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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barbezieux; Barbié du Bocage; Barbier

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Barbezieux - Barbier.

gnac und Escudier wurde er 1858 Mitbegründer und Redakteur des "Réveil" und war später ein Hauptmitarbeiter der konservativen Zeitschriften. Von seinen (zum Teil mehrfach aufgelegten) Schriften nennen wir: "L'amour impossible" (1841); "Du Dandysme et de G. Brummel" (1845); "Les prophètes du passé. J. de Maistre, de Bonald, Chateaubriand, Lamennais" (1851); "Une vieille maîtresse" (1851); "L'Ensorcelée", eins der bezeichnendsten Werke des Autors (1854, 2 Bde.); "Les œuvres et les hommes. Dix-neuvième siècle" (1861-65, 4 Teile), später ergänzt durch "Les Bas bleus" (1877); ferner "Les quarante médallions de l'Académie française. Portraits critiques" (1863); "Le chevalier Des Touches" (1864); "Un prêtre marié" (1865, 2 Bde.); "Les Diaboliques" (1874); "Goethe et Diderot" (1880), in welch letzterm Werk die Paradoxensucht des verschrobenen Kritikers ihren Gipfel erreicht, und "Histoire sans nom" (1882). Wie früher eine Zeitlang im "Constitutionnel", so orakelt der greise Dandy gegenwärtig im erotischen "Gil Blas" und in Vorreden, mit denen er die Erstlingswerke junger Kraftgenies versieht.

Barbezieux (spr. barb'sjöh), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Charente, amphitheatralisch auf einem Hügel an der Charente-Eisenbahn gelegen, hat mehrere alte Kirchen, Ruinen eines Schlosses (von 1453), eine schöne Markthalle, einen Hippodrom und (1881) 2927 Einw.

Barbié du Bocage (spr. -bjeh du bockahsch), Jean Denis, franz. Geograph, geb. 28. April 1760 zu Paris, Schüler des Collège Mazarin und d'Anvilles, wurde 1780 als Geograph beim Ministerium des Auswärtigen, 1785 beim königlichen Medaillenkabinett angestellt und 1792 Aufseher der Kartensammlung bei der königlichen Bibliothek. 1793 eingekerkert, ward er durch die Entschlossenheit seiner Gattin befreit. Seit 1806 Mitglied des Instituts, seit 1809 Professor am Collège de France zu Paris, starb er daselbst 28. Dez. 1825. Seinen Ruhm begründete er durch seinen "Atlas pour le voyage du jeune Anacharsis" (Par. 1788-89, neue Ausg. 1799), dem andre Kartenwerke, z. B. über den Rückzug der Zehntausend für Fortias "Mélanges de géographie", für Sainte-Croix' "Examen des historiens d'Alexandre" u. a., folgten. - Sein älterer Sohn, Jean Guillaume, geb. 1793, Chef des topographischen Büreaus und Professor bei der Fakultät der Wissenschaften zu Paris, gest. 1843, ist ebenfalls durch mehrere Abhandlungen und Karten als tüchtiger Geograph bekannt. Der jüngere, Alexandre Frédéric, geb. 1797, Verfasser des "Traité de géographie général" (Par. 1832) und des "Dictionnaire géographique de la Bible" (das. 1834), starb 25. Febr. 1834 als Professor der Geographie an der Faculté des lettres in Paris. Der Sohn des letztern, Victor Amédée, geb. 1832, ist Sekretär der Geographischen Gesellschaft zu Paris, auch als Fachschriftsteller bekannt.

Barbier (Barbierer), ein Mann, der ein Geschäft daraus macht, andern den Bart abzunehmen, und daneben in der Regel noch niedere Chirurgie (Schröpfen, Aderlassen, Operieren von Hühneraugen, Ausziehen von Zähnen etc.) ausübt. Die heutigen Barbiere entsprechen den Tonsores der alten Römer, den Kureis der Griechen, welche zugleich und vornehmlich Haarscherer waren. Vgl. Bader.

