Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baudius; Baudouin; Baudrier; Baudrillart

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Baudius - Baudrillart.

aber veruneinigte er sich mit dem schwedischen Reichsrat und ward sächsischer Generalfeldmarschall, mußte aber, 1636 bei der Belagerung von Magdeburg schwer verwundet, seinen Abschied nehmen und ging als sächsischer Gesandter nach Kopenhagen. Er starb 1646. Durch seine Vermählung mit Sophie v. Rantzau 1635 ward er Mitglied der schleswig-holsteinischen Ritterschaft, und während die Familie B. in der Lausitz 1682 erlosch, gelangte sie in Holstein zu reichem Besitz u. wurde auch 1741 in den Reichsgrafenstand erhoben.

2) Wolf Heinrich Friedrich Karl, Graf von, Schriftsteller, geb. 30. Jan. 1789 zu Rantzau, trat nach Ablauf seiner Universitätsstudien als Legationssekretär in dänischen Staatsdienst, erhielt 1810-14 Missionen nach Stockholm, Wien und Paris und büßte im Sommer 1813 für seine deutsche Gesinnung durch halbjährige Haft auf der Festung Friedrichsort. Später machte er Reisen nach Italien, Frankreich und Griechenland und nahm 1827 seinen dauernden Aufenthalt in Dresden, wo er bald in ein inniges Verhältnis zu Tieck trat und an dessen Shakespeare-Übersetzung einen hervorragenden Anteil nahm. Er starb daselbst 4. April 1878. Von seiner Hand sind in der sogen. Schlegel-Tieckschen Übersetzung folgende Stücke: "Viel Lärmen um nichts"; "Der Widerspenstigen Zähmung"; "Die Komödie der Irrungen"; "Maß für Maß"; "Ende gut, alles gut"; "Antonius und Kleopatra"; "Troilus und Cressida"; "Die lustigen Weiber von Windsor"; "Verlorne Liebesmüh'"; "Titus Andronicus"; "Heinrich VIII."; "Othello" und "Lear". Auch übertrug B. die vier von Tieck herausgegebenen vermeintlichen Jugendarbeiten Shakespeares: "Vier historische Schauspiele Shakespeares" (Stuttg. 1836). Ferner veröffentlichte er unter dem Titel: "Ben Jonson und seine Schule, mit Anmerkungen und einem historischen Überblick über die Geschichte der englischen Bühne" (Leipz. 1836, 2 Bde.) Übersetzungen älterer englischer Dramen und versuchte sich später auch auf dem Felde der mittelhochdeutschen Litteratur, indem er Übertragungen des "Iwein mit dem Löwen" von Hartmann von Aue (Berl. 1845) und des "Wigalois" von Wirnt von Gravenberg (Leipz. 1848) herausgab. Seine spätere Thätigkeit als poetischer Übersetzer galt der französischen und italienischen Dichtung; seine Hauptleistung war hier die ausgezeichnete Übertragung von Molières sämtlichen Lustspielen (Leipz. 1865-67, 4 Bde.), worin die Alexandriner des Originals in fünffüßigen reimlosen Iamben wiedergegeben sind. Ihr schließen sich an: "Zwei dramatische Dichtungen von Fr. v. Coppée" (Leipz. 1874), "Carmontels und Leclerques dramatische Sprichwörter" (das. 1875) und "Italienisches Theater" (das. 1877), Dramen von Gozzi und Goldoni enthaltend.

3) Otto Friedrich Magnus, Bruder des vorigen, geb. 5. Juni 1792 zu Rantzau, trat in dänische Militärdienste und stieg bis zum Major. In der schleswig-holsteinischen Bewegung stand er auf der Seite seiner Landsleute und trug namentlich viel zum Anschluß der Truppen an die Landessache bei. Zum Obersten ernannt, hielt er sich in dem unglücklichen Gefecht bei Bau zwei Stunden lang gegen eine dreifache Überzahl und erleichterte dadurch den Rückzug der Hauptarmee. Im Sommer 1849 ward er in der Schlacht bei Kolding und 1850 bei Idstedt, wo seine Brigade tapfer standgehalten, schwer verwundet. Im Februar 1851 erhielt er mit den übrigen Offizieren seinen Abschied und lebte seitdem, mit Kunststudien beschäftigt, in Hamburg und Dresden. Er starb in Teplitz 25. Juni 1865.

