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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bassein - Bassetthorn.

3053 Einw., welche Bierbrauerei, Fabrikation von Zucker, Öl, Seife, Papier etc. und Handel mit Kohlen, Getreide und Leinwand betreiben.

Bassein, 1) ein Bezirk der britisch-ostind. Provinz Britisch-Birma (Hinterindien), in der Division Irawadi, 18,246 qkm (332 QM.) groß mit (1881) 389,419 Einw. Die Hauptstadt B. liegt an dem gleichnamigen Mündungsarm des Irawadi, den der Ort ganz beherrscht, hat einen Hafen und 28,147 meist buddhistische Einwohner; sie ist erst seit 1852 britischer Besitz. Der Handel von B. beschränkt sich in der Ausfuhr auf Reis, wovon 1883 in 90 Schiffen (18 deutschen) 154,217 Ton. (32,151 T. deutsch) ausgeführt wurden. B. ist Sitz eines deutschen Konsuls. - 2) (Wasai) Britische Seehafenstadt am rechten Ufer der Thannabucht, an der Westküste von Ostindien, Präsidentschaft Bombay, 45 km nördlich von Bombay, mit (1881) 10,357 Einw., darunter 2623 Christen. Der Ort ward 1534 von den Portugiesen besetzt, enthält sechs christliche Kirchen und gehört seit 1775 den Engländern; er ist Station der Bombay-Baroda-Eisenbahn.

Basselin (spr. bass'läng), Olivier, franz. Volksdichter des 15. Jahrh., ein Walkmüller im Vaux de Vire in der Normandie, wo man noch heute den "Moulin Basselin" zeigt, stand an der Spitze einer lustigen Gesellschaft, in der ernste und heitere Lieder, politische und kriegerische Gesänge beliebt waren. Diese Lieder fanden weite Verbreitung, und besonders B. wurde als Dichter derselben gefeiert. Er fiel im Kampf gegen die Engländer. Von seinen Liedern ist nichts bekannt, und die unter seinem Namen seit 1811 (zuletzt 1858) veröffentlichten Gedichte gehören dem Advokaten zu Vire, Jean le Houx, an, welcher 1616 gestorben ist. Vgl. Gasté, Étude sur O. B. (Par. 1866); Derselbe, Étude sur Jean le Houx (1874). Aus den "Vaux-de-Vire" wie die Lieder des Val (Vau) de Vire genannt wurden, entstand der Ausdruck Vaudeville. Vgl. Gasté, Chansons normandes du XV. siècle (Caen 1876).

Basselisseweberei, s. Weben.

Bassen, Geschütz, s. Drehbasse.

Basse-riche (franz., spr. baß-rihsch), schwarzes Gestein mit vielen Muscheln, wird in der Auvergne gebrochen und zu Schalen, Sockeln etc. verarbeitet.

