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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Augsburg

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Augsburg (Geschichte der Stadt).

An wissenschaftlichen Anstalten besitzt A. 1 ev. Studienanstalt (Gymnasium und Lateinschule), 1 ev. Kollegium zu St. Anna, 1 kath. Studienanstalt (Lyceum, Gymnasium und Lateinschule) nebst Studienseminar, 1 königliches Realgymnasium, 1 Sternwarte, 2 Töchterinstitute (das v. Stettensche Erziehungsinstitut, evangelisch; das bei den Englischen Fräulein, katholisch), 1 Industrie-, Kreisreal-, Kunst-, Musik-, Brauerschule, 1 allgemeine Handelslehranstalt, 1 Taubstummenanstalt etc. Die Bibliothek (vereinigte Kreis- und Stadtbibliothek) hat 200,000 Bände, zahlreiche Handschriften und eine seltene Inkunabeln- und Bibelsammlung. Die königliche Gemäldesammlung ist in den Räumen des ehemaligen Katharinenklosters aufgestellt. Dieselbe enthält Gemälde von Rubens, Tizian, Tintoretto, Leonardo da Vinci, Rembrandt, van Dyck, Hans Holbein dem ältern, Altdorfer, Burgkmair, Dürer, J. ^[Jacopo] de Barbari, Poussin, Salv. Rosa, Ostade, Ruisdael und andern namhaften Meistern. Außerdem besteht noch das Maximiliansmuseum (s. oben). - A. ist Sitz der Regierung für Schwaben, eines Oberlandes- und Landgerichts, eines Bezirksamts, des zweiten Armeedivisionskommandos, eines Hauptzollamts und eines Bistums mit Domkapitel. Der Magistrat besteht aus 25, das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten aus 42 Mitgliedern. - Der Landgerichtsbezirk A. umfaßt die acht Amtsgerichte zu Aichach, A., Burgau, Friedberg, Landsberg a. L., Schwabmünchen, Wertingen und Zusmarshausen.

Geschichte. A. ward 15 v. Chr. nach Eroberung Vindeliziens durch die Römer von Drusus unter dem Namen Augusta Vindelicorum angelegt. Die Kolonie wurde bald als Handelsplatz sowie als Knotenpunkt mehrerer Straßen, besonders der vom Bodensee nach Regina castra (Regensburg) und von Juvavum (Salzburg) an den Neckar, wichtig und die Hauptstadt von Vindelizien oder Raetia secunda. Mit den römischen Legionen kam das Christentum früh nach A., wie auch die Legende von der Märtyrerin St. Afra zeigt (gest. 304). In der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. zerstörten die Alemannen (nach andern Attila 451) A. Bald entstand in dem mittlern Teil der alten römischen Stadt ein Kastell, das nach der Unterwerfung des südlichen Alemannien um 536 an die Franken kam. Im 10. Jahrh. hatte A. viel von den Einfällen der Ungarn zu leiden. Kaiser Otto I. schlug diese 955 auf dem Lechfeld im Südosten der Stadt und erweiterte A. nach der Nord- und Südseite hin. Von den sächsischen und fränkischen Kaisern begünstigt, erhob sich die 832 unter dem Namen A. (Augustburg) zum erstenmal vorkommende Stadt zu hoher Blüte. Herzog Wels von Bayern zerstörte sie zwar 1026 in einer Fehde mit dem Bischof, doch erstand sie bald neu. Im J. 1077 versammelte Herzog Rudolf von Schwaben daselbst die Fürsten zum Bund gegen Heinrich IV. Die Bürger von A. erwirkten 1276 die Anerkennung ihres Stadtbuches und die Bestätigung Augsburgs als freier Reichsstadt, worauf sie sich 1331 dem Schwäbischen Städtebund anschlossen. Das Stadtregiment hatten zwölf Personen, deren Vorstände Stadtpfleger hießen. Diese Consules oder Bürgermeister wurden nur aus den Bürgern genommen, die von freien, in die Stadt gezogenen Gutsbesitzern stammten und die allein ratssässigen Geschlechter oder Patrizier bildeten. Durch sie, meist Großhändler, wurde A. die erste Handelsstadt Süddeutschlands. Da hierzu die Gewerbe, besonders die durch ihre Barchentmanufaktur berühmte Zunft der Weber, viel beitrugen, drängten sich diese 1368 in die Regierung und errichteten ein Zunftregiment, wonach die frühern Patrizier zwar noch Anteil an der Verwaltung behielten, in der Hauptsache aber die Regierungsform Augsburgs eine demokratische wurde. Kaiser Siegmund eximierte 1426 die Stadt von der Gewalt der kaiserlichen Land- und Stadtvögte. Damit begann Augsburgs Blütezeit. A. war nächst Nürnberg der Mittelpunkt des Handels zwischen Italien und dem Norden und zwischen dem Orient und dem nordwestlichen Europa und wurde so der Sitz außerordentlichen Reichtums. Die Fugger und Welser waren weltberühmte Namen, die "Augsburger Pracht" war sprichwörtlich. Die Verbindung mit Italien beförderte die Pflege der Künste und Wissenschaften. Die neuerfundene Buchdruckerkunst, die bereits 1448 in A. geübt wurde, fand hier seit 1466 Freunde und Pfleger; die Malerei wurde von Burgkmair und den beiden hier gebornen Holbein ausgeübt. Durch die Entdeckung des Seewegs nach Ostindien und Amerikas aber erhielt der Handel Augsburgs einen großen Stoß, so daß die Stadt, die eine Bevölkerung von 80-100,000 Einw. gehabt hatte, bedeutend herabkam.

