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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bader; Badeschwamm

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Bader - Badeschwamm.

wohlerhaltenes Römerbad, das vier große und acht kleine Bäder, dazu Schwitzbäder und zahlreiche Ankleidezimmer etc. nebeneinander enthält; eine Inschrift widmet dasselbe der Diana des Schwarzwaldes (Diana Abnoba). Das ehemalige vielbesuchte Schloß B., 475 m hoch auf einem isolierten Bergkegel gelegen, wurde 1633 von den Kaiserlichen erobert, 1678 von den Franzosen zerstört. Vgl. Wever, B. (5. Aufl., Badenw. 1880); Thomas, B. und seine Heilmittel (2. Aufl., Müllh. 1878); Leibnitz, Die römischen Bäder bei B. (Leipz. 1856).

Bader (lat. Balnĕator), ehedem der Besitzer und Vorsteher einer Badestube (Bademeister, Stübner), jetzt in mehreren Staaten ein Mann, der zur Ausübung der niedern Chirurgie und zum Rasieren berechtigt ist, also s. v. w. Barbier. Schon die Griechen hatten ihre Aleipten, Badediener, welche das Reiben und Salben im Bad besorgten, nebenher auch schröpften und zur Ader ließen. An den öffentlichen Bädern der Römer gehörten solche Personen zur Klasse der Staatssklaven, und auch als Aufwärter der Ärzte bei Zubereitung von Bädern kommen B. vor. Mit dem Römerreich verfielen auch die Badeanstalten in Italien wie in den Provinzen, und erst durch die Kreuzzüge kamen sie im Abendland wieder allgemein in Aufnahme, und seitdem kommen auch besondere B. oder Bademeister vor (s. Bad, S. 222). Diese und die Barbiere rissen jetzt die Chirurgie an sich und würdigten sie zu einem Gewerbe herab, welches handwerksmäßig gelehrt und gelernt wurde. Lange Zeit bildeten die Barbiere neben den Badern eine für sich bestehende Korporation, welche erst später, durch Reichsgesetze 1779, in Österreich 1773, mit den Badern, die sich nur mit dem Schröpfen und der Behandlung von Verwundeten beschäftigen durften, vereinigt wurde. Beide Klassen standen in Deutschland lange Zeit unter dem stärksten Druck, da sie, größtenteils Leibeigne und wendischer Abkunft, von einer jeden Innung und Zunft ausgeschlossen blieben. Kein Handwerker nahm einen jungen Menschen in die Lehre, der einem Barbier oder B. verwandt war. Erst 1406 gab der Kaiser Wenzel den Badern aus Dankbarkeit, weil er von der Tochter eines Baders aus dem Schloß Wiltberg im Österreichischen gerettet worden war, ein Privilegium, worin sie für ehrlich erklärt und ihnen ein Wappen erteilt wurde. Da dies jedoch nicht rechtskräftig war, so gelangten sie erst zum vollen Genuß desselben, als sie 1548 durch einen Beschluß des Augsburger Reichstags für zünftig erklärt und abermals rein gesprochen wurden. Von jetzt an und namentlich nach der geschehenen Vereinigung der B. und Barbiere wurden beide und die Wundärzte als nicht voneinander unterschiedene Handwerker betrachtet. Seitdem wurde die Ausübung der niedern Chirurgie nur denjenigen zugestanden, welche zunftmäßig sieben Jahre das Rasieren getrieben und im Besitz einer Barbierstube oder sogen. chirurgischen Gerechtigkeit (Badestubengerechtigkeit) waren. Alle die Einrichtungen, welche aus der Vereinigung der niedern Chirurgie mit dem Bader- und Barbierertum hervorgehen mußten, sind neuerdings fast überall beseitigt worden, und die Chirurgie in ihrem ganzen Umfang wurde die ausschließliche Domäne der vom Staat approbierten und zur Ausübung der gesamten Heilkunde berechtigten Ärzte. Das Gewerbegesetz vom 21. Juni 1869 gab in Deutschland die ganze ärztliche Praxis vollständig frei (vgl. Arzt).

