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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bahnsucher; Bahr; Bähr; Bahr bela ma; Bahrdt; Bahreïninseln

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Bahnsucher - Bahreïninseln.

Motiv" (Stolp 1870) und die "Mosaiken und Silhouetten. Charakterographische Situations- und Entwickelungsbilder" (Leipz. 1877) gewidmet. Da nun das Wesen der Unvernunft im Widerspruch, jenes des unvernünftigen Willens insbesondere in dem gleichzeitigen Bestehen einander anschließender Willensrichtungen besteht, so folgt, daß nicht nur die Realität ein ununterbrochener Kampf realer Gegensätze (Realdialektik), sondern auch das Innere jedes Individuums unlöslichem Zwiespalt entgegengesetzter Willensrichtungen (Willenskollision) verfallen, das Gesetz dieser Welt daher eine tragische Weltordnung sei. Die realdialektische Seite seiner Lehre hat B. in der Abhandlung "Zur Philosophie der Geschichte" (Berl. 1871) und in seinem Hauptwerk: "Der Widerspruch im Wissen und Wesen der Welt" (das. 1880-82, 2 Bde.), die tragische Frucht derselben in seiner Festschrift zum Tübinger Jubiläum: "Das Tragische als Weltgesetz und der Humor als ästhetische Gestalt des Metaphysischen" (Leipz. 1877) niedergelegt, welche, wie seine frühern Schriften, durch Paradoxie des Gedankens und barocken, oft schneidigen Humor des sprachlichen Ausdrucks bemerkenswert sind. Vgl. Hartmanns (eines Gegners von B.) Aufsatz: "Ein Jünger Schopenhauers" (in "Unsre Zeit" 1876).

Bahnsucher, ein zuerst von Airy vorgeschlagenes astronom. Instrument zur Aufsuchung von periodischen Kometen bei ihrer erwarteten Wiederkehr, wo man oft nur die Lage der Bahn am Himmel, nicht aber den genauen Ort des Kometen in derselben kennt. Zu dem Zweck läßt sich das Fernrohr nicht bloß wie beim Äquatorial (s. d.) um die Stunden- und Deklinationsachse drehen, sondern man kann noch eine dritte, senkrecht auf der letztern befestigte Achse zur Wirkung bringen und damit das Fernrohr einen beliebigen größten Kreis am Himmel (die Projektion der Kometenbahn) beschreiben lassen. Das erste derartige Instrument mit einem Fernrohr von 16,3 cm Öffnung und 2,5 m Brennweite hat Repsold für die Sternwarte zu Straßburg gebaut.

Bahr (arab.), s. v. w. Fluß, Wasser; kommt in arabischen Fluß- und Meeresnamen häufig vor, z. B. B. Lut, das Tote Meer; B. Oman oder B. Hind, das Arabische Meer; B. Tabarijeh, See von Genezareth; B. el Abiad, der Weiße Nil; B. el Azrak, der Blaue Nil; B. el Gazal, der Gazellenfluß, etc.

Bähr, 1) Georg, Baumeister, geb. 1666 zu Fürstenwalde, gest. 1738 in Dresden als Ratszimmermeister, hat sich durch den Bau der im Barockstil kühn konstruierten und malerisch wirkenden Dresdener Frauenkirche einen Namen gemacht.

2) Christian, Philolog, geb. 13. Juni 1798 zu Darmstadt, Sohn des spätern badischen Prälaten Johannes B., studierte seit 1815 in Heidelberg, habilitierte sich daselbst 1819, ward 1821 außerordentlicher, 1823 ordentlicher Professor der klassischen Philologie, 1832 Oberbibliothekar, 1845 nach Creuzers Rücktritt Direktor des philologischen Seminars, 1846 Geheimer Hofrat und starb in Heidelberg 29. Nov. 1872. Seine bedeutendsten Werke sind die stoffreiche "Geschichte der römischen Litteratur" (Karlsr. 1828, 2 Bde.; 4. Aufl. 1868-70, 3 Bde.); dazu als Supplemente: "Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber Roms" (das. 1836, 2. Aufl. 1872), den vierten Band der neuen Ausgabe bildend, "Die christlich-römische Theologie" (das. 1837), "Geschichte der römischen Litteratur im karolingischen Zeitalter" (das. 1840) und die durch Sacherklärung hervorragende Ausgabe des Herodot (2. Aufl., Leipz. 1855-61). In den Anfang seiner Thätigkeit fallen die Ausgaben von Plutarchs "Alkibiades" (Heidelb. 1822), "Philopömen", "Flamininus", "Pyrrhos" (Leipz. 1826) sowie der Fragmente des Ktesias (Frankf. 1824). Auch führte er seit 1834 mit Schlosser und Muncke, seit 1847 allein die Redaktion der "Heidelberger Jahrbücher".

