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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Balikesri; Balingen; Baliol; Balis; Balize; Balk; Balkan

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Balikesri - Balkan.

(insonderheit der Siwakultus) von alten Zeiten her bis auf die Gegenwart lebenskräftig erhalten hat, während auf Java nur noch vereinzelte und schwache Spuren davon zu finden sind. Daher herrscht unter den Balinesen noch heute das indische Kastenwesen, wie das Frauenverbrennen nach dem Tode der Ehemänner. Die beiden vornehmsten Kasten sind die Brahmana (Priester) und die Satriya (Könige und Fürsten); die dritte (Wasiya) enthält die Kaufleute und Handwerker, die vierte (Sudra) die Bauern. Die Insel zerfiel ehedem in neun kleine, unter eignen Fürsten stehende Staaten: Boliling, Djembrana und Karangasam an der Nordküste; Klongkong, Gianiar und Badong an der Ost- und Südostküste; Mangawei und Tabanan im SW. und Tamanbali oder Bangli im Innern. Seit 1840 begannen Streitigkeiten mit den Holländern; zwei Expeditionen (1846 und 1848) hatten so gut wie keinen Erfolg; erst einer dritten von 7000 Mann gelang es 1849 nach hartnäckigen Kämpfen, Boliling und Djembrana zu unterwerfen und die übrigen Fürsten zur Anerkennung der holländischen Oberhoheit zu zwingen. Die genannten beiden Staaten wurden zur niederländischen Residentschaft Banjuwangi auf Java geschlagen und unter einen Assistent-Residenten gestellt und der Resident von Banjuwangi zugleich zum Regierungskommissar für B. und Lombok überhaupt ernannt. Wiederholte Versuche der einheimischen Fürsten (1858 und 1868), sich von der Oberherrschaft der Niederländer wieder zu befreien, sind erfolglos geblieben. Hauptort, auch für den Handel, ist Boliling in der gleichnamigen Landschaft. Vgl. Friederich, An account of the island of B. (Lond. 1876).

Balikesri, Hauptstadt des neuen türk. Wilajets Karasi in Kleinasien, südwestlich von Brussa, mit 12,000 Einw., wo jährlich (vom 15. August an) einer der beträchtlichsten Märkte im Orient gehalten wird, zu dem über 25,000 Menschen zusammenströmen. In der Nähe Mineralquellen (48° C.).

Balingen, Oberamtsstadt im württembergischen Schwarzwaldkreis, an der Eyach (517 m ü. M.) und der Linie Tübingen-Sigmaringen der Württembergischen Staatsbahn, ist seit den Feuersbrünsten von 1724 und 1809 regelmäßig erbaut, hat ein Amtsgericht, 2 Kirchen (in der Stadtkirche das Grabmal Friedrichs von Zollern), (1880) 3252 meist ev. Einwohner, welche Trikotweberei, Handschuh- und Schuhfabrikation und Viehhandel treiben. Bei der Stadt ist der Heuberg, der schwäbische Blocksberg, und eine Schwefelquelle (1724 entdeckt). B. war ursprünglich Besitztum der Grafen von Zollern, erhielt schon 1206 Stadtrechte und kam 1403 durch Kauf an Württemberg.

Baliol, John, König von Schottland, geboren um 1260, bewarb sich nach dem kinderlosen Tod Alexanders III. 1286 mit Robert Bruce (s. d.) und zehn andern Prätendenten um den schottischen Thron. König Eduard I. von England, der die Oberherrlichkeit über Schottland in Anspruch nahm, wurde zum Schiedsrichter gewählt und setzte 1291 B. zum Lehnskönig von Schottland ein. Als derselbe sich 1295 empörte, wurde er von Eduard bei Dunbar 1296 besiegt und feierlich abgesetzt. - Sein ältester Sohn, Eduard, gewann mit Hilfe Eduards III. von England 1332 den schottischen Thron, ward zu Scone gekrönt, aber bald nachher von Archibald Douglas vertrieben, von Eduard nach dem Sieg bei Berwick 1333 wieder eingesetzt, brachte es jedoch nie zu wirklicher Macht, verzichtete 1355 zu gunsten Eduards auf sein Scheinkönigtum und starb nicht lange nachher als der letzte seines Stammes.

