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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Avé-Lallemant; Avellanēda; Avellīno

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Avé-Lallemant - Avellino.

Avé-Lallemant (spr. awē-lallmāng), 1) Friedrich Christian Benedikt, um das Polizeiwesen verdienter Schriftsteller, geb. 23. Mai 1809 zu Lübeck, studierte in Jena, ließ sich 1834 als Advokat in Lübeck nieder, wurde 1843 zum Obergerichtsprokurator ernannt und war 1851-68 am Polizeiamt daselbst thätig. Im J. 1882 siedelte er nach Berlin über. Ein Resultat seiner kriminalistischen, kulturhistorischen Studien und praktischen Erfahrungen ist sein belehrendes Werk "Das deutsche Gaunertum" (Leipz. 1858-62, 4 Bde.), das in seinen beiden letzten Bänden auch wertvolle linguistische Untersuchungen über die Gaunersprache enthält. Ergänzungen dazu bilden die spätern Schriften: "Die Mersener Bockreiter" (Leipz. 1880) und "Der Magnetismus mit seinen mystischen Verirrungen" (das. 1881). Auf gleichem Gebiet veröffentlichte er noch: "Physiologie der deutschen Polizei" (Leipz. 1882) und mehrere kleinere Schriften: "Die Krisis der deutschen Polizei" (das. 1861), "Die Reform der Polizei in Hamburg" (Hamb. 1862) und "Die norddeutsche Bundespolizei" (Berl. 1868), in welchen er die Notwendigkeit einer einheitlichen Polizeiverfassung in Deutschland darlegt. Auch einige Kriminalromane und Novellen entstanden aus jenen Studien.

2) Robert Christian Berthold, Arzt und Reisender, Bruder des vorigen, geb. 25. Juli 1812 zu Lübeck, studierte 1833-37 in Berlin, Heidelberg und Paris Medizin und ging 1837 nach Rio de Janeiro, wo er sich als Arzt niederließ und als Mitglied in den obersten Gesundheitsrat für Brasilien berufen wurde. Im J. 1855 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er durch Humboldts Vermittelung Mitglied der österreichischen Novaraexpedition, trennte sich aber in Rio de Janeiro von dieser und machte 1858 und 1859 eine große Reise durch ganz Brasilien. Seit seiner Rückkehr lebte er als praktischer Arzt in Lübeck, von wo aus er 1869 an der Einweihung des Suezkanals teilnahm. Er starb 13. Okt. 1884 in seiner Vaterstadt. Außer medizinischen Schriften veröffentlichte A.: "Reise durch Südbrasilien" (Leipz. 1859, 2 Bde.) und "Reise durch Nordbrasilien" (das. 1860, 2 Bde.), Werke, worin er auch über die Lage der deutschen Kolonien in jenem Land Bericht erstattete. Ferner gab er "Des Dr. Joachim Jungius aus Lübeck Briefwechsel mit seinen Schülern und Freunden" (Lüb. 1863) heraus und beschrieb später dessen Leben (Bresl. 1882). Seine ägyptischen und italienischen Reiseeindrücke schilderte er in dem Werkchen "Fata Morgana" (Altona 1872); auch war er Mitarbeiter an der von Bruhns herausgegebenen wissenschaftlichen Biographie A. v. Humboldts (Leipz. 1872) und versuchte sich als Dichter in seinem "Anson" (Altona 1868). Spätere Werke von A. sind: "Wanderungen durch Paris aus alter und neuer Zeit" (Gotha 1877); "Die Kirche der heil. Pudentiana und ihre Umgebung. Ein Morgenspaziergang in Rom" (Lüb. 1877) und "Wanderungen durch die Pflanzenwelt der Tropen" (Bresl. 1881).

Avellanēda, 1) Alfons Fernandez de, wahrscheinlich ein Dominikaner aus Aragonien, 1614 pseudonymer Fortsetzer des "Don Quichotte", als Cervantes nach dem Erscheinen des ersten Teils mit der Herausgabe des zweiten längere Zeit zögerte. Avellanedas Machwerk gab Anlaß zu einigen ergötzlichen Partien und Figuren im zweiten Teil des "Don Quichotte".

