Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Banu; Banville; Bánya; Banyuls; Banz; Baobab; Baour-Lormian

346

Banu - Baour-Lormian.

allen Bantusprachen eine große Anzahl vorn angefügter Elemente (bis zu 18), ursprünglicher Pronomina, welche den Unterschied zwischen Singular und Plural ausdrücken, (z. B. umu-ntu Mensch, aba-ntu oder bloß ba-ntu Leute, daher der Name B.), zugleich aber auch zur Unterscheidung der leblosen von belebten Gegenständen, zur Bezeichnung von Sammelnamen u. dgl. dienen und besonders die gegenseitige Kongruenz der Satzteile bewirken. So heißt in der Zulusprache u-mu-ntu w-etu o-mu-chle u-ya-bonakala sl-m-tanda: "Mann, unser schöner, erscheint, wir ihn lieben", wobei das vollständig oder in den verkürzten Formen w, o, u, m wiederholte Pronomen mu die Kongruenz jedes einzelnen Satzteils mit den andern ausdrückt. Diese überall präfigierten Pronomina bilden die bezeichnendste Eigentümlichkeit der Bantusprachen, die deshalb präfixpronominale Sprachen genannt worden sind; auf ihnen beruht auch die von Livingstone rühmend hervorgehobene große Deutlichkeit dieser Sprachen, die freilich für den Europäer etwas Schwerfälliges und Kindliches hat. Vgl. Bleek, Comparative grammar of South African languages (Lond. 1862-69, 2 Bde.); Fr. Müller, Grundriß der Sprachwissenschaft, Bd. 1 (Wien 1877). Die Litteratur der B. beschränkt sich ausschließlich auf die von Missionären abgefaßten Bibelübersetzungen, Erbauungsbücher u. dgl. und die von denselben gesammelten Fabeln und Märchen. Interessante Proben der letztern enthält namentlich das Journal der 1879 gegründeten South African Folklore Society in der Kapstadt.

Banu (Mehrzahl Bani), rumän. Münze, = 0,01 Leu = 1 Centime = 0,8 Pf.

Banville (spr. bangwio, Théodore de, franz. Dichter, geb. 1823 zu Moulins, publizierte außer mehreren biographischen Artikeln verschiedene Dichtungen und Gedichtsammlungen: "Les Caryatides" (1842); "Les Stalactites" (1846); "Les Odelettes" (1856); "Odes funambulesques", unter dem Pseudonym Bracquemond (1857, neue Ausg. 1880); "Les Exilés" (1866); "Nouvelles odes funambulesques" (1868); "Idylles prussiennes 1870-1871" (1872); "Trente-six ballades joyeuses" (1873) und "Poésies: Occidentales. Rimes dorées etc." (1875). Auch als dramatischer Dichter hat er mehrere Pariser Theater mit den Produkten seiner Muse bedacht, unter welchen "Le feuilleton d'Aristophane" (1852) und "Le cousin du roi" (1857), beide in Gemeinschaft mit Boyer, "Le beau Léandre" (in Versen, 1856), "Diane au bois" (heroische Komödie in Versen, 1863), die Lustspiele: "La Pomme" (1865) und "Gringoire" (1866) und das Schauspiel "Deidamia" (1877) Hervorhebung verdienen. Die Romanlitteratur endlich hat er durch verschiedene Erzeugnisse und Genrebilder bescheidenen Umfanges, wie: "Les pauvres saltimbanques" (1853), "La vie d'une comédienne" (1855), "Esquisses parisiennes" (1859), "Les fourberies de Nérine" (1864), "Les camées parisiens" (1866-73, 3 Bde.), "Les Parisiens de Paris" (1866) u. a., bereichert. Banvilles Talent ist ein überwiegend formelles; als Verskünstler steht er unübertroffen da, und auch seine Prosa atmet große Anmut. Als Theaterkritiker wirkte er seit 1869 im "National". Noch veröffentlichte er: "Petit traité de poésie française" (1880) und "Mes souvenirs. Petites études" (1882). Gesammelt erschienen seine "Comédies" (1878) und "Poésies complètes" (1879, 3 Bde.).

Bánya (magyar., spr. bānja), in zusammengesetzten Ortsnamen vorkommend, bedeutet "Bergwerk".

