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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Avarie; Avatâra; Ave; Ave Caesar, morituri te salutant; Avebury; Avec la lettre; Aveiro

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Avarie - Aveiro.

unterstützt hatten; er selbst drang 791 bis zur Raab vor, und sein Sohn Pippin stürmte 796 den Hauptring zwischen Donau und Theiß. Alle Schätze, welche die A. seit 300 Jahren den Griechen abgenommen, wurden erbeutet. Der Chagan Tudun ließ sich in Aachen taufen und schwur Karl Treue, bewog zwar später die A. zu einem Aufstand (799), der aber, wie Zodans (803) Empörung, unterdrückt wurde, worauf das Land an der Enns mit deutschen Ansiedlern besetzt und in fünf Grafschaften geteilt wurde, welche nachmals die Mark Österreich bildeten. Selbst der Name der A. erlosch in den Donaugegenden, indem der über die Theiß zurückgehende Teil des Volks sich mit den Bulgaren verband, der diesseitige sich unter der slawischen Bevölkerung verlor. Nach 827 verschwinden sie ganz aus der Geschichte. Wahrscheinlich hat sich ein Überrest der A. im Kaukasus in der lesghischen Völkerschaft der Awarier (s. Awarien) erhalten.

Avarie, s. Havarie.

Avatâra (sanskr.), "Herabkunft", speziell die Inkarnation einer Gottheit, eine Idee, welche schon im Râmâyana und Mahâbhârata auftritt und ohne Zweifel durch die Verehrung Buddhas als eines menschlichen Erlösers hervorgerufen wurde. Auch der Brahmanismus wollte die Erlösung der Welt von allerlei Plagen durch die Erscheinung eines Gottes in menschlicher und tierischer Gestalt herbeigeführt wissen, ja durch ein ganzes Menschenleben, das der inkarnierte Gott durchmacht. Am bekanntesten sind die zehn Inkarnationen des Wischnu (s. d.); aber auch die speziellen Verehrer des Siwa sowie die des Ganeça ersannen Inkarnationen dieser Götter.

Ave (Have), gewöhnlicher Gruß der alten Römer, s. v. w. gesegnet seist du, sei gegrüßt!; aber auch der letzte Wunsch der Überlebenden an den eben bestatteten Toten: a., pia anima! "lebe wohl, fromme Seele!" (Inschrift auf Gräbern). In der katholischen Kirchensprache s. v. w. Ave Maria (s. d.); dann (A. matutinum und A. vespertinum) das Beten des Ave Maria früh und abends sowie das dazu auffordernde Morgen- und Abendläuten.

Avebury (spr. ehwbori), Dorf in Wiltshire (England), 8 km westlich von Marlborough, mit 750 Einw., merkwürdig durch die Reste eines alten, aus einem großen Steinkreis bestehenden Druidendenkmals, ähnlich dem des nahen Stonehenge (s. d.). Der Durchmesser des von einem Wall umgebenen Kreises, innerhalb dessen A. liegt (zum Teil aus den Steinen desselben erbaut), beträgt 455 m, und die Zahl der Steine muß 100 gewesen sein, jeder 5-6 m hoch und 800-1000 Ztr. schwer. Zwei fast 2 km lange Zugänge von großen ausgerichteten Steinen, deren einer im SO. bei Overton in einem kleinen elliptischen Steinkreis endet, der andre nach SW., führen dahin; doch stehen von den Steinen derselben nur noch wenige aufrecht. Südlich vom großen Kreis (1 km) ist der künstliche Silburyhügel, 650 m im Umfang haltend, 54 m hoch, auf der Spitze 39 m im Durchmesser breit. Seine ehemalige Bestimmung ist, wie die der Steinkreise überhaupt, noch unenträtselt.

Ave Caesar, morituri te salutant (lat., "Heil dir, Cäsar, die dem Tod Geweihten grüßen dich"), Zuruf der auftretenden Gladiatoren an den Kaiser.

Avec la lettre (franz., "mit der Schrift"), Bezeichnung der geringsten Gattung von Kupferstichabdrücken; s. Kupferstecherkunst.

