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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baretti; Barfleur; Barfod; Barfurusch; Barfus

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Baretti - Barfus.

Baretti, Giuseppe Marcantonio, ital. Dichter und Schriftsteller, geb. 25. April 1719 zu Turin, war von seinem Vater zum Rechtsgelehrten bestimmt, entfloh aber aus Widerwillen gegen dieses Studium dem elterlichen Haus und trat als Kommis in ein Handlungshaus zu Guastalla. Hier befreundete er sich mit einem der Geschäftsteilhaber, welcher ihm Geschmack an Litteratur und Poesie einflößte. 1740 ging er nach Venedig, wo er zu Gozzi und andern Schriftstellern in nähere Beziehungen trat. Eine Zeitlang bekleidete er das Amt eines Verwalters des Militärmagazins in Cuneo. Nachdem dasselbe aber eingegangen war, führte er ein herumstreifendes Leben und hielt sich abwechselnd in Turin, Mailand und Venedig auf, indem er von Zeit zu Zeit in periodischen Schriften Gedichte veröffentlichte, die großen Beifall fanden. Auch erschien um diese Zeit seine Übersetzung des Corneille (Vened. 1747-48, 4 Bde.). 1751 begab er sich nach London, wo er sich anfangs seinen Lebensunterhalt durch Unterricht im Italienischen erwarb und später die Leitung des Italienischen Theaters übernahm. Besondern Ruf erwarb er sich durch sein "Dictionary of the English and Italian languages" (Lond. 1760 u. öfter, 2 Bde.; mit Zusätzen 1854, 2 Bde.; zuletzt 1873), welches noch jetzt sehr geschätzt wird. 1760 verließ er England und kehrte, nachdem er Portugal, Spanien und Frankreich durchstreift hatte, nach Italien zurück, wo er seine "Lettere familiari" herausgab (Mail. 1762-63, 2 Bde.), deren Fortsetzung jedoch auf Betreiben des portugiesischen Gesandten unterdrückt wurde. Er wandte sich nun nach Venedig und gründete dort unter dem Namen Aristarco Scannabue die kritische Zeitschrift "Frusta letteraria", in welcher er den schlechten Geschmack seiner Zeit scharf geißelte, und die neben manchen einseitigen und ungerechten Urteilen auch sehr viel gesunde Kritik enthält. Die Angriffe und Verfolgungen, welche dieses Blatt ihm zuzog, bewogen ihn, Italien aufs neue zu verlassen und nach London zurückzukehren, wo er 5. Mai 1789 starb. Von seinen zahlreichen Werken ist die "Frusta letteraria" das bedeutendste und kann als epochemachend in der italienischen Litteratur betrachtet werden. Sie erschien 1763-65 in 33 Nummern zuerst in Venedig (unter dem Druckort Roveredo), später zu Ancona (unter dem Druckort Trento) und ist öfters wieder gedruckt worden (zuletzt in den "Classici italiani del secolo XVIII.", Mail. 1838-39, 2 Bde.). Unter seinen englischen Werken ist besonders sein "Account of the manners and customs of Italy" (Lond. 1768-69, 2 Bde.; deutsch von Schummel, Bresl. 1781) berühmt geworden. Außer dem italienisch-englischen Wörterbuch hat man von ihm auch ein "Dictionary of the English and Spanish languages" (Lond. 1778 u. öfter; am besten das. 1837, 2 Bde.). Eine Gesamtausgabe seiner "Opere italiane" erschien Mailand 1813-19, 6 Bde. (zuletzt das. 1838, 4 Bde.). Seine "Scritti scelti inediti", mit Biographie, gab Custodi heraus (Mail. 1822-23). Vgl. Garizio, "Giuseppe B. e i suoi tempi" (Tur. 1872).

Barfleur (spr. -flör), kleine Seestadt im franz. Departement Manche, Arrondissement Valognes, mit teilweise versandetem Hafen, wo einst Wilhelm der Eroberer seine Expedition vorbereitete, 2 Leuchttürmen, Seebädern, Austernbank und (1881) 1304 Einw. 2 km nördlich die Pointe de B., aus steilen Felsen bestehendes nordöstliches Vorgebirge der Halbinsel Cotentin, welches den westlichen Eingang in den Busen der Seine bezeichnet, durch seine heftigen Flutströmungen, das sogen. Raz de Gatteville, berüchtigt ist und deshalb den höchsten (75 m) Leuchtturm Frankreichs trägt.

