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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barnard-Castle; Barnaūl; Barnave; Barnay

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Barnard-Castle - Barnay.

duierte 1830 am Yale College, bereiste 1835-36 Europa, war 1837-40 Mitglied der Legislatur von Connecticut und führte darauf vier Jahre lang die Oberleitung der öffentlichen Schulen von Rhode-Island. 1850 wurde er Direktor der Normalschule in Hartford und Staatssuperintendent der öffentlichen Schulen, trat 1856 von dieser Stelle zurück, um das "American Journal of education" herauszugeben, wurde später Präsident des St. John's College zu Annapolis in Maryland, 1867 Leiter des neugebildeten Erziehungsdepartements zu Washington, welches Amt er bis 1870 bekleidete. Außer den amtlichen "Reports of the commissioner etc." gab er heraus: "Tribute to Gallaudet, with history of deaf-mute instruction" (Hartford 1852); "School architecture" (New York 1854); "Normal schools in the U. S. and Europe" (Hartford 1851, 2 Bde.); "National education in Europe" (das. 1854); "German educational reformers" (New York 1862); "Pestalozzi and Pestalozzianism" (das. 1861); "Education" (Lond. 1878-79, 2 Bde.).

2) John Groß, Militäringenieur, geb. 19. Mai 1815 in der Grafschaft Berkshire in Massachusetts, trat 1833 als Leutnant in die Armee und war bis 1846 an der Küstenbefestigung um New Orleans und New York thätig. Im mexikanischen Krieg befestigte er Tampico, und 1850-51 vermaß er die in Aufsicht genommene Tehuantepec-Eisenbahn. 1855 wurde er Gouverneur der Militärakademie zu Westpoint, aber schon 1856 übernahm er die Aufsicht über die Verteidigungswerke um New York. Im Bürgerkrieg leitete er die Befestigung von Washington und wurde Chef des Geniekorps sämtlicher im Feld befindlicher Armeen. Nach dem Frieden wurde er Oberst im Ingenieurkorps des regulären Heers und Mitglied der Kommission für die Festungen, die Hafen- und Flußverstopfungen. 1881 trat er in den Ruhestand, starb aber bald darauf 14. Mai 1882 in Detroit. Er schrieb: "Phenomena of the gyroscope" (New York 1857; neu bearbeitet u. d. T.: "Problems of rotary motion", 1872); "Dangers and defences of New York" (1859); "Notes on seacoast defence" (1862); "The battle of Bull Run" (1862); "Artillery operations of the army of the Potomac" (1863) u. a.

Barnard-Castle (spr. -kaßl), Stadt in der engl. Grafschaft Durham, am Tees, mit Ruine eines 1112-32 erbauten Schlosses, einem Kunstmuseum (1874 von der Gräfin Montalba der Stadt geschenkt) und (1881) 4544 Einw., welche Teppich- und Strumpfwirkerei betreiben.

Barnaūl, Kreisstadt in dem sibir. Gouvernement Tomsk, am Ob, 109 m ü. M., liegt am Ostrand der Barabasteppe in sandiger, aber gut angebauter Gegend, mitten in dem Kolywaner Bergwerksdistrikt und ist selbst Hauptort des ganzen westsibirischen Berg- und Hüttenwesens. Es ist Sitz des Oberbergamts sowie des jährlich sich versammelnden Bergrats (seit 1789), einer Bergakademie und hat die bedeutendsten Schmelzhütten des Altai, in welche alles Gold des Gebirges abgeliefert wird. Die Stadt ist regelmäßig und hübsch gebaut, hat mehrere Kirchen (auch eine protestantische) und (1879) 13,529 Einw., leidet aber Mangel an gutem Trinkwasser. Der Bergbau auf gold- und silberhaltiges Kupfer ist hier seit 1729 in Betrieb, B. selbst ward 1730 durch Demidow gegründet.

