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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barnes; Barnet; Barneveld; Barni; Barnim

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Barnes - Barnim.

glied des Stadttheaters zu Frankfurt a. M., engagierte er sich 1875 am Stadttheater zu Hamburg, wo er zugleich als Schauspieldirektor thätig war und bis 1880 blieb. In den nächsten Jahren trat B. fast nur in Gastrollen auf (so 1881 mit den "Meiningern" in London). 1883 wurde er als Societär Mitbegründer des "Deutschen Theaters" in Berlin, trat aber 1884 aus diesem Verband, um sich ausschließlich dem Gastspiel zu widmen. Seine Hauptrollen sind: Uriel Acosta, Holofernes, Tell, Essex, Egmont, Graf Waldemar, Othello, Antonius u. a. Um seinen Stand hat sich B. ein bleibendes Verdienst durch die Gründung der "Genossenschaft deutscher Bühnenangehörigen" erworben.

Barnes (spr. barns), 1) (Bernes, Berners) Juliana, eine der frühsten Schriftstellerinnen Englands, nach gangbarer Überlieferung Tochter von Sir James Berners, der unter der Regierung Richards II., vorher dessen Günstling, 1388 enthauptet wurde, Priorin des Klosters Sopewell bei St. Albans; starb nach 1460. Sie liebte das Weidwerk, insbesondere die Falkenbeize, die Fischerei und die Wappenkunde und schrieb über diese Gegenstände zum Teil in Versen das jetzt in seiner ersten Ausgabe überaus seltene Werk "The bokys of Hawkyng and Huntyng and also of Cootarmuris" (St. Albans 1486, gotisch mit Holzschnitten), das nur noch in zwei vollständigen Exemplaren bekannt ist, eine der köstlichsten Perlen für die britische Bibliomanie. In den spätern Ausgaben wurde das um 1441 geschriebene Buch über Wappenkunde hinzugefügt. Auch die neueste Auflage (Lond. 1811) ist eine Seltenheit, da nur 150 Exemplare gedruckt wurden.

2) Barnaby, ein durch seine Beziehungen zu Shakespeares Zeitgenossen bemerkenswerter engl. Dichter, um 1569 als der jüngere Sohn des Bischofs von Durham, Richard B., in der Grafschaft York geboren, bezog 1586 die Universität Oxford, verließ sie jedoch vor dem Abschluß seiner Studien und ging 1591 mit dem Earl of Essex nach Frankreich. Er kehrte bald zurück; wann er starb, ist nicht zu ermitteln. Von ihm wurden gedruckt: "Parthenophil and Parthenope" (wahrscheinlich Lond. 1593), Oden, Elegien, Madrigale und Sonette, von denen er mehrere dem Earl of Southampton, der Gräfin Marie Pembroke und andern bei Hof beliebten Persönlichkeiten widmete; "A divine centurie of spirituall sonnetts" (1595; neu gedruckt in "Heliconia", 2. Bd.); "Four bookes of offices" (1606), ein höfisches Handbuch; "The devil's charter, a tragaedie" (1607), gegen Papst Alexander VI. gerichtet. B. zeichnete sich durch Witz und glückliche Handhabung der Sonettform aus.

