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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barthelmeß; Barthet; Barthez; Barthold

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Barthelmeß - Barthold.

Im März 1839 wurde er zum Mitglied der Akademie erwählt und bekleidete 1840 vier Monate lang das Generalsekretariat des Ministers des Unterrichts. Nach der Februarrevolution 1848 in die Konstituante und Legislative gewählt, hielt er sich zur Partei der Gemäßigten und ward Mitglied, bald darauf Präsident der Kommission des öffentlichen Unterrichts, beim Staatsstreich von 1851 aber auf kurze Zeit verhaftet und nach Mazas abgeführt. Napoleon III. den Eid verweigernd, legte er 1852 seine Professur nieder und wandte sich wieder ausschließlich seinen litterarischen Beschäftigungen, insbesondere dem Studium des Sanskrits und der altindischen Philosophie, zu. Mit Lesseps war B. 1855-58 für die Ausführung des Suezkanals thätig. 1871 in die Nationalversammlung zu Bordeaux gewählt, wirkte er daselbst für die Ernennung seines Freundes Thiers zum Chef der Exekutivgewalt und stand demselben bis zu dessen Sturz als Generalsekretär treu zur Seite. 1876 ward er zum Senator auf Lebenszeit erwählt und gehörte als solcher, wie vorher in der Nationalversammlung, zum linken Zentrum. In dem Kabinett Ferrys vom 30. Sept. 1880 übernahm er das Portefeuille des Auswärtigen, nahm aber beim Rücktritt Ferrys (November 1881) ebenfalls seine Entlassung. Als Gelehrter hat sich B. besonders um die Geschichte der griechischen und als gründlicher Kenner des Sanskrits um jene der indischen Philosophie verdient gemacht. Seine litterarische Hauptleistung ist die französische Übersetzung der Werke des Aristoteles, die 1837-83 erschien. Außerdem veröffentlichte er: "De la logique d'Aristote" (1839, 2 Bde.; Preisschrift); "De l'école d'Alexandrie" (1845); "Sur les Védas" (1854); "Du Bouddhisme" (1855); "Le Bouddha et sa religion" (3. Aufl. 1866); "Mahomet et le Coran" (1865); "Philosophie des deux Ampère" (2. Aufl. 1869); "A la démocratie française" (1874); "De la métaphysique, sa nature et ses droits" (1879; deutsch von Goergens, Leipz. 1879) u. eine Übertragung der Ilias in Versen (1869, 2 Bde.).

Barthelmeß, Nikolaus, Kupferstecher, geb. 27. Juni 1829 zu Erlangen, lernte die Anfangsgründe seiner Kunst unter Karl Mayer in Nürnberg und ging dann auf die Akademie zu München. 1852 zog er nach Düsseldorf, lernte vier Jahre lang unter Keller und vollendete seine Ausbildung in Paris. Er besitzt eine große Gewandtheit in der Führung des Grabstichels und weiß seine meist der Neuzeit angehörenden Originale mit großer Treue sowohl im Ausdruck der Gestalten als in der Behandlung der verschiedenen Stoffe wiederzugeben. Er stach Christus am Kreuz mit Magdalena nach Joseph Kehren, den Feiertag nach Siegert, den blinden Knaben nach Salentin, In der Kirche nach Vautier sowie die in Paris 1867 gekrönte Predigt des Seekadetten nach Henry Ritter, die Spaziergänger vor dem Thor nach Otto Schwerdgeburth, den Leichenschmaus nach Vautier und den Abend am Rhein nach Bötticher.

Barthet (ipr. -ta), Armand, franz. Dichter, geb. 15. April 1820 zu Besançon, lebte seit 1838 in Paris, wo er für verschiedene Zeitschriften schrieb und sich in der Folge mit vielem Glück im Gebiet der Erzählung, der Novelle und besonders des Dramas bewegte. Er starb daselbst, seit längerer Zeit in Irrsinn verfallen, Ende Februar 1874. Am bekanntesten, weil für die berühmte Rachel geschrieben, wurde seine dramatische Blüette "Le moineau de Lesbie" (in Versen, 1849), welche mit "Le chemin de Corinthe" und "L'heure du berger" in dem "Théâtre complet" 1861 in neuer Ausgabe erschien.