Bassermann, Friedrich Daniel, deutscher Politiker, geb. 24. Febr. 1811 zu Mannheim, kam zu einem Kaufmann in die Lehre und konditionierte dann zu Havre und Paris in Drogueriegeschäften. Er beschäftigte sich in seinen Mußestunden mit Mathematik, Physik und Geschichte und studierte 1829-31 drei Semester auf der Universität Heidelberg Naturwissenschaften, Geschichte und Staatswissenschaften. Nachdem er seit 1830 zwei Jahre in einem Drogueriegeschäft zu Nürnberg gearbeitet hatte, kaufte er 1834 ein solches zu Mannheim, wo er ausschließlich seinem Beruf lebte, bis er 1837 durch die Wahl in den kleinen Bürgerausschuß der Stadt Mannheim zu öffentlicher Wirksamkeit gelangte. 1841 wurde er Mitglied der badischen Zweiten Kammer, wo er bald unter den Führern der badischen Opposition eine hervorragende Stellung erlangte. Nachdem er mit Mathy in Mannheim eine Buchhandlung eröffnet hatte, übernahm er den Verlag der "Deutschen Zeitung". Auf dem Landtag von 1847 bis 1848 begründete er 12. Febr. 1848 seinen berühmten Antrag auf deutsche Nationalvertretung, wohnte dann der Heidelberger Versammlung bei und wurde von der badischen Märzregierung, zu deren eifrigsten Verteidigern er nach Gewährung der volkstümlichen Forderungen durch dieselbe gehörte, im März 1848 als Vertrauensmann an den Bundestag nach Frankfurt geschickt und nahm am Vorparlament teil. Von einem bayrischen Wahlbezirk in die Nationalversammlung gewählt, trat er hier als gewandter Sprecher der Mittelpartei auf und drang vergeblich auf Herstellung einer obersten Gewalt in Deutschland. Er präsidierte dem Verfassungsausschuß und trat 9. Aug. 1848 als Unterstaatssekretär des Innern ins Reichsministerium ein, in welcher Stellung er, mit Ausnahme des kurzen Interregnums nach der Verwerfung des Malmöer Waffenstillstandes, bis zur Entlassung des Ministeriums Gagern blieb. Im November 1848 erhielt er eine Mission nach Berlin, um ein Verständnis mit der preußischen Regierung anzubahnen, was ihm aber nicht gelang. Die Schilderung, die er bei seiner Rückkehr in die Nationalversammlung 11. Nov. von den Berliner Zuständen entwarf, erregte viel Aufsehen, weil er sich darin für das Ministerium und gegen die von den revolutionären Massen terrorisierte preußische Nationalversammlung erklärte, und die "Bassermannschen Gestalten" wurden sprichwörtlich. In dem Verfassungsstreit stand er eifrig auf seiten der preußisch-erbkaiserlichen Partei und war nach der Ablehnung der Kaiserkrone der erste, der zu einer Verständigung mit Preußen riet. Nachdem er im Mai 1849 mit der Partei Gagern die Nationalversammlung verlassen, ward er von einem rheinpreußischen Wahlbezirk in das Unionsparlament zu Erfurt gewählt. Von den Demokraten wegen seines Abfalles von der liberalen Sache verspottet und geschmäht, mußte er hier erkennen, daß die Hoffnungen, die er auf Preußen gesetzt, trügerisch waren. Krank und gebrochen kehrte er 1851 nach Mannheim zurück. Ein anhaltendes Nervenübel hinderte ihn an jeder bedeutenden Thätigkeit und trieb ihn endlich zum Selbstmord; er erschoß sich 29. Juli 1855.

Basse-taille (franz., spr. baß-taj), s. v. w. der tiefere (zweite) Tenor.

Basseterre (spr. baß-tär), 1) Hauptstadt der brit. Insel St. Christoph in Westindien, an offener Reede zwischen Kokospalmen und Tamarinden gelegen, hat lebhaften Handel und 8500 Einw. - 2) Hauptstadt der franz. Insel Guadeloupe (Westindien), an offener Reede und an steilem Hügelabhang erbaut, hat schöne Promenaden mit Springbrunnen, ein Seminar, ein Militärspital, einen Pflanzengarten, lebhaften Handel und 9500 Einw. Fort Richepanse und zwei Batterien verteidigen die Stadt, die wiederholt von den Engländern zerstört worden ist.

Bassett (ital. Bassetto), kleiner Baß, Halbbaß (s. d.); häufig in Zusammensetzungen mit Namen von andern Instrumenten, wo es andeutet, daß dieselben eine mittlere Tonlage (Tenorlage) haben; z. B. Bassetthorn (s. d.). Auch eine Orgelstimme heißt B. (vierfüßige Flötenstimme im Pedal).

Bassette, Hasardspiel mit vollständiger französischer Karte, ehedem in Frankreich außerordentlich verbreitet, später verboten, jetzt selten gespielt. Es soll in Venedig erfunden und von Justiniani, dem Gesandten der Republik in Paris, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. in Frankreich eingeführt worden sein.

Bassetthorn (ital. Corno di bassetto, auch Clarone, franz. Cor de basset), ein 1770 in Passau erfundenes und namentlich durch Theodor Lotz (um 1780 in Preßburg) wesentlich verbessertes, neuerdings wieder außer Gebrauch gekommenes Holzblasinstrument, das in F steht (d. h. das geschriebene c klingt wie F) und sich von der Altklarinette in F dadurch unterscheidet, daß es fünf Halbtöne tiefer hinabreicht (vgl. Klarinette); sein Umfang ist von F bis c''' (geschrieben: