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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Balderich - Balduin.

burger Zaubersprüche berichtet einen eigentümlichen mythischen Zug, wie Phol (d. h. Balder) und Wodan zu Walde ritten, dem Fohlen Phols der Fuß ausgerenkt ward und der zauberkundige Wodan ihn dann einrenkte (alte Besprechungsformel). Über den Ursprung des Mythus von B. vgl. Schwartz, Indogermanischer Volksglaube (Berl. 1885).

Balderich, s. Baudrier.

Baldewin (der "vergnügt Geliebte"), altdeutscher Mannesname, von dem Balduin (s. d.) abgeleitet ist; im deutschen Tierepos Name des Esels.

Baldi, Bernardino, ital. Dichter und Gelehrter, geb. 1553 zu Urbino, studierte in Padua besonders Mathematik und Griechisch, übersetzte schon damals Aratos' "Phaenomena" in italienische Verse, kehrte dann 1576 beim Ausbruch der Pest nach Urbino zurück und wurde bald darauf von Don Ferrante II., Herzog von Guastalla, zum Hofmathematiker und einige Jahre später zum Abt von Guastalla ernannt. Er starb 1617 in seiner Vaterstadt. B. war ein außerordentlich vielseitiger Schriftsteller und ist Verfasser einer Reihe schätzbarer wissenschaftlicher Werke aus den verschiedensten Fächern. Die Dichtkunst trieb er zwar nur zu seiner Erholung, hat sich aber in derselben einen höchst achtbaren Namen erworben. Von seinen poetischen Werken stehen das didaktische Epos "La Nautica", eins der besten seiner Art in der italienischen Litteratur, sowie seine vortrefflichen "Egloghe" obenan. Letztere sind in reimlosen Versen (versi sciolti) geschrieben, einer Versart, die er mit einer Meisterschaft wie wenige andre italienische Dichter handhabte. Wenig Beifall dagegen fand sein Versuch, 18- und 14silbige Verse, in welchen sein Epos "Diluvio universale" und seine Jugendarbeit "Lauro" verfaßt sind, einzuführen. Unbedeutend sind seine Fabeln in Prosa. Seine poetischen Werke erschienen unter dem Titel: "Versi e prose" (Vened. 1590). Sein Leben beschrieb Affo (Parma 1783.)

Baldīni, Baccio, Goldschmied und Kupferstecher zu Florenz, geb. 1436, gestorben nach 1480, einer der ältesten ital. Kupferstecher, vielleicht Schüler Finiguerras. Seine Stiche, die noch sehr unvollkommen in der Technik sind und hinter den gleichzeitigen deutschen und niederländischen zurückstehen, sollen sämtlich nach Botticellis Zeichnungen gefertigt sein. Für die Stiche einer Florentiner Dante-Ausgabe von 1481, welche ihm zugeschrieben werden, sind die jetzt im Berliner Museum befindlichen Zeichnungen Botticellis jedenfalls benutzt worden.

Baldinucci (spr. -nuttschi), Filippo, ital. Kunstschriftsteller, geb. 1624 zu Florenz, gest. 1696 daselbst, hat sich um die Kunstgeschichte durch die Herausgabe eines umfassenden biographischen Sammelwerks verdient gemacht, dessen erste Ausgabe in Florenz 1681-1728 unter dem Titel: "Notizie de' professori del disegno da Cimabue in qua" (bis 1670) erschien (4. Ausg., Flor. 1846-47, 5 Bde.) und besonders eine Ergänzung des Vasari bezweckte. Er schrieb außerdem eine Biographie Berninis (1682) und ein "Vocabolario delle arte del disegno" (1681).

Baldōwer (hebr.), in der Gaunersprache der die Gelegenheit zu Diebstählen Auskundschaftende.

Baldrian, s. Valeriana.

Baldrianäther, s. Valeriansäure.

Baldrianöl, durch Destillation mit Wasser aus der Baldrianwurzel gewonnenes (Ausbeute 0,4-1,4 Proz.) blaßgelbes oder grünliches, dünnflüssiges, ätherisches Öl von durchdringendem Baldriangeruch und gewürzhaftem, bitterm, kampferartigem Geschmack. Das spezifische Gewicht ist 0,90-0,94, es reagiert sauer, löst sich wenig in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, wird im Alter dick und braun, indem es verharzt. Alte Wurzeln geben schon bei der Destillation ein dickflüssiges, braunes Öl. Das B. besteht aus einem Kohlenwasserstoff (Valeren), Baldriansäure und Valerol. Man benutzt es in der Medizin.