Barthez (spr. -tahs), Paul Joseph, Mediziner, geb. 11. Dez. 1734 zu Montpellier, studierte daselbst, ging 1754 nach Paris und ward 1759 Professor in Montpellier, wo seine Vorlesungen bald europäischen Ruf erlangten. Seine "Nouveaux éléments de la science de l'homme" (Montpellier 1778; 3. Ausg., Par. 1858, 2 Bde.) wurden in die meisten europäischen Sprachen übersetzt. Der König ernannte ihn 1781 zum mitberatenden Leibarzt und der Herzog von Orléans zu seinem ersten Leibarzt. 1785 wurde er Titularkanzler der Universität zu Montpellier, 1788 Mitglied des Gesundheitsrats und endlich Staatsrat. Aus allen Teilen der zivilisierten Welt wurden über wichtige Fälle Konsultationen von ihm begehrt. Die französische Revolution raubte ihm den größten Teil seines Vermögens und seine Stellen; er mußte 1789 Paris verlassen und lebte als Schriftsteller und Arzt an verschiedenen Orten. Napoleon I. ernannte ihn zum kaiserlichen Leibarzt. Er starb 15. Okt. 1806 in Paris. B. schrieb noch: "Nouvelle mécanique des mouvements de l'homme et des animaux" (Carcassonne 1798, deutsch von Sprengel, Halle 1800); "Traité des maladies goutteuses" (Par. 1802, 2 Bde., neue Aufl. 1819; deutsch von Bischoff, Berl. 1803), eine vollständige Geschichte der gichtischen Krankheiten; "Consultations de médecine" (Par. 1810, 2 Bde.). Vgl. Lordat, Exposition de la doctrine médicale de Paul Jos. B. et mémoires sur la vie de ce médecin (Par. 1818), und dessen "Rappel des principes doctrinaux etc." (Montpellier 1857).

Barthold, Friedrich Wilhelm, deutscher Geschichtschreiber, geb. 4. Sept. 1799 zu Berlin, studierte seit 1817 in Berlin Theologie, dann, durch Wilken angeregt, dort und in Breslau unter Raumer und Wachler Geschichte. Als Hauslehrer zu Striesa bei Breslau schrieb er sein erstes historisches Werk: "Johann von Werth im nächsten Zusammenhang mit seiner Zeit" (Berl. 1826). Ostern 1826 wurde B. Lehrer am Friedrichskollegium in Königsberg. Sein größeres Werk: "Der Römerzug König Heinrichs von Lützelburg" (Königsb. 1830-31, 2 Bde.), verschaffte ihm eine außerordentliche Professur der Geschichte zu Greifswald, wo er 1834 ordentlicher Professor ward und bis zu seinem Tod (14. Jan. 1858) wirkte. Außer seinem andern größern Werk: "Georg von Frundsberg, oder das deutsche Kriegshandwerk zur Zeit der Reformation" (Hamb. 1833), schrieb B. eine Reihe interessanter Aufsätze in Raumers "Historischem Taschenbuch", die zum Teil auch besonders gedruckt erschienen. Später widmete sich B. der pommerschen Provinzialgeschichte und schrieb "Geschichte von Rügen und Pommern" (Hamb. 1839-45, 5 Bde.). Die "Geschichte des großen deutschen Kriegs vom Tode Gustav Adolfs ab" (Stuttg. 1841-43, 2 Bde.) fand wegen ihrer dem Kaiser allzu günstigen Auffassung Widerspruch. Daran schließen sich: "Die geschichtlichen Persönlichkeiten in Jakob Casanovas Memoiren" (Berl. 1846); "Geschichte der Fruchtbringenden Gesellschaft" (das. 1848); "Deutschland und die Hugenotten" (Brem. 1848, Bd. 1); "Geschichte der Kriegsverfassung und des Kriegswesens der Deutschen" (2. Aufl., Leipz. 1854); "Geschichte der deutschen Städte und des deutschen Bürgertums" (das. 1850-52, 4 Bde.); "Geschichte der deutschen Hansa" (das. 1853-54, 3 Bde.) und "Soest, die Stadt der Engern" (Soest 1855). Bartholds Werke sind ausgezeichnet durch Fleiß der Forschung und eine Menge von Detailangaben, welche freilich nicht immer ins rechte Verhältnis zum Ganzen gesetzt und zu breit behandelt sind.