Barfod, Poul Frederik, dän. Schriftsteller und Politiker, geb. 7. April 1811 zu Lyngby bei Grenaa in Jütland, studierte von 1828 an in Kopenhagen, war 1848-49 Mitglied der konstituierenden Reichsversammlung und später bis 1869 Mitglied des Folkethings, einige Zeit Beamter im Ministerium des Innern und zuletzt Assistent an der königlichen Bibliothek. Als Schriftsteller trat er zuerst mit poetischen Versuchen auf und veröffentlichte dann mehrere historische Werke von lebendiger, oft etwas überladener Darstellung: "Geschichte Dänemarks und Norwegens unter Friedrich III.", "Biographie der Familie Ranzau" und die Monographie "Die Juden in Dänemark". Nach dem Tod Friedrichs VI. bekannte er sich rückhaltlos zu ultraradikalen Ansichten und wurde einer der leidenschaftlichsten Vorkämpfer des nordischen Einheitsgedankens oder der skandinavischen Idee. In diesem Sinn gründete er 1839 die Quartalschrift "Brage og Itun", die großes Aufsehen erregte, aber nur bis 1842 bestand. Sein bekanntestes Werk sind die "Erzählungen aus der vaterländischen Geschichte" ("Fortällinger af Fädrelandets Historie", 4. Aufl. 1873, 2 Bde.). Später erschienen von ihm: "Kong Christian IX. Dagbog" (1869); "Billeder af Nordens Historie" (1874); "Seks Foreläskinger om Nordens Oltid" (1876) und "Ledetraad i Danmarks Historie" (9. Aufl. 1879).

Barfurusch, bedeutende Handelsstadt in der pers. Provinz Masenderan, am Babul, 22 km vom Kaspischen Meer, mit hölzernen, im Wald zwischen Gärten und Feldern zerstreut liegenden Häusern und (nach Melgunow) etwa 50,000 Einw., während Thompson (1868) nur 10,000 angibt. B. ist der große Markt zwischen Rußland und Persien. Der bedeutende Handelsverkehr wird durch zahlreiche Karawanseraien und große, reich ausgestattete Bazare, die denen von Ispahan nahekommen, unterstützt. Er geht besonders über das Kaspische Meer mittels des an der Mündung des Babul liegenden Hafenorts Meschhed i Ser. Für die Seidenzucht ist B. von gleicher Bedeutung wie die übrigen Orte des persischen Küstenlandes. Die Umgebung liefert viel Reis, Baumwolle, Zuckerrohr, Melonen, Arbusen, Obst etc. Die Russen führen besonders Eisen und Naphtha ein, die in Persien als Leuchtstoff gebraucht wird; zur Ausfuhr gelangen vorzugsweise Holz, Olivenöl, Tabak, Baumwolle, Früchte, bis vor kurzem auch Seide. Im J. 1826 war die Stadt durch die Pest und Cholera fast ausgestorben.

Barfus, Hans Albrecht, Graf von, preuß. Generalfeldmarschall, geb. 1635 zu Mögelin in der Mark Brandenburg aus einem alten märkischen Geschlecht, trat jung in die brandenburgische Armee, ward aber erst 1670 Leutnant. Der französisch-schwedische Krieg brachte ihm indes rasche Beförderung: 1678 ward er Oberst, 1683 ernannte ihn der Kurfürst zum Generalmajor und Kommandanten von Peitz und kurz darauf zum zweiten Befehlshaber des kleinen, dem Polenkönig Sobieski auf seinem Zug nach Wien beigegebenen brandenburgischen Hilfskorps. Darauf zeichnete er sich bei dem 1686 nach Ungarn geschickten Korps beim Sturm auf Ofen 12. Sept. als Befehlshaber des linken Flügels rühmlichst aus. Seit 1685 Gouverneur von Spandau, ward er von Friedrich III. 1688 zum Generalleutnant und Geheimen Kriegsrat ernannt und nahm 1689 an dem Feldzug am Rhein teil. Während der Belagerung von Bonn kam es zwischen ihm und dem General v. Schöning (s. d.)