Balis (Kala'at B., das Barbalisos der Alten), Ort im nördlichen Syrien, rechts am Euphrat, da, wo derselbe auf seinem nach S. gerichteten Lauf nach O. abbiegt, einst Hafen von Aleppo.

Balize, s. Belize.

Balk (Balko), Hermann, Gründer der Herrschaft des Deutschen Ordens in Preußen und erster Landmeister daselbst. Aus einer niedersächsisch-märkischen Familie gebürtig, ward er 1230 vom Hochmeister Hermann von Salza auf Bitten Herzog Konrads von Masovien mit etwa 100 Rittern zur Eroberung Preußens abgesandt, erbaute die Ordensburg Thorn, gewann so das Kulmer Land, erhob Kulm zur Stadt und erweiterte die Gewalt des Ordens allmählich bis über das Frische Haff hinaus. Durch Milde und Schonung suchte er die Besiegten für das Christentum zu gewinnen. 1237 gründete er Elbing. Nach der Vereinigung der Deutschen Ritter mit den Schwertbrüdern in Livland übernahm B. das dortige Heermeistertum, trat aber einen Teil Esthlands an Dänemark ab. Er kehrte 1238 nach Deutschland zurück und starb daselbst 1239.

Balkan, türk. Wort für "Gebirge", speziell gebraucht für das im Altertum Hämos genannte große Gebirge der europäischen Türkei, welches vom Timok an, in der Richtung von W. nach O., über 340 km bis an das Schwarze Meer sich erstreckt (s. "Karte der Balkanländer" beim Art. "Türkisches Reich"). Er scheidet Bulgarien von Thrakien (Rumelien) und bildet von 23⅓° östl. L. v. Gr. an die Wasserscheide zwischen dem Ägeischen Meer und der Donau. Nach N. fließen von ihm zur Donau: Lom, Ogust, Wid, Osma, Jantra, zum Schwarzen Meer der Kamtschyk, nach S. zur Maritza die Topolnitza, Giopsa, Tundscha, nach W. Zuflüsse der Nischawa und der Timok. Die früher in Europa auf einzelne Teile der Kette angewandte Bezeichnung Chodschabalkan (türkisch) und Stara Planina (bulgarisch), d. h. altes Gebirge, wird von den Landesbewohnern für das ganze Gebirge vom Timok bis zum Schwarzen Meer gebraucht, welches in drei Teile zerfällt: den Osten vom Vorgebirge Emine Burnu bis zur Stadt Sliven (26⅓° östl. L. v. Gr.), den Zentralbalkan von Sliven bis zum Iskerdurchbruch und den Westbalkan vom Isker bis zum Timok, der serbischen Grenze. Die früher gebräuchliche Bezeichnung des Balkans als eines Gebirges "mit einseitigem südlichen Steilabfall und allmählicher Abdachung zur Donau gegen N." ist nur für den Zentralbalkan berechtigt, nicht aber für den Osten und Westen. Letzterer ist vielmehr auf der Strecke vom Iskerdurchbruch bis Pirot in mehrere Parallelzweige geteilt, welche die oft ziemlich breiten Längsthäler der Iskretz und der Temska einschließen, und sein steilerer Abfall ist der nördliche; Gleiches gilt von dem vierfach gespaltenen Ostbalkan. Diese Dreiteilung wird auch durch den geologischen Bau gerechtfertigt. Nur im kristallinisch-paläozoischen Zentralbalkan, wo die Hebung des Gebirges am stärksten war, besteht auch der südliche Steilabfall durchweg aus kristallinischen Gesteinen. Im Westbalkan, der fast ebenso hoch ist, und dessen Gipfel ebenfalls aus Porphyr, Granit, Gneis, Glimmerschiefer und andern kristallinischen Gesteinen zusammengesetzt sind, bedecken sekundäre und tertiäre Formationen an vielen Stellen des Südabfalls das Grundgebirge, während im niedrigen Ostbalkan, dessen sanfte Höhen von horizontalen Kreideschichten gebildet werden, mit denselben abwechselnd am Südabhang ausgedehnte Tuffe, Trachyte und andre eruptive Gebilde lagern. Auf der Nordseite des Balkans, welche große Steinkohlenlager