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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barthel

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Barthel.

Juli wieder in Kuka an, unternahm sodann mit Overweg vereint eine Reise nach Kanem und vom 25. Nov. 1851 bis Ende Januar 1852 nach dem Reich Musgo im S. Kukas. Von da zurückgekehrt, reiste er nach Bagirmi, im SO. des Tsadsees, und verweilte längere Zeit in dessen Hauptstadt Massenja, wo er eine große kartographische Arbeit über die Negerländer und einen ausführlichen Bericht über Geschichte, Geographie und Archäologie Bagirmis, Wadais und der benachbarten Landschaften verfaßte, zugleich auch reichhaltige Vokabularien der Loggene-, Bagirmi- und Wadaisprachen nebst einigen minder reichen von noch acht in jenen Gegenden geredeten Sprachen anfertigte. Gleichzeitig stellte er sorgfältige Untersuchungen über den großen, von S. kommenden Zufluß des Tsadsees, den Schari, an. Als auch Overweg 27. Sept. 1852 bei Maduari am Tsad gestorben war, rettete B. dessen Papiere ebenfalls und sandte sie nach London; darauf reiste er über Kano, Katsena, Wurno nach Sokoto, dessen mächtiger Herrscher Aliu ihn freundlich aufnahm. Unter mannigfachen Gefahren erreichte er 12. Juni 1853 Say, einen wichtigen Handelsplatz am Niger, und überschritt hier diesen Strom, durchwanderte dann die noch von keinem Europäer durchschrittenen Landschaften Gurma, Libthako und Dalla und gelangte 7. Sept. nach Timbuktu, wo er trotz Krankheit und körperlicher Schwäche eine Karte von den westlichen Negerländern anfertigte und astronomische Beobachtungen anstellte, durch welche die vielbestrittene Lage des Orts festgestellt wurde. Bei seinem Einzug in Timbuktu galt er der großen Menge als ein Abgesandter des Sultans von Stambul; als es aber bekannt wurde, daß er ein Christ war, geriet er in große Lebensgefahr, vermochte jedoch erst nach achtmonatlichem Aufenthalt 8. Mai 1854 die Rückreise anzutreten. In Gago, wo er zwölf Tage verweilte, schloß er mit den angesehensten Tuaregfürsten als Abgesandter Englands feierliche Verträge ab, laut deren sie die Befahrung des Niger durch englische Schiffe gestatteten. Am 30. Aug. kam er wieder nach Wurno, wo er die Herstellung seiner Gesundheit abwartete, verließ diese Stadt 5. Okt. und erreichte am 18. die Handelsstadt Kano, die er aus Mangel an Mitteln erst Mitte November verlassen konnte, um sich nach Bornu zu wenden. Bei Bundi, zwischen Kano und Kuka, traf er 1. Dez. mit dem ihm nachgesandten Vogel zusammen. Während letzterer nach Sinder ging, eilte B. nach Kuka, wo er 12. Dez., vom Scheich Omar feierlich eingeholt, eintraf. Am 28. Dez. kehrte auch Vogel zurück, und beide Forscher genossen das Glück eines vierwöchentlichen Zusammenlebens. Anfang Mai 1855 trat B. dann die Rückreise nach dem Norden an, erreichte über Bilma und Mursuk 21. Aug. Tripolis und betrat 8. Sept. zu Marseille wieder den europäischen Boden, den er vor fast sechs Jahren verlassen. Barths Reisen bilden eine neue Ära in der Entdeckungsgeschichte Afrikas. Er hat zuerst das höchst interessante Land Aïr (Asben) mit der Hauptstadt Agades gründlich erforscht, den mächtigen Tschaddastrom in seinem Oberlauf überschritten und das ganze große, reiche, von ihm bewässerte Land Adamáua auf der Karte niedergelegt, die erste genaue Beschreibung von den zwei wichtigen Königreichen Bagirmi und Wadai geliefert und die zwei großen Reiche Gando und Hamd-Allahi entdeckt. Seine Erfolge erweckten ein neues reges Interesse für Afrika. B. beschrieb seine Reise in "Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika" (Gotha 1857-59, 5 Bde.; im Auszug, das. 1859-60, 2 Bde.). Die geographischen Gesellschaften von London und Paris verliehen ihm die große goldene Medaille, die Universität Oxford ernannte ihn zum Ehrendoktor; er selbst aber nahm seine akademische Thätigkeit in Berlin wieder auf und trat 1858, nachdem er sein großes Reisewerk in unglaublich kurzer Zeit vollendet, eine Reise nach Kleinasien an, auf welcher ihn Mordtmann begleitete. Die Resultate dieser in archäologischer Beziehung fruchtbaren Tour sind niedergelegt in dem Werk "Reise von Trapezunt durch die nördliche Hälfte Kleinasiens nach Skutari" (Gotha 1860). Nach seiner Rückkehr erhielt B. 1863 die Professur seines 1859 gestorbenen Lehrers Karl Ritter, dessen Andenken er durch die von ihm begründete "Ritter-Stiftung" ehrte. Alljährlich unternahm er Reisen, so 1861 in die Pyrenäen und nach Spanien; 1862 galt es die Erforschung der östlichen Türkei, die er von Rustschuk ab, den Balkan übersteigend, die Höhe des Olymps zum erstenmal richtig bestimmend, bis Salonichi durchzog ("Reise quer durch das Innere der europäischen Türkei", in der Berliner "Zeitschrift für allgemeine Erdkunde" 1863 u. 1864; auch selbständig herausgegeben). Im J. 1864 besuchte er abermals Italien, 1865 Dalmatien und Montenegro. Bei der Ausarbeitung des Berichts über diese letzte Reise ereilte ihn 25. Nov. 1865 in Berlin allzufrüh der Tod. Eine philologische Frucht seiner großen afrikanischen Reise war noch die "Sammlung und Bearbeitung zentralafrikanischer Vokabularien" (Gotha 1862-66, 3 Tle.). Vgl. Koner, Heinr. B. (in der "Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin" 1866).

