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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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A vista - Avoirdupois.

A vista (ital.), nach Sicht (auf Wechseln); in der Musik a v. oder a prima vista spielen, auf den ersten Blick, d. h. vom Blatt, spielen.

Avitaillieren (franz., spr. awitaji-), mit Lebensmitteln versorgen.

Avitus, M. Mäcilius, aus dem gall. Stamm der Arverner, unter dem weströmischen Kaiser Valentinian III. Präfekt in Gallien, vermittelte 451 n. Chr. das Bündnis zwischen Aetius und dem Westgotenkönig Theoderich, focht auf den Katalaunischen Feldern, erhielt 454 vom Kaiser Maximus den Oberbefehl in Gallien, wurde nach Maximus' Tod auf Betreiben des Westgotenkönigs Theoderich II. in Arles (10. Juli 455) zum Kaiser erhoben, aber schon 456 (17. Mai) durch Ricimer, den mächtigen Anführer der römischen Mietstruppen, abgesetzt. Ricimer ernannte ihn zum Bischof von Placentia; A. suchte jedoch nach Gallien zu entfliehen, fand aber unterwegs, ungewiß ob durch Krankheit oder durch Gewalt, den Tod.

Avivieren, s. Färberei.

Aviz, Stadt in der portug. Provinz Alemtejo, Distrikt Portalegre, mit alten verfallenen Mauern, Hauptort des fruchtbaren Campo de Benarilla, mit (1878) 2412 Einw.; war längere Zeit Hauptsitz des gleichnamigen Ritterordens.

Avize (spr. awihs'), Flecken im franz. Departement Marne, Arrondissement Epernay, an einem Zweig der Ostbahn, mit (1876) 2113 Einw., erzeugt trefflichen weißen Champagner und ist ein Haupthandelsplatz für Champagner, der hier in weiten Felsenkellern lagert.

Avizorden (Ordem militar de São Bento de Aviz), 1) portug. Militärorden, war ursprünglich eine Verbindung (neue Miliz) zur Bekämpfung der Mauren und wurde von Alfons I. 1162 in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt, dem der päpstliche Legat Cirata nach der Regel Benedikts Statuten gab. Im J. 1166 erhielt der Orden die Stadt Evora zum Sitz und nahm den Namen derselben an, bis ihm Alfons II. Stadt und Festung Aviz schenkte, von welcher der Orden den Namen bis heute behielt. Im J. 1213 vereinigten sich die Ritter mit dem Calatravaorden, lösten aber dies Band 1385, worauf der Orden einen Administrator erhielt, bis endlich 1550 der König von Portugal Großmeister wurde. Im J. 1789 machte die Königin Maria daraus einen militärischen Verdienstorden, welcher damals 80,000 Dukaten Einkünfte bezog. Er wurde in drei Klassen geteilt: Großkreuze, Kommandeure und Ritter. Das Ordenszeichen ist ein grün emailliertes Kreuz mit lilienförmigen Enden, darüber ein achteckiger Stern, zwischen dessen Winkeln goldene Strahlen. Am goldenen Mittelschild des Sterns ist ein rotes flammendes Herz, um das sich ein grüner Kranz zieht. Diese Dekoration tragen die Großkreuze an grünem Band über die Schulter, die Komture am Hals, die Ritter im Knopfloch; die beiden ersten lassen tragen einen silbernen Stern auf der Brust, in dessen Mitte der grüne Kranz mit dem Herzen und einem schwarzen Kreuz darüber. Das Ordenskleid ist von weißem Atlas und mit dem Kreuz bezeichnet. - 2) Brasilischer Orden, ursprünglich der portugiesische A., der durch Gesetz vom 20. Okt. 1823 auch für Brasilien und zwar als bürgerlicher und politischer Orden beibehalten und 9. Sept. 1843 genauer normiert wurde. Die Grade und die Dekoration sind dieselben, nur ist das grüne Band rot besäumt.

