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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Azōische Formationen; Azolla; Azoren

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Azoische Formationen - Azoren.

Diazoverbindungen sind meist kristallinische farblose Körper, die sich an der Luft leicht bräunen. Sie lösen sich leicht in Wasser, wenig in Alkohol, sind meist sehr unbeständig und zersetzen sich beim Erhitzen oder durch Schlag unter heftiger Explosion. Diese Körper sind außerordentlich reaktionsfähig und liefern ganz allgemein bei der Einwirkung auf Amine und Phenole Farbstoffe. Läßt man die salpetrige Säure nicht auf Salze der Amidokörper, sondern auf die freien Amidokörper in alkoholischer oder ätherischer Lösung einwirken, so entstehen die Diazoamidoverbindungen, z. B. aus Anilin das Diazoamidobenzol C6.H5.N2.NH.C6H5^[C_{6}H_{5}.N_{2}.NH.C_{6}H_{5}]. Die Diazoamidokörper sind meist gelb, neutral, löslich in Alkohol und Äther, nicht in Wasser und viel beständiger als die Diazokörper. Sie verbinden sich nicht mit Säuren, erleiden aber ganz ähnliche Reaktionen wie die Diazokörper. Den Diazokörpern stehen die Azokörper nahe. Reduziert man Nitrokörper in saurer Lösung, so entstehen Amidokörper, aus Nitrobenzol erhält man z. B. Amidobenzol (Anilin); wenn man aber reduzierende Körper in alkalischer Lösung auf Nitrokörper einwirken läßt, so entstehen Azokörper: Nitrobenzol C6H5NO2^[C_{6}H_{5}.NO_{2}] liefert Azobenzol C6.H5.N2.C6H5^[C_{6}H_{5}.N_{2}.C_{6}H_{5}]. Diese Azokörper erhält man auch durch Oxydation von Amidokörpern in alkalischer Lösung und durch mehrere andre Reaktionen. Sie sind viel beständiger als die Diazokörper, meist gelb bis braun gefärbt und verbinden sich nicht mit Säuren. Aus den Azokörpern kann man auf gewöhnliche Weise Nitroazokörper darstellen, und wenn man diese reduziert, so erhält man Amidoazokörper, wie z. B. aus Nitroazobenzol C6.H5.N2.C6H4.NO2^[C_{6}H_{5}.N_{2}.C_{6}H_{4}.NO_{2}] das Amidoazobenzol C6H5.N2.C6H4.NH2^[C_{6}H_{5}.N_{2}.C_{6}H_{4}.NH_{2}]. Diese Amidoazokörper sind gelb bis braun, schwach basisch und bilden mit Säuren rote Salze. Das Amidoazobenzol bildet gelbe rhombische Kristalle und löst sich schwer in heißem Wasser. Seine kristallinischen Salze sind gelb oder violett und zeigen einen stahlblauen Schimmer. Das käufliche Anilingelb (Echtgelb) besteht im wesentlichen aus Amidoazobenzol oder in neuerer Zeit aus dem Natriumsalz der Sulfosäure dieses Körpers und wird dargestellt, indem man salpetrigsaures Natron auf eine stark saure Lösung von salzsaurem Anilin oder Anilin auf Diazobenzolchlorid wirken läßt. Läßt man Diazobenzolsulfosäure auf Diphenylamin einwirken, so entsteht die Sulfosäure des Phenylamindiazobenzols, deren Kalisalz als Tropäolin 00 oder oder Orange Nr. 4 in den Handel kommt und goldgelb färbt. Läßt man eine Mischung von Salpetersäure und Schwefelsäure in Nitrobenzol einfließen, so entsteht Dinitrobenzol, welches, mit Eisen und Salzsäure reduziert, Phenylendiamin liefert. Dieses gibt mit Diazobenzolsalzen Chrysoidin, dessen Chlorwasserstoffsalz in den Handel kommt und orange färbt. Eine Mischung von salpetrigsaurem Natron und Salzsäure gibt mit salzsaurem Phenylendiamin Phenylenbraun (Vesuvin, Bismarckbraun). Dies ist Triamidoazobenzol und wird in der Wollfärberei und in der mikroskopischen Anatomie benutzt. Aus dem bei der Fuchsinfabrikation (s. Anilin) abfallenden Destillat, welches aus Toluidin und Anilin besteht, bereitet man das Safranin. Das Öl wird mit salpetriger Säure in Diazoamidokörper verwandelt, diese gehen in die Amidoazoverbindungen über, und diese werden nach dem Abpressen mit überschüssiger Anilin und Toluidinmischung behandelt. Dann oxydiert man mit Arsensäure oder chromsaurem Kali. Das Safranin ist das salzsaure Salz einer Base C21H20O4^[C_{21}H_{20}O_{4}], bildet ein braunrotes Pulver, löst sich mit prachtvoll hellroter Farbe in Wasser und hat in der Woll- und Seidenfärberei den Safflor vollständig verdrängt. Der in Wasser und Salzsäure unlösliche Teil der Fuchsinschmelze gibt beim Erhitzen mit Anilin Violanilin, welches, mit Anilin und Essigsäure erhitzt, bis kein Ammoniak mehr entweicht, dann mit Natron neutralisiert und gereinigt, Indulin liefert. Dies ist in Alkohol löslich, kann aber in eine wasserlösliche Sulfosäure übergeführt werden und färbt Tier- und Pflanzenfaser grau bis schwarz. Sehr ähnlich ist das Nigrosin, welches ebenfalls durch Oxydation von Anilin, z. B. mit Hilfe von Arsensäure, bei 220° gewonnen wird; es färbt tierische und pflanzliche Farbstoffe blau und bei Anwendung eines toluidinhaltigen Anilins blauschwarz. Was den Azofarbstoffen eine besonders großartige Bedeutung verleiht, ist der Umstand, daß dieselben einen Ersatz für die natürliche Kochenille bieten und diese ebenso sicher wie das künstliche Alizarin den Krapp aus dem Feld schlagen werden. Unter den zahllosen Azofarbstoffen, welche in der letzten Zeit dargestellt wurden, sind nämlich zwei, welche sich durch ihre prächtige Ponceau-, bez. Scharlachfarbe auszeichnen. Sie sind prozentisch gleich zusammengesetzt (isomer) und entstehen bei der Einwirkung von Diazoxylolchlorid auf die beiden Disulfosäuren des Naphthols. Die Kali- und Natronsalze dieser Azoxylolnaphtholdisulfosäuren werden als Xylidinponceau und Xylidinscharlach in den Handel gebracht und als Surrogat der Kochenille benutzt.

