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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bahr el Gazal; Bahrrecht; Bähung; Bahut; Bai; Baiburt

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Bahr el Gazal - Baiburt.

großen Bucht gleichen Namens. Die bedeutendste derselben ist Samak, die sich 52 km von N. nach S. mit einer größten Breite von 15 km erstreckt, im Innern fruchtbar, reich an Quellwasser und Dattelpflanzungen ist und in 15 Dörfern und der Hauptstadt Menameh (am Nordostende) über 40,000 Seelen zählt. Nordöstlich vor derselben liegt die kleine Insel Arad oder Moharrak. Die B. sind besonders wichtig durch Perlenfischerei, welche in ausgiebiger Weise hier seit alten Zeiten und noch immer, wie es Edrisi vor 700 Jahren schilderte, betrieben wird. Sie dauert vom Mai bis Ende September, beschäftigt 2000-2500 Boote und hat einen durchschnittlichen jährlichen Wert von 5 Mill. Mk. Die Perlenbänke der B. liegen 8-30 Faden unter der Meeresfläche und ziehen sich durch einen beträchtlichen Teil des Meerbusens bis zu den Biddulfsinseln hin. Die Taucher sind gewöhnlich Neger, welche nach Palgraves (wohl übertriebener) Angabe bis zu 2 Minuten unter Wasser bleiben können, aber von den reichen indischen Kaufleuten, in deren Händen sich die Fischerei befindet, schlecht bezahlt werden. Die B. waren schon den Alten als Tylos und Arados bekannt. Die Portugiesen besetzten sie bald nach der Eroberung von Ormus. Nachdem ihnen Schah Abbas Ormus entrissen hatte, mußten sie auch Samak ausgeben; 1784 bemächtigten sich die Araber der Insel, die sie noch heute im Besitz haben. Seit 1861 steht der Fürst unter englischem Protektorat.

Bahr el Gazal, s. Gazellenfluß.

Bahrrecht (Jus feretri, Jus cruentationis), im Mittelalter eine Art der Gottesurteile zur Entdeckung oder Überführung eines Mörders. Der des Mordes Verdächtige, in Gegenwart des Gerichts vor den auf einer Bahre liegenden Leichnam des Getöteten geführt, mußte die Wunden desselben berühren und dabei in einer vorgeschriebenen Formel Gott um Entdeckung des Schuldigen anrufen. Fingen die Wunden zu bluten an, so galt der Angeklagte für überwiesen oder doch stark verdächtig; der entgegengesetzte Fall war ein Beweis seiner Unschuld. Schon Kriemhild im Nibelungenlied wartet des Bahrrechts bei der Leiche ihres erschlagenen Gemahls Siegfried. Das B. erhielt sich unter allen Ordalien am längsten. In einigen Gegenden Norddeutschlands bestand auch das sogen. Scheingehen. War nämlich einem Mörder gar nicht auf die Spur zu kommen, so behielt man bei der Beerdigung ein Glied des Ermordeten zurück und hing es im Gerichtshaus oder Gefängnis auf, überzeugt, daß bei Annäherung des Mörders auch nach Jahren noch die verräterische Blutung erfolgen werde.