6) (B.-Harmating) Hermann von, Naturforscher und Reisender, geb. 15. Mai 1845 auf Schloß Eurasburg in Oberbayern, studierte zu München Jurisprudenz, widmete sich dann als Rechtspraktikant mit großem Eifer naturwissenschaftlichen, besonders geologischen und paläontologischen, Studien und erhielt 1876 von der portugiesischen Regierung den ehrenvollen Auftrag, als Landesgeolog nach Angola und Benguela zu gehen. Er landete im Juni 1876 in São Paolo de Loanda, trat Ende Juli seine Reise ins Innere an und gelangte durch das Bengothal nach Golungo Alto und über Duque de Braganza nach Mambulu. Hier aber erkrankte er heftig, und obschon es ihm gelang, die Küste wieder zu erreichen, vermochte er sich doch nicht wieder zu erholen und machte in einem Anfall von Fieberwahnsinn 7. Dez. 1876 in São Paolo de Loanda seinem Leben ein Ende. Außer vielen wertvollen Aufsätzen in Fachzeitschriften, namentlich im "Ausland", publizierte B.: "Aus den nördlichen Kalkalpen" (Gera 1874) und "David Livingstone der Afrikareisende. Ostafrika von Limpopo bis zum Somaliland" (Leipz. 1875).

Barthel, Abkürzung der Personennamen Bartholomäus und Barthold, besonders als Zwerg- und Koboltname beliebt. "Wissen, wo B. den Most holt", s. v. w. alle Schliche kennen, ein Sprichwort dunkeln Ursprungs.

Barthel, Karl, Litterarhistoriker, geb. 21. Febr. 1817 zu Braunschweig, studierte in Göttingen Theologie und deutsche Litteratur, war dann in verschiedenen Stellen als Lehrer thätig und starb 22. März 1853 in seiner Vaterstadt. Aus einem Cyklus von Vorlesungen entstand sein Werk "Die deutsche Nationallitteratur der Neuzeit" (Braunschw. 1850), das in 9. Auflage (Gütersl. 1876-79) von Gustav Emil B. und Röpe überarbeitet und fortgeführt wurde. Aus seinem Nachlaß erschienen: "Erbauliches und Beschauliches" (Halle 1853); "Leben und Dichten Hartmanns von Aue" (Berl. 1854) und "Die klassische Periode der deutschen Litteratur im Mittelalter" (Braunschw. 1857).