Verwandt mit den Genannten sind Ulrich von B., geb. 22. Febr. 1816, dan. Major a. D., Verfasser mehrerer Romane: "Ronneburger Mysterien" (Stuttg. 1869), "Das Damenstift" (das. 1875), und einer Reihe von Lustspielen, gesammelt in "Kleinigkeiten für das Theater" (Altona 1863, am besten die originelle Posse "Ein Abenteuer auf der Eisenbahn"), und dessen Bruder Adelbert, Graf von B., geb. 25. Jan. 1820. Letzterer, früher schleswig-holsteinischer Leutnant, lieferte mehrere Schriften über Schleswig-Holstein, z. B. "Geschichte des schleswig-holsteinischen Kriegs" (Hannov. 1862), sowie historische Romane ("Christian VII. und sein Hof", "Philippine Welser" etc.) und novellistische Arbeiten, die sich jedoch nur wenig über das Niveau gewöhnlicher Unterhaltungslektüre erheben. Während des deutsch-französischen Kriegs brachte er acht Monate auf dem Kriegsschauplatz zu. Auf der Rückreise in Wiesbaden erkrankt, starb er daselbst 28. März 1871.

4) Wolf Wilhelm Friedrich, Graf, Theolog, geb. 26. Sept. 1847 zu Sophienhof bei Kiel, habilitierte sich 1874 an der theologischen Fakultät in Leipzig und folgte 1876 einem Ruf nach Straßburg, wo er 1880 ordentlicher Professor wurde. In gleicher Eigenschaft ging er 1881 nach Marburg. Von seinen Veröffentlichungen nennen wir: "Translationis antiquae libri Jobi quae supersunt" (Leipz. 1870); "Eulogius und Alvar" (das. 1872); "Studien zur semitischen Religionsgeschichte" (das. 1876-78, 2 Bde.).

Baudius, Auguste, Schauspielerin, geb. 1. Juni 1845 zu Leipzig, erhielt ihre Erziehung hauptsächlich von ihrem Adoptivvater, dem beliebten Schauspieler B. (1796-1860) am dortigen Theater. Kaum erwachsen, betrat sie in Leipzig 1860 die Bühne als Julie in "Romeo und Julie", gastierte in Dresden und wurde hierauf in Breslau als jugendliche Liebhaberin engagiert. Schon im April 1861 von Laube an das Burgtheater in Wien berufen, gehörte sie diesem bis 1878 als erste Liebhaberin im Lustspiel und Schauspiel an, wurde dann pensioniert und widmete sich ausschließlich dem Gastspiel. Käthchen von Heilbronn, die bezähmte Widerspenstige, die Königin im "Glas Wasser", Mirandolina und vorzugsweise die jugendlichen Hauptcharaktere in den Stücken von Bauernfeld und Wilbrandt bilden ihr Repertoire. Seit 1873 ist sie mit dem letztern verheiratet.

Baudouin (spr. boduäng), Jean Magloire, franz. Gelehrter, geb. 15. Sept. 1819 zu St.-Benoît sur Loire im Departement Loiret, studierte auf dem Seminar zu Orléans, lehrte eine Zeitlang am Collège zu Pont-Levoy und lebte dann als Privatgelehrter in Paris, bis er 1851-57 Erzieher der Söhne des Herzogs von Orléans wurde. Nach Frankreich zurückgekehrt, lieferte er nach einer 1863 im Auftrag des Unterrichtsministers Duruy unternommenen Studienreise einen ausgezeichneten "Rapport" (1865) über das Schulwesen in Belgien, Deutschland und der Schweiz, infolgedessen er zum Generalinspektor des Elementarunterrichts ernannt wurde. Er starb 13. März 1882. Unter seinen litterarischen Publikationen befindet sich auch eine Übersetzung des "Nibelungenliedes" (1856).

Baudrier (franz., spr. bōdrĭeh; Balderich), Wehr-, Degengehenk.

Baudrillart (spr. bōdrijar), Henri, franz. Nationalökonom, geb. 28. Nov. 1821 zu Paris, studierte am Collège Bourbon, wo er 1841 den Ehrenpreis für Philosophie erhielt. Mit seiner Schrift "Jean Bodin et son temps" (Par. 1853) erwarb er sich 1846 den Preis Monthyon, nachdem er ein Jahr vorher mit dem Lehrstuhl der Staatsökonomie am Collège de France be-^[folgende Seite]