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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baroche; Barock; Baroco; Baroda; Barodet

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Baroche - Barodet.

in Urbino 1612. Sein Vorbild war Correggio. Er ist entschiedener Manierist, sowohl in der Farbe als in der Form. Sein Kolorit ist süßlich und verblasen, wenngleich mit größter Feinheit ineinander verschmolzen, und selbst der zarte Duft, den er darüber zu verbreiten wußte, ermangelt der Wahrheit. Seine Formengebung ist weichlich, und die Eigenheiten Correggios erscheinen bei ihm noch übertrieben. Werke von ihm befinden sich in Urbino, Perugia, Loreto, Neapel, Ravenna, Florenz, München u. a. O.

Baroche (spr. Drosch), Pierre Jules, franz. Staatsmann, geb. 18. Nov. 1802 zu La Rochelle, studierte die Rechte, wurde Advokat und 1846 Batonnier der Advokaten des Appellhofs zu Paris. Seit 1844 Mitglied der Deputiertenkammer für Nantes, schloß er sich der dynastischen Opposition an, nahm an der Reformbewegung 1847-48 Anteil und unterzeichnete die Anklage gegen das Ministerium Guizot. In der konstituierenden Nationalversammlung 1848 näherte er sich mehr und mehr der Rechten, und nach der Wahl vom 10. Dez. unterstützte er den Präsidenten Ludwig Napoleon. Als Generalstaatsprokurator am Appellhof zu Paris spielte er in den politischen Prozessen jener Zeit eine gehässige Rolle. Im März 1850 übernahm er das Ministerium des Innern; die Beschränkung des Stimmrechts, die Suspension des Versammlungsrechts, die Wiedereinführung des Zeitungsstempels, die Erhöhung der Kautionen, das Gesetz über die Deportation politisch Verurteilter und andre Maßregeln waren Baroches Werk. Mit der Nationalversammlung in Konflikt geraten, trat B. mit dem ganzen Ministerium 18. Jan. 1851 zurück, übernahm aber in dem sogen. Übergangsministerium vom 10. April d. J. das Auswärtige. Als der Präsident den Ministern zumutete, die Zurücknahme des neuen Wahlgesetzes vom 31. Mai in der Kammer zu beantragen, gab B. 14. Okt. 1851 seine Entlassung. Nach dem Staatsstreich wurde B. 1852 zum Präsidenten des neuorganisierten Staatsrats ernannt. Im Januar 1860 verwaltete er interimistisch das Ministerium des Auswärtigen und spielte dann als Minister ohne Portefeuille oder Sprechminister in den Debatten der Kammer und des Senats durch seine gewandte Advokatenberedsamkeit eine hervorragende Rolle. Im Juni 1863 übernahm B. das Ministerium der Justiz, dann auch das des Kultus, welches von dem des öffentlichen Unterrichts getrennt worden war. Als im Juli 1869, in Aussicht der vom Kaiser versprochenen konstitutionellen Reformen, die Neubildung des Ministeriums ohne Rouher erfolgte, fiel auch B. Nach dem Sturz des Kaiserreichs 4. Sept. 1870 floh B. aus Frankreich nach der Insel Jersey, wo er 29. Okt. d. J. starb.