Barbier (spr. -bjeh), 1) Antoine Alexandre, franz. Bibliograph, geb. 11. Jan. 1765 zu Coulommiers, war seit 1791 Pfarrer in La Ferté sous Jouarre, legte aber 1793 sein Amt nieder, wurde 1794 Mitglied der Kommission für Künste und Wissenschaften und beauftragt, die während der ersten Jahre der Revolution zusammengeworfenen Bücher unter die verschiedenen Bibliotheken von Paris zu verteilen. Er bildete die Bibliothek für das Direktorium, welche die des Staatsrats wurde, zu deren Bibliothekar man ihn 1800 ernannte, begründete als Privatbibliothekar des Kaisers (seit 1807) die Bibliotheken von Fontainebleau, Compiègne, St.-Cloud und des Louvre, wurde unter der Restauration Verwalter der Kronbibliothek, 1822 aber seiner Stelle entsetzt und starb 5. Dez. 1825. Ein für die Bibliographie äußerst wichtiges Werk ist sein "Dictionnaire des ouvrages anonymes et pseudonymes" (Par. 1806-1809, 3. Aufl. 1872-79, 4 Bde.). Außerdem sind zu erwähnen: "Nouvelle bibliothèque d'un homme de goût" (Par. 1808-10, 5 Bde.) und das "Examen critique et complément des dictionnaires historiques les pas répandus" (1820)

2) Auguste, franz. Satiriker, geb. 28. April 1803 zu Paris, studierte Rechtswissenschaft und erlangte sogar einen Grad, folgte dann aber ganz seiner Neigung zu litterarischen Arbeiten und schrieb zunächst einen Roman: "Les mauvais garçons" (1830, mit Royer), der ein Gemälde der französischen Gesellschaft im Mittelalter entwirft. Die Julirevolution führte ihn sodann auf sein eigenstes Feld, das der poetischen Satire, auf dem er sich mit glänzendem Erfolg bethätigte. B. lebte seitdem in unabhängiger Stellung zu Paris und ward 1869 zum Mitglied der französischen Akademie erwählt. Er starb 14. Febr. 1882 in Nizza. Sein Hauptwerk führt den Titel: "Iambes" (1831, 31. Aufl. 1882) und geißelt in einer Reihe beißender Satiren die Sittenverderbnis, die Ehr- und Habsucht, den schamlosen Materialismus der höhern Klassen, der Frankreich um die Früchte der Julirevolution brachte, die sinnlose Vergötterung Napoleons I. etc. Es erschien deutsch von Förster unter dem Titel: "Geißelhiebe für die große Nation" (Quedlinb. 1832) und ist zum Teil auch trefflich übersetzt in Geibels "Fünf Büchern französischer Lyrik". Die zunächst folgenden Werke: "Il Pianto" (1833), dem Unglück Italiens gewidmet, und "Lazare" (1837), worin das Elend der englischen und irischen Arbeiter geschildert wird, schlagen schon weniger energische Töne an, und in den spätern: "Érostrate" und "Pot de vin" (1840), wie in dem letzten Band "Satires" (1865) ist der Dichter der "Iambes" kaum mehr zu erkennen. Andre Gedichte von B. erschienen gesammelt unter den Titeln: "Chants civils et religieux" (1841), "Rimes héroiques" (1843) und "Silves, poésies di verses" (1864). Noch später erschien ein Band Novellen: "Trois passions" (1867) u. als nachgelassene Werke: "Souvenirs personnels et silhouettes contemporaines" (1883) u. "Poésies posthumes" (1884).

3) Jules, franz. Theaterdichter, geb. 8. März 1825 zu Paris, debütierte, noch ziemlich jung, mit dem verifizierten Drama "Un poète" (1847) nicht ohne Glück. Nachdem er verschiedene andre Stücke hatte nachfolgen lassen, associierte er sich nach der Sitte der französischen Dramatiker mit andern Dichtern und schuf in Verbindung mit diesen eine Menge von Dramen, Lustspielen, Vaudevilles, von denen wir als die bekanntesten erwähnen: "Les derniers adieux" (1851); "Graziella" (1849); "Jenny l'ouvrière" (1850); "Les marionettes du docteur" (1852); "La loterie du mariage" (Lustspiel in Versen, 1868); die Vaudevilles: "L'amour mouillé" (1850), "Voyage autour d'une jolie femme" (1852) u. a. Später