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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bauchring; Bauchschmerz; Bauchschnitt; Bauchspeichel; Bauchspeicheldrüse; Bauchstich; Bauchtiere; Bauchwassersucht

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Bauchring - Bauchwassersucht.

der neuern Zeit hat vorzüglich Ostindien geschickte B. aufzuweisen; in Europa haben sich besonders Franzosen und Engländer, z. B. Olivier, Saint-Gilles, Fitzjames, Alexander (Baltomare) u. a., in dieser Kunst ausgezeichnet. Vgl. de la Chapelle, Le ventriloque, ou l'Engastrimythe (Lond. 1772, 2 Bde.); Hardy, Ventriloquism made easy (neue Ausg., das. 1866); Schulz, Die Kunst des Bauchredens (Erfurt 1881).

Bauchring, s. Leistengegend.

Bauchschmerz, s. Kolik.

Bauchschnitt (Laparotomia), chirurg. Operation, welche darin besteht, daß die Bauchdecken mit dem Messer durchschnitten werden und die Bauchhöhle somit eröffnet wird. Die Operation wird vorgenommen, entweder um schädliche, auf andre Weise nicht entfernbare Körper (sogen. fremde Körper) aus der Bauchhöhle zu entfernen, was im allgemeinen selten vorkommt, oder um nach Eröffnung der Bauchhöhle noch anderweitige Operationen an den Unterleibsorganen vorzunehmen. Abgesehen vom sogen. Kaiserschnitt (s. d.), bei welchem nach dem B. noch die Eröffnung der schwangern Gebärmutter mit dem Messer erfolgt, wird in neuerer Zeit der B. sehr häufig angewendet, um größere Geschwülste des Eierstockes (manchmal auch der Gebärmutter) auszurotten. Gerade auf diesem letztern Gebiet hat die moderne Chirurgie zahlreiche glückliche Erfolge zu verzeichnen. Der B. ist unter allen Umständen eine gefährliche Operation, seine Ausführung ist schwierig und erfordert die größte Umsicht des Operateurs. Die Gefahren, welche dem Patienten dabei drohen, sind die oft stundenlange Abkühlung der Därme, Blutungen und vor allen die Gefahr einer Bauchfellentzündung, welche beinahe ohne Ausnahme tödlich endet.

Bauchspeichel (pankreatischer Saft), das Absonderungsprodukt der Bauchspeicheldrüse, stellt eine farblose, klebrige Flüssigkeit von alkalischer Reaktion dar, in der farblose Blutkörperchen und sogen. Speichelkörperchen suspendiert sind. Beim Stehen an der Luft treten lockere Gerinnsel in dem B. auf. Die wesentlichsten Bestandteile des Bauchspeichels sind drei Fermente, nämlich: ein Eiweißferment, ein diastatisches Ferment, ein Fettferment. Das Eiweißferment (Trypsin) kommt in der lebendigen Drüse nicht fertig gebildet vor; hier findet sich nur seine Muttersubstanz, welche unter gewissen Bedingungen das Ferment in Freiheit treten läßt. Es gehört zu den ungeformten Fermenten und scheint im wesentlichen eiweißartiger Natur zu sein. Es ist in Wasser leicht löslich. Das diastatische Ferment wird durch Alkohol gefällt, kann lange Zeit unter dieser Flüssigkeit aufbewahrt werden, ohne seine Wirksamkeit einzubüßen, und ist in Glycerin löslich. Das Fettferment ist noch wenig bekannt; es verleiht dem B. die Fähigkeit, Fette in fette Säuren und Glycerin zu zerlegen. Vermöge des Gehalts an diesen drei Fermenten hat der B. eine hohe Wichtigkeit für die Verdauung; er ist der vollkommenste aller Verdauungssäfte, denn seine Wirksamkeit erstreckt sich gleichmäßig auf alle Nährstoffe. Hinsichtlich der Eiweißverdauung sei bemerkt, daß das Verdauungsgemisch eine schwach saure Reaktion besitzen muß, wenn eine reine Verdauung erfolgen soll; bei alkalischer Reaktion verlaufen neben den Verdauungsvorgängen zugleich lebhafte Fäulnisprozesse. Bei der Trypsinverdauung in schwach angesäuerter Lösung kommt als hauptsächlichstes Verdauungsprodukt das Pepton in Betracht, während in alkalischen Verdauungsgemischen außerdem nicht unbedeutende Mengen von Leucin, Tyrosin, Asparaginsäure und Indol gebildet werden. Letzterer Körper hat einen höchst widerlichen fäkalen Geruch. Wie für die Pepsinverdauung, so liegt auch für die Trypsinverdauung die günstigste Temperatur bei Körperwärme. Temperaturen über 60° hinaus zerstören das Trypsin. Die Einwirkung des Bauchspeichels auf die Kohlehydrate erfolgt ganz analog der Wirkungsweise des Speichels, doch wirkt der pankreatische Saft intensiver als dieser. Was endlich die Einwirkung des Bauchspeichels auf die Fette betrifft, so macht sich diese durch die Bildung einer außerordentlich feinen und haltbaren Emulsion geltend. Näheres s. Verdauung.

