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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barile; Barillakupfer; Barillasoda; Barilon; Barinas; Baring; Baring-Gould; Baringinsel

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Barile - Baringinsel.

zur Römerzeit Barium und wurde vom Kaiser Nero zu einem Munizipium erhoben. 690 entriß es Romuald von Benevent den Griechen, die es 720 wiedererhielten. Im 9. Jahrh. nahmen es die Sarazenen, von denen es nach langer Belagerung 871 die Griechen wieder zurückeroberten. Letztere verteidigten die Stadt erfolgreich 988, 998 und 1003 gegen die Sarazenen und gegen Otto I. und II.; endlich 1071 erlag sie nach dreijähriger Belagerung dem Normannen Robert Guiscard. Als B. später wieder mit den Byzantinern unterhandelte, wurde es 1156 vom König Wilhelm dem Bösen erstürmt und fast völlig zerstört. Erst 1166 ward die Wiederherstellung erlaubt. Nach Heinrichs VI. Tod kam B. eine Zeitlang unter päpstliche Herrschaft, empörte sich aber 1228, als gegen Kaiser Friedrich II. der Bann ausgesprochen war. Dieser ließ 1233 das Kastell errichten, schenkte 1234 der Stadt Marktgerechtigkeit und begann 1239 einen großartigen Hafenbau bei San Cataldo, von dem jedoch keine Spur mehr vorhanden ist. Robert von Anjou schenkte B. als Fürstentum seinem Günstling Amelio del Balzo; im 15. Jahrh. kam es als Herzogtum an die Sforza und wurde 1558 dem Königreich Neapel einverleibt.

Barile ("Faß, Fäßchen"), älteres ital. Flüssigkeitsmaß, besonders für Wein und Öl, hält für Wein in Venedig 64,89, in Genua 79,02, auf den Ionischen Inseln 68,18, in Neapel 43,62, in Pisa 45,58, in Rom 58,34, in Florenz 45,58, für Öl auf den Ionischen Inseln 68,13, in Pisa 33,43, in Rom 57,48, in Sardinien 33,6, in Toscana 33,430 Lit. Auch die alte französische Barrique wird in manchen Gegenden Baril genannt, unter welchem Namen auch im französischen Westindien Maße für flüssige und trockne Waren vorkommen.

Barile, Antonio und Giovanni, ital. Holzschnitzer in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. Beider Werk ist der Lettner im Dom zu Siena. Das Werk des erstern sind die acht schönen Pilaster aus dem Palazzo del Magnifico, jetzt in der Akademie daselbst. Von letzterm sind die Thüren der Stanzen Raffaels im Vatikan zu Rom.

Barillakupfer, gediegen Kupfer in Peru und Chile.

Barillasoda, aus der Asche von Strandpflanzen an der spanischen Küste dargestellte Soda, enthält oft nur 3-8 Proz. kohlensaures Natron.

Barilon, span. Hohlmaß, ¼ Carga (s. d.).

Barinas (Varinas), Hauptstadt des Staats Zamora in der südamerikanischen Republik Venezuela, rechts am Santo Domingo. Die vor allem durch Tabaksbau und Tabakshandel berühmte Stadt (Varinasknaster) ist durch die anhaltenden Bürgerkriege gegen früher sehr zurückgekommen und zählt gegenwärtig nur etwa 7000 Einw.

