Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Banér

317

Banér.

Was die Haustiere betrifft, so kennt man von den drei beim Pferd gefundenen Bandwürmern und auch bei der Taenia denticulata des Rindes die Entwickelung noch nicht. Taenia marginata Batsch. wird beim Hund und Wolf geschlechtsreif gefunden; der zugehörige Blasenwurm, Cysticercus tenuicollis, lebt besonders im Netz, seltener in der Leber der Wiederkäuer und Schweine, auch gelegentlich des Menschen. Die Taenia expansa Rud. (Fig. 11), 0,5-60 m lang, mit ziemlich zarten, dünnen und durchsichtigen Gliedern, ist häufig im Darm von Schafen und Ziegen, seltener beim Rinde, tritt oft massenhaft bei Lämmern auf und erzeugt dann die Bandwurmseuche. Seine Jugendform ist völlig unbekannt. Der häufigste Bandwurm des Hundes ist Taenia serrata Götze, mit einer doppelten Reihe größerer und kleinerer Haken, dessen Blasenwurm, Cysticercus pisiformis, im Hasen und Kaninchen lebt. In der Katze lebt Taenia crassicollis R., mit starkem Kopf und kurzem, dickem Hals, und der dazu gehörige Blasenwurm, Cysticercus fasciolaris, in der Maus. Von großer Bedeutung ist die Taenia coenurus R. des Hundes, weil deren Finne als Drehwurm (s. d.) im Gehirn des Schafs haust. Noch wichtiger aber ist der Hülsenwurm, Taenia echinococcus v. Sieb., welcher gleichfalls im Hund geschlechtsreif wird, mit diesem wohl über die ganze Erde verbreitet ist und als Finne, Echinococcus, im Menschen, in den Affen, Wiederkäuern und Schweinen vorkommt. Er wird nur 4 mm lang und besitzt im ganzen nur 3 oder 4 Glieder, von denen das letzte, wenn es reif ist, den ganzen übrigen Körper an Masse übertrifft (Fig. 7). Der kleine Kopf trägt Saugnäpfe und einen doppelten Hakenkranz. In der aus dem Embryo hervorgehenden Blase bilden sich (s. oben) Brutkapseln, und in diesen entwickeln sich 12-20 Bandwurmköpfe; die Entwickelung ist eine viel langsamere als bei den Finnen, und bei einer bestimmten Form bringt die ursprüngliche Blase Tochterblasen hervor, welche dann abermals Brutkapseln erzeugen. Diese Gebilde haben sehr ungleiche Größe, manche bleiben sehr klein, aber die Tochterblasen können sich in ungeheurer Zahl entwickeln; so hat man einen 15 kg schweren Echinococcus mit vielen Tausenden Tochterblasen bei einer Frau beobachtet. Er findet sich am häufigsten in den Eingeweiden, besonders in der Leber, verschont aber kaum ein Organ des Körpers ganz und führt sehr leicht den Tod herbei. Sehr verbreitet ist die Echinokokkenkrankheit in Island.

Die Bothriokephalen haben einen abgeplatteten Kopf mit je einer langen, stachen Sauggrube an den Seitenrändern. Sie leben im reifen Zustand vorzugsweise in Kaltblütern, einige auch in Vögeln und Säugetieren. Der Grubenkopf (Bothriocephalus latus Brems.) ist bandförmig, 5-8 m lang, aus 3-4000 kurzen und breiten Gliedern zusammengesetzt, in der Mitte 10-12 mm breit, vorn fadendünn. Der Kopf ist keulenförmig, hakenlos. Reife Eier finden sich zuerst im 600. Glied, sie haben eine einfache braune Schale mit kappenförmigem Deckelchen, entwickeln aber im Mutterleib keinen Embryo. Dieser bildet sich nur im Wasser, schlüpft aus dem Ei aus und bewegt sich 4-6 Tage lang mittels eines Flimmerüberzugs frei umher. Die spätern Entwickelungsstufen werden im Hechte durchlaufen. Im Menschen kann er 20 Jahre lang leben, ist aber leicht abzutreiben. Er findet sich besonders in der westlichen Schweiz und den angrenzenden französischen Distrikten, den nordwestlichen und nördlichen Provinzen Rußlands, in Schweden, Polen, Holland, Belgien, Ostpreußen und Pommern, überall in wasserreichen Gegenden. B. cordatus Leuck. ist bedeutend kleiner und besitzt einen kurzen, herzförmigen Kopf; er bewohnt in nördlichen Gegenden Hunde und Menschen.

Im allgemeinen verursachen die B. ihrem Träger nur sehr geringe oder keine Beschwerden, so daß sie oft gar nicht bemerkt werden; beim Grubenkopf ist meist der Abgang von Gliedern das erste und einzige Symptom. Der Bandwurm reizt die Schleimhaut, welche gerötet, geschwollen, manchmal selbst blutig infiltriert oder mit oberflächlichen Geschwüren versehen ist. Infolge dieses Darmkatarrhs, und weil der Wurm einen Teil der Ernährungssäfte seines Wirts für sich in Anspruch nimmt, entstehen manchmal Abmagerung und Blutarmut. Die Patienten sind bleich, trotz reichlicher Nahrung mager, leiden an krankhaften Empfindungen im Unterleib, ja bei sehr zarten Individuen gesellen sich Schwindel, Ohnmachten, allgemeine Muskelschwäche und Krämpfe hinzu. Ein sicheres Anzeichen ist aber nur der Abgang einzelner Glieder oder ganzer Gliederreihen. Zur Abtreibung benutzt man ätherisches Extrakt der Farnkrautwurzel (Aspidium filix mas), Abkochung der Granatwurzelrinde und die Kussoblüten. Diese Vegetabilien sind die wesentlichen Bestandteile fast aller Geheimmittel, welche unter den verschiedensten Namen in den Handel und Gebrauch gekommen sind. Die Kur ist nur dann gelungen, wenn der Kopf mit entfernt worden ist, weil sonst sich an ihm wiederum neue Glieder bilden. Vgl. Leuckart, Die menschlichen Parasiten (Leipz. 1863-76, 2 Bde.); Derselbe, Allgemeine Naturgeschichte der Parasiten (das. 1879); Bettelheim, Die Bandwurmkrankheit des Menschen (das. 1879).

^[Abb.: Fig. 11. Taenia expansa; nat. Größe. a Einzelne Glieder.]

Banér (Banner oder Banier), Johann, schwed. Feldmarschall im Dreißigjährigen Kriege, geb. 30. Juni 1596 auf dem Rittergut Djursholm bei Stockholm aus einer alten gräflichen Familie, trat 1615 ins Heer und zeichnete sich in den Kriegen Schwedens mit Rußland und Polen bei mehreren Gelegenheiten aus. Gustav Adolf ernannte ihn 1621 zum Obersten, 1623 zum Generalmajor, 1626 zum Kommandanten von Riga, 1629 zum Bevollmächtigten bei den Friedensunterhandlungen mit Polen und 1630 zum Generalleutnant und Reichsrat. Noch in demselben Jahr folgte B. dem König nach Deutschland. Mit Gustav Horn unterhandelte er hier 1631 den Bärwalder Vertrag zwischen Schweden und Frankreich. In der Schlacht bei Breitenfeld (17. Sept. 1631) befehligte er die Reiterei des rechten Flügels; ein Flankenangriff Pappenheims ward von ihm energisch abgewiesen, so daß er einen wesentlichen Anteil am Sieg hatte. Von diesem Tag an hieß B. "der schwedische Löwe". Nach dem