Die Reformation fand in A. früh Eingang. Im J. 1518 hatte Luther dort seine Zusammenkunft mit dem Kardinal Cajetan. Hier wurden mehrere Reichstage gehalten, die berühmtesten 1530, wo die Augsburgische Konfession (s. d.) übergeben wurde, und 1548, wo das Interim beschlossen und Moritz von Sachsen mit der Kur belehnt wurde. Im J. 1555 ward hier der zweite Religionsfriede (s. Augsburger Religionsfriede) geschlossen. Luthers Lehre herrschte in A. seit 1534, wofür aber die Stadt im Schmalkaldischen Krieg hart büßen und das Interim annehmen mußte. Im J. 1548 schaffte Karl V. das Zunftregiment ab und stellte die aristokratische Regierungsform wieder her. Seitdem überwog die Zahl der Katholiken. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten 1631 die Schweden die Stadt, 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen mußte sie sich aber, durch Hunger gezwungen, den Kaiserlichen ergeben. Im September 1646 von Wrangel belagert, hielt sie sich, bis sie von den Kaiserlichen im Oktober entsetzt wurde. Im spanischen Erbfolgekrieg trafen die Stadt neue Drangsale. Im J. 1703 beschoß sie der Kurfürst von Bayern, nahm sie ein und trieb eine Kontribution von 4 Tonnen Goldes ein; doch ward sie von den Bayern, nachdem sie den Bau einer Citadelle begonnen, 1704 wieder geräumt. Auch in dem österreichischen Erbfolgekrieg wurde A. hart mitgenommen, hob sich aber in den darauf folgenden ruhigen Zeiten durch Handel und Industrie wieder. Nach dem Lüneviller Frieden wurde es durch den Reichsdeputationsbeschluß vom 25. Febr. 1803 als Reichsstadt bestätigt, doch infolge des Friedens zu Preßburg ergriff Bayern 26. Dez. 1805 von A. militärischen Besitz, und 4. März 1806 erfolgte die politische Besitznahme. A. stand anfangs unter der Landesdirektion in Schwaben, wurde 1808 Hauptstadt des Lechkreises, hatte von 1810 an ein eignes Lokalkommissariat, wurde 1. April 1817 Sitz einer königlichen Regierung des Oberdonaukreises und 1837 des Regierungsbezirks Schwaben und Neuburg. Vgl. Wagenseil, Geschichte der Stadt A. (Augsb. 1820-1822, 3 Bde.); Jäger, Geschichte von A. (2. Aufl., das. 1862); Kleinschmidt, A., Nürnberg und ihre Handelsfürsten im 15. und 16. Jahrhundert (Kass. 1881); die von der bayrischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen "Chroniken der deutschen Städte", Bd. 4 u. 5 (Leipz. 1865-67), welche die alten Chroniken von A. enthalten; Meyer, Urkundenbuch der Stadt A. (Augsb. 1874-78, Bd. 1 u. 2);