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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Austerndieb; Austin

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Austerndieb - Austin.

H. Lobb, Successful oyster culture (Lond. 1867); Sturz, Austernbetrieb in Amerika, Frankreich und England mit Hinblick auf die deutschen Nordseeküsten (Berl. 1868); Schmarda, Die Kultur des Meers in Frankreich (Wien 1869); Erco, Notizen über Austernkultur (Triest 1869); Möbius, Über Austern- und Miesmuschelzucht und die Hebung derselben an den norddeutschen Küsten (Berl. 1870); Tolle, Die Austernzucht und Seefischerei in Frankreich und England. Bericht an das preußische landwirtschaftliche Ministerium (das. 1871); Collin, Om Östersfiskeriet i Limfjorden (Kopenh. 1872); Möbius, Die Auster und die Austernwirtschaft (Berl. 1877); Simmonds, The commercial products of the sea (Lond. 1879); Busch, Der gerechte und vollkommene Austernesser (2. Aufl., Hannov. 1878).

Austerndieb (Haematopus L.), Vögelgattung aus der Ordnung der Stelzvögel und der Familie der Regenpfeifer (Charadriidae), gedrungen gebaute Vögel mit großem Kopf, langem, geradem, vorn sehr zusammengedrücktem, keilförmigem, hartem Schnabel mit spaltförmigen, in eine Furche verlängerten Nasenlöchern, mittelhohen, kräftigen Beinen mit drei kurzen, breiten Zehen und Spannhäuten zwischen denselben, mittellangen, spitzigen Flügeln und ziemlich kurzem, gerade abgeschnittenem Schwanz. Der gemeine A. (Austernfischer, Seeelster, Wasser-, See-, Elsternschnepfe, H. ostrealegus L.), 42 cm lang, 82 cm breit, auf der Oberseite, Hals und Kopf schwarz, auf dem Unterrücken, dem Bürzel, an der Brust und am Bauch weiß; auch die Handschwingen und Steuerfedern sind an der Wurzel weiß, sonst schwarz; das Auge und der Schnabel sind blutrot, die Füße dunkelrot. Der A. bewohnt die Seeküsten des nördlichen Europa und des Eismeers, die Inseln der Nordsee, die großen Ströme Nordasiens, wandert nur, wo das Wasser zufriert, und dann stets der Küste nach, weilt in der Nord- und Ostsee vom April bis zum August. Er lebt gesellig, läuft, fliegt, schwimmt und taucht gut, ist ungemein rege, mutig, kampflustig, wachsam, sucht am Strand allerlei Gewürm und Weichtiere, holt wohl auch aus offenen Austernschalen das tote Tier heraus, öffnet aber nie frische Austern, denn dazu ist sein Schnabel viel zu schwach. Er hat die Gewohnheit, kleine Steine oder Muscheln, welche am Strand liegen, umzuwenden, um das darunter befindliche Gewürm zu fressen. Sein dunkles Fleisch ist zäh und nicht besonders schmackhaft. Das kunstlose Nest, meist auf Grasplätzen, seltener im Sand, enthält im April oder Mai 2-3 gelbgraue, schwarzbraun und aschbläulich gefleckte Eier (s. Tafel "Eier II", Fig. 4), welche von dem Weibchen in drei Wochen gezeitigt werden, wobei es aber mittags niemals brütet. In Seestädten hält man den A. in Gärten, die er von Schnecken, Würmern und Insekten reinigt. Die Eier sind sehr schmackhaft, das Fleisch aber ist ungenießbar.

Austin (spr. óßtĭn), Hauptstadt des nordamerikan. Staats Texas, am schiffbaren Rio Colorado, 256 km über dessen Mündung gelegen, hat schöne öffentliche Gebäude, darunter ein Kapitol (das alte brannte 1881 ab) und ein Generallandamt, Hobelmühlen, Gießereien und Eisfabriken, lebhafte Ausfuhr von Baumwolle und Baumwollsamen, Wolle, Häuten, Vieh und Holz, eine Blindenschule, eine Taubstummenanstalt, ein Irrenhaus und (1880) 11,013 Einw. A. wurde 1839 angelegt und nach dem ersten anglo-amerikanischen Ansiedler in Texas genannt.