Baldrianpflanzen, s. Valerianeen.

Baldriansäure, s. v. w. Valeriansäure.

Balduin, männlicher Vorname, dem altdeutschen Baldewin (s. d.) entsprechend. Bemerkenswerte Fürsten desselben:

Lateinische Kaiser des byzantinischen Reichs 1) B. I., Sohn Balduins VIII., Grafen von Flandern, geb. 1171, seit 1195 Graf von Flandern und Hennegau, wurde nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer 1204 zum Oberhaupt des lateinischen Kaisertums gewählt, 1205 von dem Bulgarenkönig Johannes bei Adrianopel geschlagen und starb in der Gefangenschaft. - 2) B. II., letzter lat. Kaiser in Konstantinopel (1228-61), zu Anfang minderjährig und unter der Vormundschaft Johanns von Brienne, ein sehr schwacher Regent, suchte, 1261 durch Michael Paläologos vom Thron gestürzt, vergebens beim Papst und den abendländischen Fürsten, namentlich bei Karl von Anjou, Beistand zur Wiedererlangung seines Throns. Er starb 1273.

Könige von Jerusalem. 3) B. I., jüngster Bruder des Herzogs Gottfried von Bouillon, nahm teil am ersten Kreuzzug, trennte sich aber in Syrien vom Hauptheer und wandte sich gegen Edessa, wo er nach der Ermordung des Fürsten Thoros durch den erbitterten Pöbel selbst den fürstlichen Thron bestieg. Er verteidigte Edessa gegen Kerboga, welcher zum Entsatz von Antiochia herbeizog. Nach seines Bruders Gottfried Tod (1100) wurde B. König von Jerusalem trotz der Opposition des Patriarchen von Jerusalem, Dagobert, und Tancreds. B. war ein kräftiger Regent, der das Gebiet durch Eroberung einer Reihe von Städten, wie Arsuf, Cäsarea, Ptolemais, Beirut, Sidon, erweiterte, im Innern möglichst die Ruhe erhielt und sich überall Achtung zu verschaffen wußte. Er erhob Bethlehem zum Bistum. B. starb auf einem Zuge gegen Ägypten 1118 zu El Arisch. - 4) B. II., Vetter und Nachfolger des vorigen, vorher Graf von Edessa, ward 2. April 1118 vom Patriarchen Arnulf zum König gesalbt. Schon alt, suchte er mehr durch Vorsicht und Klugheit als durch kriegerisches Vorgehen sich der Feinde zu erwehren. 1123 wurde er, als er den gefangenen Grafen Joscelin von Edessa befreien wollte, selbst von den Sarazenen gefangen und nur gegen hohes Lösegeld und Abtretung einiger Plätze freigelassen. Unter seiner Regierung entstand der Templerorden. B. starb 31. Aug. 1131. Der Nachfolger war sein Schwiegersohn Fulco von Anjou. - 5) B. III., Enkel des vorigen, Sohn des Königs Fulco, geb. 1129, stand nach seines Vaters Tod (1143) unter der Vormundschaft seiner Mutter Melisende. Am 13. Dez. 1144 nahm Emadeddin Zenki, Reichsverweser des Sultans von Mosul, das von Joscelin dem jüngern schlecht beschützte Edessa. Dieses kam zwar nach Zenkis Tod 1146 wieder an die Christen; als es aber Nureddin von Damaskus abermals eroberte, entriß B. seiner herrschsüchtigen Mutter mit Gewalt die Herrschaft, eroberte nach achtmonatlicher Belagerung Askalon 1153, schlug 1157 Nureddin bei Tiberias, heiratete Theodora, die Nichte des Kaisers Manuel, wodurch er dessen Bundesgenossenschaft gewann, starb aber schon 10. Febr. 1162, dem Gerücht zufolge durch den Leibarzt des Grafen von Tripolis vergiftet, zu Tripolis, ein kräftiger und