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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bäckerbeine - Bacmeister.

Weizenbrot, Semmeln u. dgl. In mehreren Staaten ist dieser Unterschied, aus dem viele Reibungen und Nachteile, selbst für das Publikum, entsprangen, gesetzlich aufgehoben worden, in Preußen z. B. schon 1752; in andern hat ihn die Zeit verwischt. Das Bäckerhandwerk gehörte zu den "freien, geschenkten und ungeschlossenen" Handwerken. Die Befugnis eines Meisters, zu backen, hieß die (Back-) Gerechtigkeit oder auch die Bank. Schon das römische Recht vereinigte die B. zu eignen Korporationen, und im Mittelalter wurde durch Erteilung von Privilegien die Bildung von Bäckerinnungen befördert. Den Rechten derselben entsprachen bestimmte Pflichten, namentlich sollten die B. durch stets bereite Mehlvorräte allgemeinen Notständen vorbeugen helfen; auch band man sie an Taxen, welche sich wie die Innungen lange erhalten haben. In Paris und in einigen französischen Departements wurden die B. 1801 zu geschlossenen Korporationen unter der Leitung von Syndikaten vereinigt. Für den Betrieb war obrigkeitliche Genehmigung erforderlich. Die B. waren zum Halten bestimmter Mehlvorräte verpflichtet. Eine besondere Bäckereikasse hatte die Ausgleichung der Brotpreise zum Zweck, indem aus derselben in teuern Zeiten Vorschüsse an die B. geleistet wurden. Diese Einrichtung bestand bis 1863. Die deutsche Gewerbeordnung gab das Bäckergewerbe frei. Nach § 73 können jedoch die B. angehalten werden, Preis und Gewicht ihrer Waren am Verkaufslokal zur Kenntnis des Publikums zu bringen. In England ist nur Verkauf nach Gewicht gestattet, auch sind die Materialien vorgeschrieben, welche allein verbacken werden dürfen.

Bäckerbeine, s. Bein.

Bäckerkohlen, s. Löschkohlen.

Backhschisch (Bachschisch, pers., "Geschenk"), im Orient speziell das Trinkgeld, das man aber nicht stillschweigend erwartet, sondern laut und oft unverschämt fordert.

Backhuysen (spr. backheus'n), s. Bakhuisen.

Backing (engl., spr. bäck-; Fütterung), auf Panzerschiffen die Holzschicht zwischen Schiffswand und Panzerplatten, soll die Erschütterung mildern, welche durch aufschlagende Geschosse hervorgebracht wird.

Backkohle, s. Steinkohle.

Backnang, Stadt im württemb. Neckarkreis, an der Murr (238 m ü. M.) und den Eisenbahnlinien Waiblingen-Hessenthal und Bietigheim-B., ist Sitz eines Oberamts und eines Amtsgerichts und hat eine evang. Pfarrkirche, eine Reallateinschule, viel Rotgerberei, Spinnerei, mechanische Strumpfweberei, Tuchfabrikation und (1880) 5736 Einw. (192 Katholiken). Auf einer Anhöhe in der Stadt liegt das 1116 gegründete, 1535 aufgehobene Chorherrenstift. B. kam 1325 von Baden an Württemberg.

Backobst, s. Obst.

Backofen, s. Brot.

Backofenstein, s. Trachyte.

Backpulver, s. Brot.

Back River (Großer Fischfluß), Fluß in Britisch-Nordamerika, der nördlich vom Aylmer See entspringt und sich in den Arktischen Ozean ergießt. Er wurde 1831 von Kapitän Back entdeckt.

Backsgasten, Backsmaaten, s. Back.

Backstairspassage, s. Sankt Vincentgolf.

Backsteine, s. Mauersteine.

Backwardation (engl., spr. bäckŭardehschn), beim Handel mit Wertpapieren die noch vom Verkäufer zu tragenden Zinsen; auch s. v. w. Deport (s. d.).

