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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baukunst

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Baukunst (Renaissance).

ziehende Dekoration, bei welcher romanische und arabische Elemente mit Glück benutzt sind. In reicher Pracht, moderne Formen ziemlich harmonisch mit jenen des gotischen Stils verschmelzend, erscheint auch die Fassade des 1456 gegründeten sogen. großen Hospitals zu Mailand. Vor allem jedoch erhalten die Fassaden der Paläste von Venedig in dieser Periode eine ebenso charakteristische wie anmutsvolle Gestalt, unter denen als eins der reichsten, aber noch schweren und minder entwickelten Beispiele der gegen die Mitte des 14. Jahrh. gebaute Dogenpalast zu nennen ist. Zierlicher ist eine Reihe von meist aus jüngerer Zeit herrührenden Privatpalästen am Canale grande, worunter die Paläste Cavalli, Foscari, Pisani, Barbarigo, Sagredo, die Cà Doro hervorzuheben sind.

In Spanien und Portugal scheint sich der gotische Baustil in ungleich größerer Reinheit erhalten zu haben als in Italien, doch fehlt es im einzelnen, wie in der spanisch-romanischen Architektur, auch nicht an Einflüssen des maurischen Baustils. Bei der Kathedrale von Burgos (1299) finden sich Pfeiler angewendet, welche ganz aus Halbsäulen als Gurtträgern zusammengesetzt sind (s. Tafel X, Fig. 4). Ein reiches und glänzendes Äußere entfaltete sich an der Kathedrale zu Barcelona (angeblich 1217 gegründet), deren Fassade 1442 durch zwei Meister von Köln, Johann und Simon, angelegt worden sein soll. Zu den spanischen Kirchen dieser Periode gehören die Kathedralen von Segovia, deren Äußeres ziemlich massenhaft erscheint, von Sevilla, fünfschiffig mit glänzender Fassade, welche schon mit Formen der spätern Entwickelungszeit des Stils durchsetzt ist, die Kirche de los Reies zu Toledo (1494-98), reich und geschmackvoll dekoriert, und die Kirche des Dominikanerklosters zu Valladolid, deren Fassade aber bereits eine wüste Ausartung zeigt, indem die verschiedenartigsten gotischen und maurischen Formen bunt durcheinander gewürfelt sind. Unter den Arkaden der Klosterhöfe finden sich mehrfache Reminiszenzen an die maurische Kunst, minder entschieden an denen der Klöster Montserrat und Poblet, deutlicher im Kloster von Guadalupe, wo Pfeiler durch spitz gewölbte Hufeisenbogen verbunden sind, und in vorzüglich schöner, doch freier Behandlung der gotischen Formen in dem Dominikanerkloster zu Valladolid. An öffentlichen städtischen Bauten, wie an dem Rathaus von Barcelona und an der Börse von Valencia, entwickelt sich ein nicht minder ansprechender Dekorationsstil. Die edelste und regelmäßigste Ausbildung des gotischen Baustils auf der gesamten Pyrenäischen Halbinsel tritt uns in der Kirche des Klosters von Batalha in Portugal entgegen, in deren Innerm, den besten deutsch-gotischen Bauten wenigstens nahestehend, ein vorzüglich reines System sich entwickelt.

Die Baukunst der Renaissance.

