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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Balten; Balteus; Baltia; Baltimore

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Balten - Baltimore.

Lehrer der Kunstschule, später zum Stadtbaumeister von Paris ernannt, ward er 1860 mit der Leitung der städtischen Bauten daselbst betraut. Er starb 14. Jan. 1874. B. war ein trefflicher Konstrukteur, wie die gewaltige Kuppel von St.-Augustin auf dem Boulevard Malesherbes beweist, mehr aber noch sein Hauptwerk, die Halles centrales in Paris, welche für alle übrigen Markthallenanlagen mustergültig geworden sind.

Balten ("die Kühnen"), Herrschergeschlecht der Westgoten, welches mit Amalarich 531 erlosch.

Balteus (Balteum, lat.), bei den Römern der Gürtel über den Hüften zum Festhalten des Gewandes, besonders der lederne Wehrgürtel der Soldaten und das Schwertgehänge derselben, welches über der Schulter getragen wurde. In der Architektonik bedeutet B. die Polstergurte am ionischen Kapitäl.

Baltia (Basilia), bei Plinius Name einer Insel des nördlichen Europa, worunter wahrscheinlich die preußische Küste zu verstehen ist. Daher die zuerst bei Adam von Bremen vorkommende Bezeichnung Baltisches Meer (Mare balticum) für die Ostsee.

Baltimore (spr. báhltimor), die größte und wichtigste Stadt des nordamerikan. Staats Maryland, liegt unter 39° 17' nördl. Br. auf der Nordseite des Patapscoflusses (s. Plan), der sich hier zu einem bedeutenden Strom ausweitet, 22 km oberhalb seiner Mündung in die Chesapeakebai, 54 km nordöstlich von Washington. B. ist um eine an der Nordseite des Patapsco ausspringende Bucht herumgebaut, steht auf einem wellenförmigen Boden, der namentlich nach NW. und NO. hin aufsteigt (bis 119 m), und umfaßt in seinem Grundriß ein Areal von ca. 30 qkm. Ein kleines, von N. herkommendes Flüßchen, Jones' Falls genannt, teilt den im N. und NW. der genannten Bucht gelegenen Stadtteil in Ost- und Westbaltimore, während auf der westlich an der Bucht vorspringenden und im Fort Mac Henry endenden Halbinsel Südbaltimore steht, dessen höchster Punkt, Federal Hill, nur 27 m ü. M. liegt. B. bildet fast ein Quadrat und ist von Straßen von 20-40 m Breite durchschnitten, die mit wenigen Ausnahmen von O. nach W. und von N. nach S. ziehen. Es ist eine der wenigen Städte Amerikas, in denen nicht sämtliche Eisenbahnen die Straßen entlang laufen. Man hat hier zwei Tunnels (zusammen 3328 m lang) gebaut, um durch sie vier der Bahnhöfe miteinander zu verbinden. Unter den öffentlichen Plätzen sind als die belebtesten zu nennen: Monument Square, im Mittelpunkt der Stadt, mit dem Battle Monument zur Erinnerung an die Belagerung von 1814, mit einer sinnbildlichen Figur der Stadt; Franklin und Union Squares (beide im W. der Stadt), Lafayette Square (im neuerbauten Nordwestteil) und Jackson Square (im O.). Charles und Baltimore Streets sind die lebhaftesten Geschäftsstraßen. Erstere führt nach dem von stattlichen Privathäusern eingefaßten Mount Vermont, 30 m über dem Hafen, wo sich eine dorische, mit Marmor bekleidete Säule erhebt, auf deren Gipfel eine Statue Washingtons steht. Im Innern führt eine Wendeltreppe auf eine Galerie, welche eine der schönsten Aussichten über Stadt und Umgegend gewährt. Das ganze, 1830 enthüllte Denkmal hat eine Höhe von 65 m. Außerdem ist dem Gründer der ersten Odd Fellows-Logen in Amerika, Thom. Wildey, ein Standbild errichtet worden, und den genannten drei Monumenten verdankt B. seinen Zunamen "Monumental City". Unter den öffentlichen Parken ist der auf dem Druid Hill (113 m) im N. der Stadt gelegene, 275 Hektar große, mit prächtigen Baumgruppen und reizenden Fernsichten, am anziehendsten. In ihm liegt eins der Reservoirs der städtischen Wasserwerke, welches 2240 Mill. Lit. Wasser enthält. Von mäßigerm Umfang sind Patterson Park (28 Hektar) im O. und die Anlagen auf dem Federal Hill im S., wo während des Bürgerkriegs ein Fort stand. Die öffentlichen Gebäude und außer ihnen viele Privatbauten sind zum Teil aus Marmor oder Granit ausgeführt. Unter den zahlreichen Kirchen zeichnen sich die katholische Kathedrale durch ihre ungeschlachte Größe, die "erste presbyterianische Kirche" aber durch ihren 82 m hohen gotischen Turm aus. Erstere enthält eine große Orgel und zwei schöne Altargemälde. Außer diesen sind noch zu nennen die unitarische Kirche mit klassischem Portikus, die Methodistenkirche in Charles Street, mit drei Türmen, und die marmorne Hauptkirche der Baptisten mit gotischem Turm. Das 1875 vollendete Stadthaus (City Hall) ist ein großartiger weißer Marmorbau mit 68 m hoher Kuppel. Die Börse, mit ionischem Portikus von weißen Marmorsäulen, beherbergt gleichzeitig die Post- und Zollbehörden. Stattliche Gebäude sind ferner der Bundesgerichtshof (von Granit), der städtische Gerichtshof (von Marmor und Backsteinen), die nebeneinander stehenden Gefängnisse der Stadt und des Staats und die Getreidebörse. Die Zahl der Einwohner ist in raschem Steigen begriffen. Während die Stadt 1800 erst 26,114 Einw. zählte, belief sich deren Anzahl 1860 auf 212,418, 1880 aber auf 332,313 (darunter 54,901 Deutsche und 64,793 Irländer). Dem Bekenntnis nach bilden die verschiedensten protestantischen Sekten die Mehrzahl, aber die Katholiken sind so zahlreich, daß man von B. manchmal als von einer katholischen Stadt spricht. In der That ist sie auch Sitz eines Erzbischofs, der in den Vereinigten Staaten den Primat behauptet, und die Anzahl der katholischen Anstalten ist sehr bedeutend. An Wohlthätigkeitsanstalten, öffentlichen wie privaten, ist B. ungewöhnlich reich. Dahin gehören: vier Irrenanstalten, zahlreiche Krankenhäuser (darunter das von John Hopkins gegründete am bedeutendsten),

^[Abb.: Situationsplan von Baltimore.]