übt auch das reflektierte Licht aus, d. h. dasjenige Licht, welches von hellen Wänden, glatten Gegenständen oder von beschneiten Flächen zurückgeworfen wird. Die Schneeblindheit, welche diejenigen befällt, die längere Zeit hindurch die blendenden Reflexlichter weißer, von klarer Wintersonne beschienener Schneeflächen auszuhalten haben, kann nur verhütet werden, wenn das Auge durch blaue Gläser oder Schleier, bei Blendung heller Wände durch blaue Gardinen u. dgl. geschützt wird. Je gleichmäßiger die Verteilung des Lichts, desto wohlthätiger ist es dem Auge, und darum ist uns auch das diffuse Licht der Sonne, das Tageslicht, am wohlthuendsten.

Nicht allein die Lichtstärke ist es, welche bei dem künstlichen Licht nachteilig wirkt, sondern mehr noch die Farbe des Lichts, welche das Auge reizt und in einen Zustand der Erregung versetzt. Unser künstliches Licht, das Lampenlicht, enthält vorwiegend gelbe und rote Strahlen, und bei demselben erscheinen farbige Körper anders als im weißen Licht, blau wird grünlich, rot gelblich etc.; und gerade dieses Rot und Gelb greift die Augen mehr an und macht die Verarbeitung bunter Stoffe bei Lampenlicht schädlich. Die offen brennenden Lichter, Talg- und Stearinkerzen, wie auch besonders die offenen Gasflammen flackern und geben eine sehr unruhige Beleuchtung. Am besten eignen sich daher für diejenigen, welche sich viele Stunden des Nachts namentlich mit Lesen und Schreiben beschäftigen, die stetig brennenden Öl- oder Petroleumlampen, welch letztere ein ganz besonders weißes und helles Licht geben. Der Fuß der Lampen aber sollte stets dunkel gefärbt sein, damit nicht falsches Licht in die Augen falle. Falsches Licht nennt man dasjenige, welches, wenn das Auge auf einen Gegenstand gerichtet ist, gleichzeitig von andern Punkten aus die Netzhaut trifft. Ferner strenge man die Augen nicht gleich nach Tisch an, gehe öfters ins Freie und lasse den Blick in die Ferne schweifen, um die Spannung der innern Augenmuskeln aufzuheben und das Akkommodationsvermögen für ferne Gesichtsobjekte zu üben. Fleißiges Auswaschen der Augen mehrmals des Tags ist außerordentlich ratsam, nur soll es nicht morgens früh gleich nach dem Erwachen