Baring (spr. beh-), Sir Francis, Gründer des weltberühmten Londoner Bankierhauses Baring Brothers and Co. (1770), ward 18. April 1740 zu Exeter geboren, wohin sein Vater Johann B. aus Bremen ausgewandert war. In Handel und Politik übte er bei Pitt und im Parlament einen großen Einfluß aus; auf seinen Betrieb wurden die Privilegien der Ostindischen Kompanie, in deren Rat er saß, erneuert. Für die Dienste, welche seine Guineen dem Staat in dem amerikanisch-französischen Krieg leisteten, ernannte ihn Georg III. 1793 zum Baronet. Er starb 12. Sept. 1810. Auch als Schriftsteller hat sich B. die Anerkennung der Zeitgenossen erworben; er schrieb: "The principle of the commutation act established by facts" (Lond. 1786); "Observations on the establishment of the bank of England" (das. 1797) und "Observations on the publication of Walter Boyd on the influence of stoppage etc." (das. 1801). Sein ältester Sohn, Thomas B., geb. 1772, erbte 1810 den Titel seines Vaters, saß 1830 bis 1832 im Unterhaus und starb 3. April 1848. Dessen Bruder Alexander, Baron von Ashburton, geb. 1774, ward mit dem jüngern Bruder, Henry, Besitzer des Bankier- und Handelshauses. Bis 1835 leitete Alexander B. das Handelsgeschäft selbst, auch war er einer der Direktoren der Ostindischen Kompanie und der Bank von England 1812 ins Parlament gewählt, kam er 1818 auf den Kongreß nach Aachen und negoziierte dort die große französische Staatsanleihe. 1835 gaben beide Brüder das Geld- und Handelsgeschäft auf, worauf Alexander zum Peer als Baron von Ashburton ernannt wurde. Durch sein "Inquiry into the causes and consequences of the orders in council" (Lond. 1808) erwarb er sich einen ehrenvollen Platz unter den Schriftstellern über Staatshaushaltung. 1842 gelang es ihm, in Washington eine Grenzstreitigkeit zwischen England und den Vereinigten Staaten, welche sich auf das Gebiet von Maine bezog, glücklich auszugleichen (Ashburtonscher Vertrag). Er starb 12. Mai 1848 in Longleath. Ihm folgte in der Peerswürde sein Sohn William Bingham B., geb. 1799, gest. 23. März 1864, und auf diesen dessen Bruder Francis, geb. 1800, gest. 6. Sept. 1868, worauf die Peerswürde auf dessen ältesten Sohn, Alexander Hugh B., geb. 1835, überging.

Von seinem Vater Thomas erbte die Baronetie Sir Francis Thornhill B., geb. 1796. Derselbe vertrat 1826-65 die Stadt Portsmouth im Parlament, war 1830-34 Lord des Schatzes, dann Schatzsekretär und 1839-41 Schatzkanzler, später (1849-1852) erster Lord der Admiralität. 1866 erhielt er die Peerswürde unter dem Titel Lord Northbrook. Bald darauf starb er, 6. Sept. 1866, worauf die Peerswürde auf seinen Sohn Thomas George B. überging (s. Northbrook). Ein andrer Sohn von Thomas B., ebenfalls Thomas B., geb. 1800, beschäftigte sich vorzüglich mit großen Handelsunternehmungen, durch die er den Ruf seines Hauses erweiterte. 1835-37, dann 1844-73 saß er im Parlament, war mehrmals Gouverneur der Bank von England, Präsident des Londoner Lloyd etc. Er starb 18. Nov. 1873.

Baring-Gould (spr. behring-gohld), Sabine, engl. Geistlicher und Schriftsteller, geb. 1834 zu Exeter, studierte in Cambridge und lebt seit 1871 als Pfarrer in East Mersey bei Colchester. Neben zahlreichen und teilweise sehr umfangreichen Erbauungsschriften und theologischen Werken (seine "Lives of the saints", 1872-77, umfassen allein 15 Bände) sind von seinen Schriften besonders hervorzuheben: "Iceland, its scenes and sagas" (1864); "Myths of the middle ages" (1867, 2 Bde.); "Curiosities of olden times" (1869); "The silver store" (Gedichte, 1868); "The book of werewolves" (1865); das religiös-philosophische Werk "The origin and development of religious belief" (1869-70, 2 Bde.); der während der französischen Revolution spielende Roman "In exitu Israel" (1870); "Yorkshire oddities" (1874, 2 Bde.) u. a. Neuerdings hat sich B. viel mit Deutschland beschäftigt, eine Novelle von W. v. Hillern übersetzt: "Ernestine" (1879), und ein übersichtliches, wohlwollendes Werk veröffentlicht: "Germany, present and past" (1879, 2 Bde.), das indessen nicht frei von Irrtümern ist.

Baringinsel, s. Banksland.