2) Gertrudis Gomez de, ausgezeichnete span. Dichterin, geb. 1816 zu Puerto Principe auf der Insel Cuba, Tochter des Flottenkommandanten von Cuba, lebte abwechselnd hier und in Spanien und ließ sich 1840 dauernd in Madrid nieder. Sie veröffentlichte von hier aus unter dem Namen Peregrina zahlreiche Poesien in andalusischen Blättern, die als "Poesías liricas" (1841) gesammelt erschienen, schrieb eine Reihe anmutiger Novellen, wie: "Sab" (1841), "Dos mugeres", "Espatolino", "La baroneza de Joux" (1842), "Dolores" (1843) u. a., und machte gleichzeitig ein glänzendes Debüt auf der Madrider Bühne mit dem Drama "Leoncia" (1840), dem sie zunächst die Tragödien: "Alfonso Munio" und "El principe de Viana" (1844) folgen ließ. Im J. 1846 mit dem Cortes deputierten Sabater verheiratet ward sie schon nach wenigen Monaten Witwe, worauf sie sich lange Zeit vom öffentlichen Leben fern hielt. Nachdem sie 1854 eine zweite Ehe mit dem Obersten und Deputierten Masien eingegangen, verlor sie auch diesen 1860 durch den Tod und zog sich nun nach Sevilla zurück, wo sie 1. Febr. 1873 starb. Unter ihren spätern Dichtungen, welche vorwiegend einen schmerzlichen und etwas düstern Charakter haben, ohne an Formschönheit und Gedankenreichtum den frühern nachzustehen, sind zunächst die biblischen Dramen: "Saul" und "Baltasar" (1849), das Lied "A la cruz" (1850) und "El ultimo accento di mi arpa" (1850) sowie die zweite reich vermehrte Ausgabe ihrer "Poesías liricas" (1850, 2 Bde.) zu nennen. Später hat sie sich fast ausschließlich und mit großem Erfolg dem Theater zugewendet, und die meisten ihrer Dramen (im ganzen 16), wie: "Recaredo", "La verdad vence les aperiencias", "El donativo del diablo", "La aventurera", "La hija de las flores", "Errores del corazon", "La aventura", "La hija del rey Rene", "Simpatia y antipatia", "Los tres amores" etc., haben sich auf der spanischen Bühne erhalten. Ihre letzte Veröffentlichung war das im Kloster geschriebene "Devocionario" (1867).

3) Nicolas, Präsident der Argentinischen Republik, geb. 1. Okt. 1836 als Sohn des Gouverneurs von Tucuman, Marcos A., der 1841 von den Horden Rosas' ermordet wurde, verbrachte seine Jugend im Exil, kehrte erst 1851 in seine Heimat zurück, studierte in Buenos Ayres die Rechte, promovierte 1858 zum Doktor der Rechte, ward 1861, nachdem er einige Jahre journalistisch thätig gewesen, Professor an der Universität in Buenos Ayres und Mitglied des Provinziallandtags, 1866 Regierungsminister des Gouverneurs von Buenos Ayres und 1868 Justiz-, Kultus- und Unterrichtsminister der Republik unter Sarmiento. Unermüdlich thätig, machte er sich um die Hebung des Unterrichtswesens durch Errichtung von neuen Schulen, Volksbibliotheken etc. hochverdient und erwarb sich so große und allgemeine Anerkennung im Lande, daß er 1874 von der föderalistischen Partei mit großer Majorität auf sechs Jahre zum Präsidenten der Republik erwählt wurde. Er trat 12. Okt. 1874 sein Amt an und widmete sich, nachdem er einen Aufstand der Mitristen unterdrückt hatte, mit großem Erfolg dem Wohl des Landes, dessen günstige Entwickelung durch innern und äußern Frieden beträchtlich gefördert wurde. Als er bei der Neuwahl des Präsidenten 1880 den General Roca begünstigte, erhob sich Buenos Ayres gegen seine Regierung. Doch unterdrückte A. den Aufstand mit großer Energie, setzte die Wahl Rocas durch und übergab demselben 12. Okt. 1880 die Regierung.

Avellīno, ital. Provinz in der Landschaft Kampanien, früher Principato ulteriore genannt, grenzt nördlich an die Provinzen Benevent und Foggia, östlich an Potenza, südlich an Salerno und westlich