Bader, Karl Adam, Opernsänger, geb. 10. Jan. 1789 zu Bamberg als der Sohn des dortigen Domorganisten, trat mit 18 Jahren an seines Vaters Stelle, entschloß sich aber bald darauf, zur Bühne zu gehen, um seine prachtvolle Tenorstimme in ihrem Dienst zu verwerten. Er debütierte 1811 als Loredano in Paërs "Camilla" zu Bamberg, während dort E. T. A. Hoffmann das musikalische Zepter führte. Nach vier Lehrjahren in München, die ihn zum Meister machten, wirkte er an den Bühnen von Bremen, Hamburg und Braunschweig und wurde 1820 an der Berliner Hofbühne engagiert, wo er nach Beendigung seiner darstellenden Wirksamkeit (1845) noch einige Jahre als Regisseur thätig war. Nach seiner Pensionierung (1849) fungierte er noch als Leiter des musikalischen Gottesdienstes in der katholischen St. Hedwigskirche, wo er vorzugsweise die Werke alter italienischer Meister zur Ausführung brachte. Er starb 14. April 1870 in Berlin. Baders Wirksamkeit an der Berliner Oper gehört zu den ruhmreichsten Erinnerungen derselben, denn er bildete mit den Sängerinnen Milder und Schultze und dem Bassisten Blume das den ältern Berliner Musikfreunden unvergeßlich gebliebene Gesangsquartett der Spontinischen Zeit.

Badeschwamm (Euspongia O. Schm., s. Tafel "Schwämme"), die bekannteste Art der Schwämme (s. d.), gehört zu den Hornschwämmen und besitzt ein maschiges Gerüst von hornigen Fäden, die am lebenden Tier von dessen eigentlichem Weichkörper allseitig umgeben sind. Frisch aus dem Wasser genommen, hat der B. ebenso große Ähnlichkeit mit dem B. des Handels wie etwa ein lebender Mensch mit seinem Skelett. Durch Kneten, Auswaschen und Liegenlassen an feuchter Luft wird das Gerüst des Badeschwammes, welches in chemischer Hinsicht der Substanz des Seidenfadens nahesteht, von den zelligen Elementen befreit. Der B. findet sich in den wärmern Meeren; dort ist er in der Nähe der Küste auf dem Grund an Steinen festgewachsen. Man unterscheidet mehrere Varietäten des Badeschwammes (E. officinalis var. adriatica, var. mollissima etc.) und als besondere Gattung den Pferdeschwamm (Hippospongia equina). - In neuerer Zeit hat man die künstliche Vermehrung des Badeschwammes versucht. Diese besteht darin, aus einem lebenden B. durch Zerschneiden, Anpflöcken der Teilstücke und Versenken derselben an geeigneten Stellen des Meers ebenso viele ganze Badeschwämme zu erzielen, als man Teilstücke geschnitten hat. Indessen haben diese von O. Schmidt in den dalmatischen und quarnerischen Gewässern angestellten Versuche aufgegeben werden müssen, weil alle Holzanlagen vom Pfahlwurm (Teredo) zerstört wurden, und weil die dalmatischen Küstenbewohner die Anlagen zerstörten und beraubten. Die Fortpflanzung des Badeschwammes durch freie, aus Eiern sich entwickelnde Larven ist eine sehr reichliche; dennoch wird der Ertrag der Schwammfischerei beständig geringer, weil man schon in den ersten Frühlingswochen mit der Ausbeutung beginnt und Millionen noch im Schwamm enthaltener Larven zerstört. Auch an der syrischen Küste nimmt der Ertrag ab. Im J. 1870 wurde in England für 113,000 Pfd. Sterl. B. von den Mittelmeerstaaten eingeführt. Im Griechischen Meer und an der syrischen Küste gewinnt man den B. von Mai bis Ende September durch Taucher von einer Barke aus. Sie gehen 18 m tief und halten 1½-3 Minuten aus. An der dalmatischen und istrischen Küste fischen die Bewohner der Insel Krapano die Schwämme mit vierzinkigen Gabeln. Der Sand, welcher sich fast stets in den Schwämmen findet, wird ihnen erst in den Magazinen der Großhändler einverleibt, um ihr Gewicht zu erhöhen. Der