Barock (ital. barocco, franz. baroque), eigentlich "schiefrund" (von Perlen gebraucht), dann s. v. w. unregelmäßig, seltsam, wunderlich. Der Ausdruck kommt nach einigen vom portugiesischen barroco (rohe, ungleich geformte Perle), nach andern vom italienischen parrucca (Perücke) her und dient bei Erscheinungen des Lebens zur Bezeichnung des Ungereimt-Seltsamen, Launenhaft-Wunderlichen, das bis ins Unverständliche und Närrische geht. Es entsteht hauptsächlich durch den Widerspruch zwischen Mittel und Zweck, durch die Unangemessenheit der Form zu dem Inhalt, des Ausdrucks und der Darstellung zu dem Gedanken, durch die Disharmonie der einzelnen Teile eines Ganzen etc. und nähert sich dem Bizarren, hat aber mehr noch als dieses den Nebenbegriff des Komischen. Die Ästhetik erlaubt dergleichen Abweichungen von der Grundregel des Schönen nur dann, wenn wirklich eine lächerliche oder durch den Kontrast erschütternde Wirkung hervorgebracht werden soll, z. B. in der niedern Komik, in gewissen Musikstücken, in welchen seltsame Tonverbindungen, fremdartige Modulationen und kontrastierende Rhythmen etc. gehäuft werden, um einen bestimmten Effekt hervorzubringen. - In der Kunstgeschichte versteht man insbesondere unter B. (Barockstil) diejenige Ausbildung der Renaissance, die schon im 16. Jahrh. unter dem Einfluß der letzten Werke Michelangelos beginnt, jedoch erst im 17. und 18. ihre Entwickelung erreicht hat, bis sie zur Zeit der Regentschaft für Ludwig XV. vom Rokoko abgelöst wird. Sie charakterisiert sich dadurch, daß die Renaissanceformen ins Derbe, Starkausladende, Schwülstige umgebildet werden, wodurch freilich die schlichte Grazie der ältern Werke verloren geht, aber auch oft eine wundervoll malerische und kraftvolle Wirkung erreicht wird. Das malerische Element war im Barockstil überhaupt das Maßgebende, daher das Verschwinden der geraden Linie, die Verkröpfungen etc. in der Baukunst; die bauschigen Gewänder, die aufgeblasenen, verdrehten Formen, die ihren plastischen Halt verloren haben, in der Plastik. Bernini, Borromini, Rubens, Luca Giordano u. a. sind die Hauptvertreter des Barockstils. Vgl. v. Zahn, B., Rokoko und Zopf (in der "Zeitschrift für bildende Kunst", Bd. 8, Leipz. 1873).

Baroco, bei den alten Logikern Schlußmodus der zweiten Figur, mit allgemein bejahendem Ober- und besonders verneinendem Unter- und Schlußsatz (AOO), z. B.: Alle Menschen, die zur kaukasischen Rasse gehören, haben weiße Hautfarbe; nun gibt es Menschen, die eine andre Hautfarbe haben; also gibt es auch Menschen, die nicht zur kaukasischen Rasse gehören. Vgl. Schluß.

Baroda, ostind. Staat in der Landschaft Gudscharat der Präsidentschaft Bombay, im Besitz des Gaikawar, eines Fürsten von Marathenabstammung, 22,176 qkm (403 QM.) groß mit (1881) 2,185,005 Einw. Das Land ist durchaus eben, fruchtbar und von der Bombay-B.-Ahmedabad-Eisenbahn durchzogen, von welcher der Landesfürst zwei Seitenbahnen abzweigen ließ. Die Hauptstadt B., am Wiswamintrifluß, zählt 101,818 Einw. (80,667 Hindu, 18,405 Mohammedaner). Sie ist befestigt, hat breite, luftige Straßen, hohe, aber nur aus Holz errichtete Häuser und einen großen Marktplatz, auf dem sich eine offene von hohen Bogen getragene, inwendig mit Springbrunnen und Sitzbänken versehene Halle befindet. Die jetzige Dynastie kam 1720 auf den Thron, der jetzige Fürst 1875. Ein Vergiftungsversuch, den sein Vorgänger Mulhur Rao am englischen Aufsichtsagenten verübt hatte, gab Anlaß zur Entthronung desselben, nachdem der Fall durch einen aus drei indischen Fürsten und zwei englischen Oberrichtern zusammengesetzten Gerichtshof untersucht worden war. Der jetzige Fürst, Neffe des vorigen, heißt Gopal Rao.

Barodet (spr. -deh), Désiré, franz. Politiker, geb. 27. Juli 1823 zu Sermesse (Saône-et-Loire) als Sohn eines Lehrers, ward anfangs zum geistlichen Stand bestimmt, ging aber bald zum Lehrfach über und wurde 1847 angestellt. Wegen seiner republikanischen Ansichten 1849 abgesetzt, ward er zuerst Hauslehrer, dann Agent und Fabrikant in Lyon. Nach dem Sturz des Kaiserreichs 1870 war er eins der Häupter der radikalen Partei daselbst und wurde 1871 von Thiers auf Wunsch des Conseil municipal zum Maire von Lyon ernannt, welches Amt er aber niederlegen mußte, als die Nationalversammlung durch ein besonderes Gesetz vom 4. April 1873 die Zentralmairie von Lyon aufhob und die Munizipal-^[folgende Seite]