Aveiro (spr. aweru), Distriktshauptstadt in der portug. Provinz Beira, am Ufer des Strandsees, den die Mündung des Vouga bildet, und an der Eisenbahn von Lissabon nach Porto gelegen, hat einen geräumigen Hafen, welcher mit dem Meer durch einen 10 km langen Kanal zusammenhängt, und (1878) 7167 Einw., welche Sardellen- und Austernfischerei und Salzgewinnung treiben. A. ist Bischofsitz. Im 16. Jahrh. ein bedeutender Handelsplatz, der jährlich 60 Schiffe nach Neufundland aussandte, wurde A. nebst der Umgegend von König Johann III. zu einem Herzogtum erhoben, das bis 1720 dem Haus Lancastro gehörte.

Aveiro (spr. aweru), Joseph Mascarenhas, Herzog von, bekannt durch sein Attentat auf das Leben des Königs Joseph von Portugal, geb. 1708, dem königlichen Haus verwandt, war erblicher Oberhofmarschall und unter Johann V. ebenso mächtig wie hochmütig und gewaltthätig. Um so tiefer fühlte er sich daher beleidigt, als er unter Joseph durch Pombal verdrängt wurde. Eine Verschwörung, von den Jesuiten angezettelt, von A. und dem hohen Adel, besonders der Familie Tavora, geleitet, sollte dem beiden Teilen verhaßten Regiment ein Ende machen. In der Nacht vom 3. zum 4. Sept. 1758, als Joseph von seiner Geliebten, der Marquise Theresia von Tavora, zurückfuhr, wurde er von zwei Schüssen in den Wagen am Arm und in der Seite leicht verwundet. Gleich folgenden Tags hieß es in Lissabon, die Tavoras seien Urheber der That; doch wurde nicht das Mindeste gegen sie unternommen, und schon fühlten sich die verdächtigen Personen ganz sicher, als Pombal 13. Dez. sämtliche Tavoras in Lissabon, am 14. auch den Herzog von A. verhaften und in fürchterliche Kerker werfen ließ. Pombal selbst leitete den Prozeß, bildete aus den höhern Gerichten des Landes einen höchsten Gerichtshof und trat selbst, weil kein Großer ohne die Stimmen dreier Edelleute verurteilt werden konnte, mit zwei andern Edelleuten an die Spitze desselben. Auf Grund von Geständnissen und Aussagen, die man durch die Folter erpreßt hatte, wurden die Angeklagten 12. Jan. 1759 verurteilt. Am 13. Jan. wurde die Marquise Eleonora von Tavora enthauptet, ihre zwei Söhne und ein Eidam erdrosselt, ihr Gemahl, sein Gesellschaftskavalier und Bedienter lebendig gerädert, der Herzog von A. langsam zu Tode gemartert, sein Kammerdiener Ferreira samt den bereits Getöteten verbrannt, die Paläste Aveiros und der Tavoras niedergerissen und ihr Name überall, selbst an dem Flüßchen Tavora, vertilgt. Aber nicht bloß den hohen Adel, auch die Jesuiten ereilte die rächende Nemesis. Am nämlichen Tag, wo man die Tavoras verhaftete, sperrte Pombal alle Kollegienhäuser mit Militär; 11. Jan. 1759 wurden die Patres Malagrida, Souza und Matos eingekerkert, und der publizierte Prozeßauszug nannte diese drei als Ratgebenden ganzen Orden als Mitanstifter des Königsmordes. Acht Monate später (13. Sept. 1759) begann die Vertreibung der Gesellschaft mit der Einschiffung eines Teils ihrer Mitglieder, denen bald die übrigen folgten, nach dem Kirchenstaat. Jener Königsmörderprozeß ist nach der gründlichen Untersuchung von Olfers ("Über den Mordversuch gegen den König Joseph von Portugal", Berl. 1839) äußerst unregelmäßig geführt worden und der größere Teil der Verurteilten wahrscheinlich unschuldig gewesen. Unter der Regierung der Königin Maria I. fand eine Revision des Prozesses statt, infolge deren durch ein Erkenntnis vom 23. Mai 1781 das frühere Urteil in Bezug auf sechs Personen widerrufen und deren Rehabilitierung verfügt wurde. Doch ist dieser Rechtsspruch nicht in Vollzug gesetzt worden. Man begnügte sich damit, einen Abkömmling jener Opfer, welcher darum nachsuchte, mit einer kleinen Pension abzufinden.