Bähung (Fomentatio), die Anwendung kalter oder warmer, trockner oder feuchter Umschläge auf leidende Teile des Körpers, um denselben Wärme zuzuführen oder zu entziehen und verschiedenartige Heilzwecke zu erreichen. Feuchtwarme Bähungen in Form von breiigen Substanzen werden Kataplasmen (Breiumschläge) genannt und gewöhnlich aus pflanzlichen Stoffen, wie Leinsamen, Semmel, Grütze, schleimhaltigen Pflanzenblättern, welche am besten mit Wasser (nicht Milch) gekocht werden, bereitet. Eine zusammenziehende Wirkung besitzen Kataplasmen aus Eichen- oder Chinarinde oder Galläpfeln; eine schmerzstillende solche aus Schierling, Bilsenkraut, Tollkirsche oder frischen Mohnköpfen; zu den reizenden Kataplasmen dienen die aromatischen Kräuter, denen man noch Wein, Essig oder Salmiakgeist zusetzt. Die feuchtwarmen Bähungen dienen besonders bei entzündlichen Zuständen, teils um den Ablauf der Entzündung, namentlich die Eiterbildung, zu befördern, teils um die vorhandenen Schmerzen zu mildern, ferner bei Kolik, bei Unterleibsentzündungen, Hautkrankheiten, namentlich Geschwüren, welche schlecht eitern, nach Verbrennungen etc. Sie sind überall angezeigt, wo die krankhafte Affektion eines regen Stoffwechsels bedarf, um zu heilen. Die Temperatur der Umschläge soll zwischen 30-40° R. betragen, und der Umschlag muß, sobald er sich abgekühlt hat, wieder erneuert werden, was längstens alle ½-1 Stunde geschehen muß. Die breiförmigen Massen streicht man fingerdick auf Leinwand (oder Mull), schlägt diese von allen Seiten her ein und legt das Päckchen auf den leidenden Teil. Stets muß man ein zweites Kataplasma vorrätig halten, um dasselbe unmittelbar nach der Wegnahme des ersten aufzulegen. Um die Wärme desselben länger zurückzuhalten, bedeckt man das Kataplasma mit warmen wollenen Tüchern, mit Wachstaft oder Kautschuktuch, welches insofern sehr zweckmäßig ist, als es auch die Vertrocknung hindert. Wo es nur auf die feuchte Wärme ankommt, genügen in warmes Wasser getauchte Kompressen, welche sorgfältig vor rascher Abkühlung zu schützen sind. Trockenwarme Bähungen werden benutzt, um die natürliche Wärme des Körpers zurückzuhalten, weshalb denn auch schlechte Wärmeleiter, wie wollene Tücher, Watte aus Baumwolle, Pelz etc., hierzu verwendet werden. Die trockenwarmen Kräutersäckchen und ähnliche Mittel leisten nicht mehr als jede andre warme Bedeckung des kranken Teils. Kalte Umschläge haben eine Verminderung des Säftezuströmens zur Folge, und man bedient sich ihrer, um erhöhte Wärme, Empfindlichkeit und Schmerzhaftigkeit sowie die Blutüberfüllung zu vermindern. Daher finden sie Anwendung bei entzündlichen Krankheiten der Haut (Hautjucken), des Auges, des Gehirns und seiner Häute, der Gelenke, nach Verstauchungen, Verwundungen, Brüchen, bei leichtern Graden der Verbrennung. Die sogen. Prießnitzschen Umschläge üben eine kompliziertere Wirkung aus. Wenn nämlich einem Teil durch Applikation kalter Umschläge seine Wärme entzogen, der Blutumlauf in demselben vermindert worden ist, diese Umschläge aber, wenn sie anfangen, sich zu erwärmen, nicht erneuert, sondern liegen gelassen werden, so entsteht infolge der Reizung ein um so lebhafterer Blutumlauf, es erfolgt eine Reaktion, welche man in vielen Fällen mit gutem Erfolg zu Heilzwecken benutzt hat. Diese nachfolgende Erwärmung wird noch gesteigert, wenn man über die aufgelegten Kompressen Wachstaft oder wollene Tücher legt und dadurch den entstehenden Wasserdampf zurückhält.

Bahut (franz., spr. ba-ü), Koffer, Truhe.

Bai, eine Einbiegung des Meers in das Land, kleiner als der Meerbusen, größer als die Bucht, besonders an Küsten mit Parallelgebirge, von welchem Seitenäste mit Vorgebirgen ins Meer gehen.

Baiburt, Hauptstadt eines Liwas im türk. Armenien, Wilajet Erzerum, liegt 1638 m ü. M. an einem Zufluß des Tscharuk, an der Straße von Erzerum nach Trapezunt, mit etwa 5000 Einw.; dabei Kupfergruben. In den nahen Bergen hausen troglodytische Lasen, fast noch so wild wie zur Zeit Xenophons. Im Mittelalter sollen die Genuesen hier, wie in Erzerum, Handelsstationen gehabt haben. B. ist bekannt durch die Schlachten 1473 (878 der Hedschra) zwischen dem siegreichen Mohammed II. und Uhum Hassan sowie 7. Okt. 1829 zwischen den siegreichen Russen unter Paskewitsch und den Türken.