Avlona (ital. Valona, auch Wljoresi genannt), Seestadt in Türkisch-Albanien, an der gleichnamigen Bucht des Adriatischen Meers gelegen und von Olivenhainen umgeben, Station der Dampfer des Österreichischen Lloyd, Sitz des Kaimakams und drei europäischer Vizekonsuln, hat ca. 5000 Einw. und treibt nicht unbedeutenden Handel mit Waffen, Öl, Wolle, Salz, Pech, Teer und besonders mit Schildkröten (bis zu 40,000 Stück jährlich). Hier tritt der von Otranto in Italien über Berat nach Konstantinopel führende Telegraph ans Land. A. stand bis 1691 unter Venedigs Hoheit.

Avóca, von Thomas Moore besungener Fluß in der irischen Grafschaft Wicklow, gebildet durch Vereinigung (meeting of the waters) von Avonmore und Avonbeg und reich an malerischen Schönheiten.

Avocatorĭum (lat., Literae avocatoriae, franz. Décret de rappel), Abberufungsschreiben, eine von der Staatsgewalt erlassene öffentliche Bekanntmachung, durch welche ihre im Ausland sich aufhaltenden Angehörigen zur Rückkehr in die Heimat aufgefordert werden. Heutzutage kommen Avokatorien noch insofern vor, als zuweilen bei bevorstehendem Friedensbruch die Regierung ihre in Feindesland lebenden Unterthanen auf die Schutzlosigkeit, welcher sie dort preisgegeben sind, durch Avokatorien aufmerksam zu machen sich verpflichtet hält, wie dies z. B. die österreichische Regierung im italienischen Feldzug von 1859 in Ansehung ihrer in der Lombardei lebenden Unterthanen gethan hat.

Avogadrosches Gesetz, das von Amadeo Avogadro 1811 aufgestellte Gesetz, nach welchem in gleichen Volumen aller Gase, einfacher wie zusammengesetzter, eine gleiche Anzahl von Molekülen enthalten ist, deren Entfernung voneinander im Verhältnis zu ihrer Masse so groß anzunehmen ist, daß sie keine wechselseitige Anziehung aufeinander mehr ausüben. Avogadro leitete dies Gesetz aus den von Gay-Lussac gefundenen gesetzmäßigen Beziehungen über die Verbindungen gasförmiger Körper ab; er unterschied Atome und Moleküle und hob auch hervor, daß beim Übergang der Elemente in den Gaszustand diese sich nur in Moleküle, welche noch aus mehreren einzelnen Atomen bestehen, aber nicht in Atome auflösen. Avogadros Ansichten gelangten erst fast ein halbes Jahrhundert nach ihrer ersten Formulierung zur Geltung. Man erkannte, daß diejenigen Molekulargewichte, welche sich gemäß dem Avogadroschen Gesetz für die einzelnen Verbindungen ergaben, die Analogien derselben am besten hervortreten lassen und mit allen Eigenschaften derselben, chemischen wie physikalischen, am besten übereinstimmen, und gewann somit durch dies Gesetz ein sicheres Fundament für den weitern Ausbau der Chemie.

Avogatebaum (Avogatobirne, Advokaten- oder Alligatorbirne), s. Persea.

Avoir (franz., spr. awŏahr), Haben, in der franz. Buchhalterei Bezeichnung der Creditseite.

Avoirdupois (spr. awŏardüpŏa od. äwwerojuhpens), das engl. Handelsgewicht, welches auch in den meisten englischen Kolonien und in den Vereinigten Staaten gebräuchlich ist und zwar für alle zu wägenden Waren außer Gold, Silber, Platin, Juwelen, Arzneien, Münzen und wissenschaftlichen Wägungen, wozu das Troygewicht (s. d.) dient. Anstatt des letztern, welches bis 1855 englisches Grundgewicht (Standard weight) war, ward damals das A. (Imperial standard Pound A.) gesetzlich eingeführt. Dasselbe hat 7000 englische Grän (Troy-Grain), deren 5760 auf das Troypfund (Pound-Troy) gehen, so daß 1 Pfd. A. = 1,21528 Troypfund oder 1 Troypfund = 0,82286 Pfd. A. ist. Letzteres wird in 16 Unzen (Ounces) à 16 Drach-^[folgende Seite]