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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Australien

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Australien (Pflanzenwelt).

32' Br.) 21,3°, in Sydney (33° 52' Br.) 19,2°, in Melbourne (37° 50' Br.) 16,3°, in Adelaide (34° 57' Br.) 17°, in Perth (31° 57' Br.) 17-18° C. Das Thermometer steigt in Adelaide und Melbourne im Sommer zuweilen über 42° C., fällt aber im Winter höchst selten und nur nachts unter den Gefrierpunkt; auf den großen, wüsten Ebenen im Innern jedoch bewegen sich die Temperaturunterschiede zuweilen zwischen -2,5 und 49° C. Schnee ist auf den Küstenebenen kaum ein- oder zweimal seit ihrer Besiedelung gesehen worden, auf den Hochebenen, wo noch alle Fruchtbäume Mitteleuropas sehr gut gedeihen, bleibt er selten über Tage liegen. Während im tropischen A. der regelmäßige Wechsel der Monsune herrscht, überwiegt im subtropischen A., namentlich an der Süd- und Westküste, entschieden der Südwestwind; in Neusüdwales bemerkt man ihn vorherrschend während des Winters, im Sommer ersetzen ihn die feuchten Ost- und Südostwinde. Höchst verderblich wirken die aus dem Innern wehenden heißen Winde, welche, über die dürren, von den Sonnenstrahlen erhitzten Ebenen nach den Süd- und Südostküsten streichend, die Temperatur unerträglich zu steigern vermögen und bis nach Sydney, Melbourne, Adelaide, ja bis nach Tasmania dringen, in Westaustralien aber unbekannt sind.

Pflanzen- und Tierwelt.