Bahr bela ma ("Fluß ohne Wasser"), eine die Oasengruppe an der Westseite des Nilunterlaufs berührende chorartige Einsenkung, von welcher seit der französischen Expedition behauptet wurde, sie bilde das alte Flußbett des Nils. Diese Hypothese ist aber durch die Rohlfssche Expedition in die Libysche Wüste unhaltbar geworden.

Bahrdt, Karl Friedrich, berüchtigter protest. Theolog und Freigeist, geb. 1741 zu Bischofswerda, Sohn des dortigen Diakonus, der bald darauf als Superintendent nach Leipzig berufen wurde, studierte in Leipzig und wurde bereits 1766 ordentlicher Professor der biblischen Philologie daselbst. Als ihn eine sinnliche Verirrung 1768 um sein Amt brachte, verhalf ihm Klotz in Halle zu einer Professur der biblischen Altertümer in Erfurt; jedoch erregte er hier durch seine heterodoxen Lehren bald großen Anstoß, infolgedessen er 1771 einem Ruf als Prediger und Professor nach Gießen folgte. Wegen der hämischen Polemik seiner Schriften gegen den herrschenden theologischen Lehrbegriff erhielt er 1775 auch hier seinen Abschied. Nach einem kurzen Aufenthalt in Graubünden ging er 1776 als Generalsuperintendent nach Dürkheim a. d. Haardt und gründete auf dem ihm überlassenen Schloß zu Heidesheim bei Worms ein Philanthropin, welches aber den Erwartungen nicht entsprach. Infolge einer Schrift gegen den Weihbischof v. Scheben wurde er durch einen oft angefochtenen Beschluß des Reichshofrats für unfähig erklärt, irgend ein geistliches Amt zu verwalten, erhielt jedoch 1779 vom preußischen Ministerium die Erlaubnis, in Halle zu leben, woselbst er eifrig schriftstellerte und in der philosophischen Fakultät Vorlesungen hielt. Bald jedoch legte er mit seiner Dienstmagd aus einem bei Halle gekauften Weinberg eine Gastwirtschaft an, die viel Ärgernis erregte. Im J. 1789 geriet B. als Verfasser des Lustspiels "Das Religionsedikt", eines die preußische Regierung verspottenden Pasquills, in Untersuchung und wurde nach fast achtmonatlicher Inquisitionshaft zu einjährigem Festungsarrest in Magdeburg verurteilt. Nach einer halbjährigen Haft begnadigt, kehrte er nach Halle zurück und starb auf seinem Weinberg daselbst 23. April 1792. Seine Schriften (im ganzen 102, darunter auch mehrere Romane) zeichnen sich durch Reinheit und Gefälligkeit der Sprache aus, schadeten aber durch den in ihnen herrschenden leichtfertigen Ton. Erwähnt seien davon: "System der Moraltheologie" (Eisenach 1770); "Briefe über die systematische Theologie" (das. 1770-72, 2 Bde.) und die vielberufenen "Neuesten Offenbarungen Gottes in Briefen und Erzählungen" (Riga 1773-75, 4 Tle.), eine angebliche Übersetzung des Neuen Testaments, die vom jungen Goethe in dem bekannten satirischen "Prolog" (1774) verspottet und vom Reichshofrat verboten wurde. Eine "Geschichte seines Lebens", von B. selbst während seiner Haft geschrieben, erschien Berlin 1790, 4 Bde. Vgl. Leyser, Karl Friedr. B. (2. Aufl., Neustadt a. d. Haardt 1870).

Bahrdt mit der eisernen Stirn, Titel einer von A. v. Kotzebue (s. d.) unter dem Namen Knigges 1790 veröffentlichten Schmähschrift.

Bahreïninseln, eine zu Arabien gehörige Inselgruppe mit ca. 70,000 Einw. im Persischen Meerbusen, in der von der Halbinsel Katar gebildeten