Austin (spr. óßtĭn), 1) Sarah, engl. Schriftstellerin, 1794 als ein Glied der Familie Taylor zu Norwich geboren und seit 1820 mit dem Anwalt John A. in London verheiratet. Vortrefflich erzogen und der deutschen Sprache und Litteratur besonders zugethan, erwarb sie sich das Verdienst, die letztere in England zu Ehren zu bringen. Sie begann anonym mit einer Übersetzung von Pücklers "Briefen eines Verstorbenen" unter dem Titel: "The travels of a German prince in England" (Lond. 1832); dann folgten unter ihrem Namen "Characteristics of Goethe" (1833, 3 Bde.), mit treffenden Urteilen und zahlreichen gelungenen Übertragungen aus seinen Werken. Später ließ sie eine Übersetzung von Rankes "Römischen Päpsten" wie auch der "Deutschen Geschichte im Reformationszeitalter" und sodann eine "Collection of fragments from the German prosewriters" erscheinen, denen sich "Sketches of Germany from 1760 to 1814" (1854) anschlossen, welche die politischen und sozialen Zustände Deutschlands während der genannten Periode schildern. Zu diesen Unternehmungen war sie wesentlich befähigt durch mehrmaligen längern Aufenthalt in Deutschland, namentlich in Dresden und Weimar. Außerdem schrieb A.: "Considerations on national education" (1839) und "Letters on girls' schools" (1857). Sie starb im August 1867 in London. - Ihre Tochter Lucie, vermählt mit Sir Alexander Duff-Gordon, wirkte durch Übersetzung deutscher historischer Werke in gleichem Sinn.

2) Alfred, engl. Schriftsteller, geb. 30. Mai 1835 bei Leeds, ward teilweise in einer katholischen Schule Englands, teilweise auf dem Kontinent erzogen, promovierte 1853 an der Universität zu London, studierte darauf am Inner-Temple daselbst die Rechte und ward 1856 Advokat. In die Litteratur hatte er sich schon 1854 anonym durch das Gedicht "Roland", das lebhafte Sympathie für Polen atmete, eingeführt. Sein erstes bedeutendes Werk war "The season, a satire" (1861, 3. Aufl. 1869), eine Verspottung der fashionabeln Saison Londons, das bedeutende satirische Kraft bewies, von der rigoristischen Presse aber mit Unwillen aufgenommen wurde, worauf A. alsbald mit dem Pamphlet "My satire and its censors" (1861) antwortete. Nachdem er 1861 seine Advokatur aufgegeben, um sich ganz der Poesie zu widmen, gab er 1862 das Gedicht "The human tragedy" heraus, das 1874 in völliger Neubearbeitung erschien; ferner das wieder satirische Werk "The golden age" (1871), einen Band Gedichte: "Interludes" (1872), "Madonna's child" (1873), mehrere Romane, wie: "Five years of it" (1858), "An artist's proof" (1864), "Won by a head" (1865), "Leszko the bastard" (1877) u. a. Daneben hat A. eine Menge litterarischer Essays verfaßt, deren hauptsächlichste in dem lesenswerten, doch nicht unparteiischen Werk "The poetry of the period" (1870) gesammelt erschienen. Als Berichterstatter des "Standard" war er während des vatikanischen Konzils zu Rom, ebenso 1870/71 für die Dauer des deutsch-französischen Kriegs im Hauptquartier des Königs von Preußen. Für die konservative Partei von jeher sehr thätig, war A. namentlich während des letzten Orientkriegs ein lebhafter Verteidiger der Politik Beaconfields. Gegenwärtig lebt er zu Ashford in der Grafschaft Kent. Noch zu erwähnen sind seine "Vindication of Lord Byron" (2. Ausg. 1869); "Rome or death" (1873); das bedeutsame Drama "Savonarola" (1881) und "Soliloquies in song" (1882).

3) Horatio Thomas, brit. Vizeadmiral, begleitete als Offizier Parry auf seiner zweiten arktischen Expedition und ward 1850 Führer eines Ge-^[folgende Seite]