Barnave, Pierre Joseph Marie, einer der eifrigsten Anhänger der französischen Revolution, geb. 22. Okt. 1761 zu Grenoble, Protestant, ward Advokat bei dem Parlament zu Grenoble und erfreute sich eines großen Ansehens. Beim Ausbruch der Revolution befürwortete er in einer Schrift die Einführung der englischen Verfassung in Frankreich. 1789 Abgeordneter für Grenoble, spielte er in der Nationalversammlung durch seine Beredsamkeit und seine schwärmerische Begeisterung für die Freiheit bald eine bedeutende Rolle und wurde sehr populär. Er stand an der Spitze der Linken und betrieb mit Eifer die Erklärung der Menschenrechte. Am 23. Juli beantragte er die Einführung der Munizipalitäten und die Organisation der Nationalgarden. Am 13. Sept. erklärte er sich für die Einziehung der geistlichen Güter. Bei der Debatte über Ausübung der politischen Rechte 26. Dez. forderte B. nicht nur für die Protestanten, sondern auch für die Juden, ja sogar für die Schauspieler und Scharfrichter das volle Staatsbürgerrecht. Als die gemäßigten Mitglieder der Nationalversammlung 1789 einen Klub errichteten, gründete B. dagegen den Jakobinerklub. Das königliche Veto bei der Gesetzgebung bestritt er bereits 7. Sept. 1789, und ebenso bestritt er 21. Mai 1790 dem König das Recht über Krieg und Frieden. Er bekämpfte hierbei vorzugsweise den damals schon von dem Hof gewonnenen Mirabeau. Als Mitglied des Kolonialkomitees forderte er die völlige Freiheit der Schwarzen und Farbigen und riet sogar, eher die Kolonien als das Prinzip der Menschenrechte aufzugeben. Nach der Flucht des Königs 1791 wurde B. mit Péthion und Latour-Maubourg beauftragt, die königliche Familie nach Paris zurückzuführen. Er that dies mit schonendster Rücksicht gegen den König, auf dessen Seite ihn die antimonarchische, radikale Wendung der Revolution von da an brachte. So setzte er unter anderm die Ernennung des Komitees durch, welches das konstitutionelle Königtum vertreten sollte; auch sprach er sich für die Unverletzlichkeit des Königs aus, verteidigte die Priester, welche den Dekreten der Versammlung den Gehorsam verweigerten, und trug bei der Verhandlung über das Recht der Versammlung, die Minister abzusetzen, auf Übergang zur Tagesordnung an. Er hoffte, Frankreich durch das konstitutionelle Königtum zu retten, und gab in diesem Sinn dem König seine Ratschläge, zog sich aber, als er kein Gehör fand, 1791 nach Grenoble zurück. Wegen seiner Korrespondenz mit dem Hof, die 10. Aug. 1792 in den Tuilerien gefunden wurde, angeklagt, wurde er verhaftet, nach 15 Monaten trotz glänzender Selbstverteidigung zum Tod verurteilt und 29. Nov. 1793 guillotiniert. Unter dem Konsulat wurde ihm als ausgezeichnetem Redner im Senat an der Seite Vergniauds eine Statue errichtet, die man aber bei der Restauration der Bourbonen wieder entfernte. Seine Werke (Par. 1843, 4 Bde.) wurden von seiner Schwester (Mad. Saint-Germain) und M. Bérenger herausgegeben. Vgl. Janin, B. (2. Aufl. 1860).

Barnay, Ludwig, namhafter Schauspieler, geb. 11. Febr. 1842 zu Pest als Sohn wohlhabender Eltern, machte 1860 in Trautenau einen ersten, mißlungenen theatralischen Versuch, spielte dann zunächst auf kleinen Bühnen und erzielte endlich 1861 in Pest einen solchen Erfolg, daß er sofort engagiert wurde 1862 kam B. nach Graz, 1863 als erster Heldenliebhaber nach Mainz, gastierte dann mit Glück im Hofburgtheater zu Wien und ebenso 1864 in Prag. Bald darauf nahm er ein Engagement in Riga, kehrte indessen schon 1865 nach Mainz zurück, ging 1867 an das Leipziger Stadttheater und von hier ein Jahr später an das Hoftheater zu Weimar. 1870-75 Mit-^[folgende Seite]