Bauchspeicheldrüse (griech. Pankreas), eine bei den Wirbeltieren, mit Ausnahme mancher Fische, vorkommende Drüse in der Nähe des Magens. Sie entsteht aus einer Ausstülpung der Darmwand, mündet durch einen oder zwei Gänge (ductus pancreaticus s. Wirsungianus) zugleich mit dem Gallengang oder in der Nähe desselben in den vordern Abschnitt des Dünndarms ein und liefert den für die Verdauung so wichtigen Bauchspeichel (s. d.). Beim Menschen ist sie reichlich 20 cm lang, 4-6 cm hoch, 1½ cm dick und wiegt 70-100 g. Der feinere Bau der B. stimmt ganz und gar mit demjenigen der übrigen Speicheldrüsen überein. (S. Tafel "Eingeweide des Menschen".) Die B. erkrankt selten allein, meist bei gleichzeitiger Erkrankung des Magens, Zwölffingerdarms oder der Unterleibsdrüsen. Am häufigsten ist Krebs der B. Das Verhältnis von Affektionen der B. zur Zuckerharnruhr ist noch nicht genügend bekannt.

Bauchstich (Paracentese), die Durchbohrung der Bauchwand mit dem Trokar (s. d.), um in der Bauchhöhle krankhaft angesammelte Flüssigkeit zu entfernen. Der B. wurde schon von den Alten ausgeführt und kommt noch jetzt bei der Bauchwassersucht (an einem und demselben Individuum bisweilen vielmals hintereinander) in Anwendung, ist aber stets nur ein Palliativmittel.

Bauchtiere (Schleimtiere, Gasterozoa, Myxozoa), nach veralteter Einteilung dritter Kreis der Tiere, im Gegensatz zu den Wirbeltieren und den Ringel- oder Gliedertieren, umfaßt die Mollusken (Weichtiere), Radiaten (Strahltiere), Polypen und Protozoen (Urtierchen).

Bauchwassersucht (Hydrops ascites) ist die Ansammlung einer aus dem Blut ausgeschwitzten wässerigen, klaren Flüssigkeit von wechselndem Eiweißgehalt. Die B. ist entweder ein örtliches, auf chronischer Entzündung, Tuberkulose, krebsiger Entartung des Bauchfelles oder Leberschrumpfung beruhendes Leiden, oder sie ist Teilerscheinung der allgemeinen, durch Herz- oder Nierenleiden entstehenden Wassersucht. Gerade in der Bauchhöhle erreicht die Wassermenge oft kolossale Maße, 10-20 Lit. und darüber; man erkennt die B. an der Veränderung der äußern Form des Unterleibes, welche freilich in der Regel erst dann in die Augen fällt, wenn die angesammelte Flüssigkeit bereits eine gewisse Quantität erreicht hat; denn kleinere Mengen sind oft schwierig zu erkennen. Ist die Quantität aber schon eine beträchtlichere, so ist der Unterleib stark ausgedehnt, im Stehen der Teil unter dem Nabel, im Liegen mehr die Gegend um den Nabel. Wenn man auf der einen Seite die Hand auf die Bauchdecken fest auflegt und auf der andern einen leichten Schlag mit dem Finger anbringt, so fühlt man ein eigentümliches Schwappen. Die Kranken haben ein Gefühl von Schwere und Vollsein im Unterleib, bei starker Wasseransammlung ist durch die Empordrängung