Azōische Formationen, s. v. w. archäische Systemgruppe (s. d.). Die Anwendung dieser Bezeichnung ist nicht empfehlenswert, weil der Nachweis organischer Reste in den betreffenden Schichtsystemen immerhin noch möglich wäre. Vgl. Eozoische Formationsgruppe.

Azolla Lam., Gattung der Wasserfarne, aus der Familie der Salviniaceen, kleine, im Wasser schwimmende, lebermoosähnliche Pflanzen mit verzweigten Stämmchen, zweilappigen, mit den obern Abschnitten schwimmenden, mit den untern im Wasser eingetauchten Blättern, einzelnen oder büscheligen Wurzeln und zweierlei Sporenfrüchten, die zu 2 oder 4 nur an dem untersten Blatte des Sprosses stehen und hier von einem helmförmigen Blattlappen umschlossen werden. In der Entwickelung stimmt die Gattung zunächst mit Salvinia (s. d.) überein. Von den vier bekannten Arten leben zwei in Amerika und Australien, eine im Nilgebiet, die vierte in Australien, Asien und Afrika. Die Blattläppchen aller Spezies von A. besitzen eine mit Haaren bekleidete Höhlung, in welcher stets eine kleine, blaugrüne Alge (Anabaena) aus der Familie der Nostochaceen lebt und gleichzeitig mit den Blättern abstirbt. Diese Anabaena findet sich sonst nur noch an der Spitze jedes Zweigs, an der Bildungsstätte der jungen Zweige und Blattanfänge, wo sie in die eben nur erst angelegte Höhlung eintritt. Vgl. Strasburger, Über A. (Jena 1873).

Azoren (portug. Açores, "Habichtsinseln", von den Engländern Western Islands genannt), eine zu Portugal gehörige Gruppe von neun Inseln im Atlantischen Ozean, nordwestlich von Afrika und den Kanarischen Inseln, zwischen 36° 59'-39° 44' nördl. Br. und 27° 35'-33° 27' westl. L. v. Gr. Sie bilden einen 630 km langen Zug in nordwestlich-südöstlicher Richtung und liegen in drei kleinen, durch Räume von etwa 180 km getrennten Haufen zerstreut, deren mittlerer die Inseln Fayal, Pico, San Jorge, Graciosa und Terceira umfaßt, während San