Backwoods (engl., spr. backwudds, "Hinterwälder"), in Nordamerika ehedem Bezeichnung der unermeßlichen, wenig kultivierten und oft nur von Indianerhorden durchstreiften Urwälder, welche bis um die Mitte des 18. Jahrh. die im W. der Alleghanies gelegenen Länder bedeckten. Je weiter die Kolonisierung des Landes vorschritt, desto mehr schränkte sich der unbestimmte Begriff auf die Wildnisse des fernen Westens ein. Die Bewohner der B. sind die in den Romanen von Cooper u. a. poetisch geschilderten Backwoodsmen (auch Pioneers oder Squatters genannt), d. h. die ersten Ansiedler und gleichsam Pioniere der Zivilisation im Gebiet der indianischen Urbevölkerung.

Bacler d'Albe (spr. bakle dalb), Louis Albert Ghislain, Baron de, franz. Kartograph, Landschaftsmaler und Zeichner, geb. 21. Okt. 1761 zu St.-Pol, lieferte zahlreiche landschaftliche Ansichten im akademischen Stil des Valenciennes. Mit der französischen Armee ging er als Artillerieleutnant nach Italien, entwarf hier zum Zweck der militärischen Operationen eine Karte des Kriegsschauplatzes in 30 Blättern und leitete von Mailand aus, wo er als Chef des topographischen Bureaus und als Direktor des Kriegsdepots zurückblieb, die Herausgabe dieses Werks, das indes den Österreichern in die Hände fiel. Unverdrossen machte sich B. an eine neue Bearbeitung und war damit fast zu Ende, als er das Verlorne zurückerhielt. Das Werk erschien 1832 in 54 Blättern als Karte von Italien. Er veröffentlichte auch Memoiren über die Kartenstecherkunst, wovon sich Auszüge im "Mémorial topographique" vorfinden. Nachdem er Napoleon I. auf allen Feldzügen begleitet, trat er 1813 als Brigadegeneral aus dem aktiven Dienst, ward in den Hundert Tagen Generaldirektor des Kriegsdepots in Paris, verlor aber diese Stelle nach Ludwigs XVIII. Rückkehr und starb 12. Sept. 1824 in Sèvres. Seine bedeutendsten Gemälde, die Schlachten bei Arcole und Rivoli, befinden sich in Versailles, ein andres: Paris bei Önone, in Malmaison.

Bacmeister, 1) Georg Heinrich Julius Karl Friedrich Justus, hannöv. Staatsmann, geb. 1805 zu Lüneburg, studierte in Heidelberg und Göttingen die Rechte, trat dann in den hannöverschen Justizdienst, in dem er sich dem herrschenden Regierungssystem gefügig zeigte, ward 1845 als Hilfsarbeiter in das Ministerium berufen, zum Mitglied des Staatsrats ernannt und mit einer Revision der Prozeßordnung betraut. Seine Ausarbeitung bildete in Beziehung auf das materielle Prozeßrecht die Grundlage der Gesetzgebung von 1850. Im J. 1851 wurde B. zum Oberstaatsanwalt und zum Mitglied der Ersten Kammer ernannt. Beim Regierungsantritt Georgs V. übernahm er 1851 im Ministerium Scheele zuerst die Kultusangelegenheiten, dann die Finanzverwaltung, schied aber bereits 1853 aus. Nachdem er einige Jahre in Göttingen privatisiert hatte, wurde er in verschiedenen Justiz- und Verwaltungsämtern beschäftigt, 1865 zum Vizepräsidenten des Staatsrats und bald darauf zum Minister des Innern ernannt. Seit 1866 lebt er wieder in Göttingen.

2) Adolf, Germanist und Schriftsteller, geb. 1827 zu Eßlingen, besuchte 1841-45 das theologische Seminar in Blaubeuren, sodann das Stift zu Tübingen, beteiligte sich 1848 am Aufstand in Baden, ward bei Dossenbach gefangen und erlitt infolgedessen mehrmonatliche Haft in Bruchsal und auf dem Hohenasperg. Nachdem er 1853 das philologische Examen abgelegt, wurde er zwei Jahre später Kollaborator in Weinsberg, dann Rektoratsverweser in Eßlingen, endlich 1857 Präzeptor in Reutlingen, gab