Die neuere oder Renaissancebaukunst, welche in ihren letzten Ausläufern bis in unsre Tage hineinreicht (s. Tafel XI und XII), beruht auf der Wiederaufnahme der antiken und zwar vorzugsweise der römischen Bauformen, welche sich der erwachenden historisch-wissenschaftlichen Richtung zunächst darboten und welche mit den Bedürfnissen der neuern Zeit vorzugsweise übereinstimmten. Als die Wiege der neuern B. erscheint Italien, dessen Werke fast ausschließlich das Vorbild für die übrigen Länder blieben. Die Blütezeit dieser Architektur fällt in das 15. Jahrh. An der Grenzscheide des romanischen Zeitalters stehend, sind die Bauten dieser gewöhnlich als Frührenaissance bezeichneten Periode noch von einem frischern Lebenshauch beseelt, der ihnen ein eigentümlich anziehendes Gepräge verleiht. Noch bemüht man sich, mit Selbständigkeit die klassischen Formen aufzufassen und diese mit besonderer Rücksicht auf das von den antiken Gebäuden abweichende Ganze auszubilden, während sich später das Ganze vielmehr dem als Prinzip aufgenommenen antiken System fügen muß. In den Vordergrund dieser Kunstperiode tritt die Palastarchitektur. Die baulichen Massen werden hier noch kräftig und großartig zusammengehalten, ohne daß sich dieselben durch eine aufgeklebte Scheinarchitektur zu etwas anderm gestalten, als was sie sein sollen; aber da, wo die Massen sich naturgemäß in einzelne Teile sondern, namentlich an den Öffnungen der Fenster und Thüren, entwickelt sich gleichwohl eine bewegtere Gliederung, wozu die Formen der antiken Kunst mit Geist und Geschmack verwandt werden. Freilich ist dies nur eine Architektur des Äußern, doch ist dieselbe mehr als eine müßige Dekoration. Bei den kirchlichen Monumenten, wo es vorerst auf eine architektonische Belebung des innern Raums ankam, konnten aber die antiken Vorbilder nicht ausreichen, weshalb diese Bauten von vornherein weniger Bedeutung erlangten. Die bessern derselben, welche der ersten Hälfte des 15. Jahrh. angehören, zeigen ein geistreiches Zurückgehen auf die einfache Basilikenform. Später erscheinen Gewölbeanlagen nach römischer Art mit massigen, durch Pilaster bekleideten Pfeilern oder mit Kuppeln in der von den Byzantinern erfundenen Form. Wir unterscheiden in der Periode des 15. Jahrh. einige namhafte Bauschulen. Als die bedeutendste derselben tritt uns zuerst die toscanische Schule, welche in Florenz ihren Sitz hat, entgegen. An ihrer Spitze steht, als der Begründer der modernen B., Filippo Brunellesco (1375-1444), von dem der Bau der kolossalen Kuppel, mit welcher die Chorpartie des Doms von Florenz bedeckt ist, die beiden florentinischen Kirchen San Lorenzo und San Spirito und der Palast Pitti (dessen Oberbau und Hof aber erst später ausgeführt wurden) daselbst herrühren. Der Burgcharakter dieses Palastes bleibt nun für geraume Zeit der Typus der florentinischen Paläste; sie erscheinen inmitten des städtischen Verkehrs als feste Schlösser, in denen die angesehensten Geschlechter residieren, charakteristisch für die Nachwirkung mittelalterlicher Lebensverhältnisse, die sich auch in der in Rede stehenden Periode noch häufig genug von Einfluß zeigten. Den folgenden Baumeistern gelang es, der rohen Anlage zugleich das Gepräge künstlerischer Würde und Schönheit zu geben, indem sie durch angemessene Gestaltung jener großen Werkstücke (der Bossagen), aus denen die Paläste aufgeführt wurden, durch ein kräftig abschließendes und krönendes Hauptgesims, durch zierliche Füllung der Fenster eine ebenso markige wie gefällige Gliederung des Äußern erzielten, wozu als wichtigste Beispiele der Palast, den Michelozzo Michelozzi für Cosimo Medici baute (jetzt Palast Riccardi), sowie der von Benedetto da Majano 1489 begonnene und von Simone Cronaca (1533) beendete Palast Strozzi zu Florenz (s. Tafel XII, Fig. 1) zu nennen sind. Ähnliche Paläste finden sich in Siena; besonders bemerkenswert und den genannten völlig ähnlich ist unter diesen der Palast Piccolomini (begonnen 1469), welcher vermutlich von dem florentinischen Meister Bernardo Rossellino herrührt. Unter den übrigen florentinischen Architekten der Zeit sind hervorzuheben: Agostino di Guccio, der das zierliche Kirchlein der Brüderschaft von San Bernardino zu Perugia (1462) erbaut hat; Giuliano da Majano, der in Rom den sogen. venezianischen Palast baute;