Unsre Kenntnis der australischen Pflanzenwelt ist in den letzten Jahren in ganz außerordentlicher Weise erweitert worden. Als Bestandteile derselben gibt F. v. Müller jetzt 12,250 wohlunterschiedene Spezies an, wovon 6900 zu den Dikotyledonen (und Gymnospermen), 1550 zu den Monokotyledonen und 3800 zu den Akotyledonen gehören. Die Gesamtzahl der als in A. einheimisch bekannten Gefäßpflanzen beträgt 8800, wovon man als im strengsten Sinn endemisch 7550 Spezies, d. h. also 6/7 der Gesamtzahl, ansehen kann, ein Reichtum, wie er kaum irgendwo in so großem Maßstab vorkommt. Bisher hat aber nur für Tasmania, Victoria, Neusüdwales und die südlichen Teile von Südaustralien unsre Kenntnis der Vegetation einige Vollständigkeit erreicht. Auffallend ist der große Reichtum der Südwestecke des Kontinents, auf welche von 5610 Pflanzen, die auf die einzelnen Kolonien beschränkt sind, nicht weniger als 2680, d. h. mehr als die Hälfte, entfallen. Vielen Arten, selbst der verschiedensten Geschlechter und Familien, sind gewisse allgemeine Charakterzüge gemein, z. B. das Abfallen der Rinde bei vielen Bäumen; die Bildung und Stellung der Blätter, die fast bei allen immergrün und meist fest und hart sind; die gleichartige Bildung der Blumen mit dem Zurücktreten der Blumenkronen und der vorherrschenden Entwickelung der Staubgefäße; die Schönheit der Farben bei großem Mangel an Geruch; die auffallende Seltenheit eßbarer Früchte etc. In dem allergrößten Teil bietet die Vegetation dem Menschen an Nahrungsstoff außerordentlich wenig, doch finden sich in den nordwestlichen und andern tropischen Teilen Australiens der Reis, eine Ipomoea als Surrogat für die Batate, die Tamarinde, die echte Dioscorea, die Taro-Colocasia und ihre Verwandten, Phaseolus Max und andre Gemüse, ebenso die echte Melone und drei einheimische Bananen, allerdings mit saftlosen Früchten. In Queensland ist die echte Indigopflanze einheimisch. Trotz der großen Gleichartigkeit der australischen Flora fehlt es aber nicht an wesentlichen Abweichungen zwischen einzelnen Teilen. Eine solche besteht zwischen den Floren des südöstlichen und südwestlichen A., die sich durch das Auftreten ähnlicher, doch verschiedener Arten derselben Pflanzengeschlechter unterscheiden, und eine dritte Abteilung bildet das tropische A., dessen Vegetation noch mannigfaltiger und verschiedenartiger ist und manche an Indien erinnernde Pflanzenformen aufweist. Kryptogamen sind natürlich in einem so überwiegend trocknen Land nicht so häufig wie in andern Kontinenten; auch die Gräser treten nicht in dem Maß hervor wie in der nördlichen Hemisphäre. Vor allem haben zwei Pflanzenfamilien das entschiedenste Übergewicht: die Leguminosen, von denen die 320 Arten des Geschlechts Acacia in den Tiefebenen die Pflanzendecke des Bodens häufig fast allein bilden, und die Myrtaceen, zu denen 120 Arten von Eucalyptus (der Gummibaum der Kolonisten), 100 Arten von Melaleuca (Theebaum) und noch andre rein australische Gattungen gehören. Von den übrigen Familien sind die am meisten charakteristischen die größtenteils auf A. beschränkten Epakrideen, darunter Styphelia mit 170 Arten, welche die Stelle der südafrikanischen Ericeen vertreten, die Proteaceen (darunter Grevillea mit 150 Arten), die der Kontinent mit Südafrika und Südamerika gemein hat, aber in vielen ganz eigentümlichen Gattungen, von denen die ausgezeichnetste und häufigste die Gattung Banksia ("Honeysuckle" der Kolonisten) ist, die Koniferen in eigentümlichen, hauptsächlich auf A. beschränkten Gattungen, wie Callitris und Frenela (Fichten), Casuarina, die schöne Gattung Araucaria an der Ost- und Nordostküste, die Santaleen, besonders charakteristisch durch die weite Verbreitung der Gattung Exocarpus (Kirsche der Kolonisten), die Asphodeleen, zu denen die allgemein verbreitete Gattung Xanthorrhoea (Grasbaum) gehört. Die Adansonie (Flaschenbaum) findet sich im N. Palmen gibt es nur in wenigen Arten in der Tropenzone und an der Ostküste des Kontinents herab bis fast zu seiner Südspitze. Die Kokospalme wurde aber nur auf einigen Inseln der Nordostküste gefunden, wo angeschwemmte Früchte gekeimt haben. Von den übrigen Pflanzenfamilien sind für das tropische A. besonders charakteristisch die Rubiaceen, Apocyneen, Kapparideen, Malvaceen; für das subtropische die Thymeleen, Myoporineen, Goodenovieen, Stylideen, Kompositen (besonders in den wüsten Tiefebenen, weshalb sie z. B. in der Flora von Südaustralien die an Arten reichste Familie bilden), Diosmeen, Dillenieen, Pittosporeen, Labiaten, Skrofulariaceen, Orchideen, Konvolvulaceen, die besonders in den öden Tiefebenen häufigen Amarantaceen, Chenopodiaceen und Polygonaceen, endlich die Meliaceen, die in Neusüdwales und Queensland die geschätztesten Holzarten liefern, wie Cedrela (rote Zeder), Oxleya und Flindersia (Gelbholz), Melia (weiße Zeder). An harten Hölzern (darunter das gegen Teredo navalis widerstandsfähige westaustralische Jarrah) ist A. sehr reich, von Bauholz werden aber jährlich große Posten eingeführt. Von den Hauptfamilien der nördlichen gemäßigten Flora fehlen einige ganz, die übrigen treten meistens nur in wenigen Arten auf.

Die Wälder Australiens gehören vorzugsweise den Hochebenen und Küstenländern, weniger den Tiefebenen an; sie zeichnen sich durch Mangel an Schatten und das zerstreute, parkähnliche Auftreten der Bäume aus, was die Viehzucht so sehr begünstigt. Selbst in der Tropenzone behalten sie noch vorwiegend diesen Charakter. Nur einzelne beschränkte Lokalitäten und zwar nicht bloß in der Tropenzone, sondern auch an der Ostküste des Landes bis zur Südspitze sind durch den Einfluß größerer Wasser-^[folgende Seite]