Banyuls (spr. banĭül, B. sur Mer), Hafenstadt im französischen Departement Ostpyrenäen, Arrondissement Céret, an einer kleinen Bai des Mittelländischen Meers und an der nach Spanien führenden Eisenbahn gelegen, hat ein altes Schloß, (1876) 2277 Einw., bedeutenden Weinbau (bester Roussillonwein), Kultur von Südfrüchten und Oliven, Honig- und Korkgewinnung, Faßbinderei und besuchte Seebäder.

Banz, ehemalige berühmte Benediktinerabtei, jetzt Schloß des Herzogs Maximilian in Bayern, im bayrischen Regierungsbezirk Oberfranken, aus einem 440 m hohen, schön bewaldeten Bergrücken, am rechten Mainufer unterhalb Lichtenfels gelegen, mit schöner, doppeltgetürmter Kirche. Das Schloß selbst enthält eine Reihe prächtiger Zimmer (darunter den sogen. Kaisersaal mit den Porträten der königlichen Familie) und eine sehr wertvolle Sammlung von Petrefakten (besonders wohlerhaltene Exemplare riesenhafter Saurier etc.). Die Abtei B. ward 1071 von Alberada, der Witwe Ottos III., Grafen von Henneberg, gestiftet und gelangte, besonders seit der Reorganisation durch den Bischof Otto von Bamberg (1121), zu bedeutendem Flor. Nach der Zerstörung des Klosters im Bauernkrieg (1525) wurde das Stift von dem Abt Rotenhan und nach langwierigen Streitigkeiten mit den benachbarten Fürsten 1575 von dem Abt Johann Burkard neu begründet. Im Dreißigjährigen Kriege jedoch wurde der Konvent durch die Schweden vertrieben, das Kloster aller Kostbarkeiten beraubt und mit der ganzen Gegend verheert. Unter den folgenden Äbten ist besonders der gelehrte Gregor Stumm zu nennen, welcher die einst so berühmte Bibliothek errichtete und ein Münz-, Kunst- und Naturalienkabinett anlegte. Nachdem 1738 die Herrschaft B. vom Hochstift Bamberg eingezogen war, wurde 1803 auch das Stift aufgehoben. Die Bibliothek und das Naturalienkabinett wurden nach Bamberg, das Münzkabinett nach München gebracht; die Gebäude kamen 1813 mit den nächstgelegenen Dörfern etc. durch Kauf in Besitz des Herzogs Wilhelm in Bayern, der B. zu seiner Sommerresidenz wählte und es bei seinem Tod 1837 aus seinen Enkel, den Herzog Maximilian in Bayern, vererbte. Vgl. Österreicher, Geschichte der Herrschaft B. (Bamb. 1833); Theodori, Geschichte und Beschreibung des Schlosses B. (3. Aufl., Lichtenfels 1880).

Baobab, s. Adansonia.

Baour-Lormian (spr. ba-uhr-lormĭang), Louis Pierre Marie François, franz. Dichter, geb. 24. März 1770 zu Toulouse, ließ sich nach Veröffentlichung einer höchst mittelmäßigen Übersetzung von Tassos "Befreitem Jerusalem" (Toul. 1795), welche er 1819 gänzlich umarbeitete, in Paris nieder und machte sich durch seine Satiren und Epigramme bald einen Namen. 1801 veröffentlichte er "Poésis d'Ossian", eine äußerst gelungene Übersetzung in Versen, welche den Ossianismus in Mode brachte. 1807 ward seine Tragödie "Omasis, ou Joseph en Égypte" aufgeführt, nach M. J. ^[Marie-Joseph] Chéniers Urteil ein frostiges Werk, welches seinen Erfolg nur dem guten Stil und einigen Rührstellen verdankte; dagegen fiel "Mahomet II" (1811) vollständig durch. In der Akademie, in die er 1815 eintrat, vertrat er aufs eifrigste den Klassizismus in Worten und Werken; seine geschmacklose Satire "Le canon d'alarme" und die 1829 mit sechs Gesinnungsgenossen eingereichte Bittschrift um Ausschließung des Romantizismus vom Théâtre français sind Zeugnis dafür. Seine übrigen Werke, welche, wie alle frühern, stilistisch vollendet sind, stehen auf demselben Standpunkt. Zu erwähnen