3) William, engl. Dialektdichter und Philolog, geb. 1810 zu Rushhay Bagber im Thal von Blackmore (Dorsetshire), studierte erst spät, ward Mitglied des St. John's College zu Cambridge und erwarb sich dort den Grad eines Bachelor. 1847 ward er Hilfsprediger von Whitcombe (Dorset), 1862 Pfarrer zu Winterbourne Came in der Diözese von Salisbury. Seit 1861 bezieht er eine Pension aus der königlichen Zivilliste. Als Dialektdichter war B. zuerst 1844 mit den "Poems of rural life in the Dorset dialect" (neue Ausg. 1879) aufgetreten, an die sich folgende ähnliche Werke anschlossen: "Poems, partly of rural life" (1846); "Homely rhymes" (1859); "Song of Solomon in the Dorset dialect" (1859); "Rural poems in the Dorset dialect", zweite und dritte Sammlung (2. Aufl. 1863 u. 1869); "Poems of rural life in common English" (1866). In dieser Gattung von Poesie steht B. einzig in der englischen Litteratur da und weiß wie kein andrer das Leben und Treiben der Landbewohner, speziell von Dorsetshire, lebenswahr und originell zu schildern. Auf philologischem Gebiet hat B. außer Arbeiten über den Dorsetdialekt noch eine Reihe sprachvergleichender Schriften veröffentlicht: "A philological grammar, grounded upon English and formed from a comparison of more than 60 languages etc." (1854); "Notes on ancient Britain and the ancient Britons" (1858); "Tiw, or a view of the roots and stems of the English as a Teutonic tongue" (1862); "Early England and the Saxon English" (1869) u. a.

Barnet (Chipping- oder High-Barnet), Marktflecken in Hertfordshire (England), nordwestlich von London, hat berühmte Viehmärkte und (1881) 4095 Einw. Dabei ein Obelisk zur Erinnerung an die Schlacht von B. (14. April 1471), in welcher Eduard IV. den Grafen Warwick, den Führer der Lancasterschen Partei, besiegte.

Barneveld, Marktflecken in der niederländ. Provinz Geldern, 30 km nordwestlich von Arnheim, an der Eisenbahn Amsterdam-Winterswijk, hat ein Schloß, Papierfabriken, wichtige Vieh- und Pferdemärkte und (1879) 6576 Einw. In der Kirche einige schöne Grabmäler.

Barneveld, Jan und Willem, s. Oldenbarneveldt.

Barni, Jules Romain, franz. Gelehrter und Politiker, geb. 1. Juni 1818 zu Lille, besuchte die Normalschule zu Paris, wurde 1851 Professor der Philosophie in Rouen und wirkte seit 1861 in gleicher Eigenschaft an der Akademie zu Genf. Hier war er auch bei der Organisation der internationalen Friedenskongresse beteiligt. 1870 kehrte er nach Frankreich zurück, wo er eine Zeitlang Generalinspektor des Sekundärunterrichts war und das "Bulletin de la République" redigierte. Im J. 1872 wurde er vom Departement Somme in die Kammer gewählt; er starb 4. Juli 1878 in Mers (Somme). B. hat das Verdienst, die Kantsche Philosophie zuerst in ihrer Totalität in Frankreich eingeführt zu haben und zwar durch eine Reihe von Publikationen, die nicht nur die wörtliche Übersetzung der Hauptwerke des deutschen Philosophen, sondern auch eine eingehende kritische Analyse derselben enthalten. Zuerst erschien: "Critique du jugement" nebst den "Observations sur le sentiment du beau et du sublime" (Par. 1836); dann die "Critique de la raison pratique", der die "Fondements de la métaphysique des mœurs" (das. 1848) vorangestellt sind, und "Métaphysique des mœurs", enthaltend die "Éléments métaphysiques de la doctrine de la vertu" nebst kleinern Schriften, wie "Essai sur la paix perpétuelle", dem "Traité de pédagogie" (das. 1853). Außerdem veröffentlichte er unter dem Titel: "Philosophie de Kant" eine Prüfung der "Kritik der Urteilskraft" (Par. 1850) und eine gleiche der "Grundlegung der Metaphysik der Sitten" sowie der "Kritik der praktischen Vernunft" (das. 1851). Von seinen übrigen Schriften sind zu erwähnen: "Histoire des idées morales et politiques en France au XVIII. siècle" (das. 1866, 2 Bde.); "Napoléon I et son historien M. Thiers" (2. Aufl., das. 1869); "La morale dans la démocratie" (das. 1868); "Manuel républicain" (das. 1872) und "Les moralistes français au XVIII. siècle" (1873) sowie eine Übersetzung von Fichtes Schrift über die französische Revolution.

Barnim, Name einer alten Landschaft in der Mark Brandenburg, zwischen der Oder, der mittlern Spree,