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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baume les Dames; Baume les Messieurs; Baumfarne; Baumfeldwirtschaft; Baumg.; Baumgarten

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Baume les Dames - Baumgarten.

B., geb. 17. Nov. 1815 zu Berlin, nahm als preußischer Offizier seinen Abschied, um sich in Schwerin, zuerst unter dem Namen Baumüller, ebenfalls dem Theater zu widmen. Er zählte in seiner Jugend zu den ersten Bonvivants und Konversationsliebhabern Deutschlands. Am Hamburger und Breslauer Stadttheater vertrat er später das Fach der Heldenliebhaber. 1856 Regisseur in Kassel, nahm er 1857 in Berlin eine Stellung im Fach der ernsten und humoristischen Väter an und wurde zu den ersten Kräften gezählt, als er die Bühne 1870 für immer verließ. Er starb 6. April 1875 in Görlitz. -

Beider Schwester Marie, geb. 1. Febr. 1820 zu Berlin, wurde ebenfalls Schauspielerin, spielte in Danzig und Riga und nahm früh eine hervorragende Stellung als Liebhaberin und Salondame in Leipzig und Hannover ein. Seit 1856 mit dem Theaterdirektor Hoffmann in Wien verheiratet, zog sie sich von der Bühne zurück und trat erst 1875, nach dem Tod jenes, noch einmal auf kurze Zeit im Fach der Anstandsdamen auf, zuerst in Mannheim, dann am Thaliatheater zu Hamburg.

Baume les Dames (spr. bohm lä dahm), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Doubs, rechts am Doubs, am Rhône-Rheinkanal und an der Eisenbahn Belfort-Dijon, mit einem Collège, Resten einer ehemaligen reichen Abtei aus dem 6. Jahrh., (1881) 2553 Einw., beträchtlichen Gips- und Marmorbrüchen, Papier- und Lederfabrikation.

Baume les Messieurs (spr. bohm lä mähssjöh, ehemals B. les Moines), Ort im franz. Departement Jura, Arrondissement Lons le Saunier, im Seillethal, mit (1881) 620 Einw. und der ehemaligen berühmten Abtei gleichen Namens, von der die interessante Kirche und ein Teil des Klosters noch ziemlich gut erhalten sind.

Baumfarne, s. Farne, Cyathea, Todea.

Baumfeldwirtschaft, eine Verbindung der Holz- oder Baumzucht mit landwirtschaftlicher Benutzung des Bodens (Fruchtbau, Grasnutzung), bei welcher der Boden mit leicht belaubten, wenig beschattenden Bäumen weitläufig (in Reihenabständen) bebaut wird. Vielfach, besonders in Süddeutschland, kommen Obstbäume, in Gegenden mit Seidenbau Maulbeerbäume zum Anbau. Eine besondere Art der B. empfahl H. Cotta (1819): Anbau von Laub- und Nadelhölzern mit allmählicher Verminderung und zuletzt kahlem Abtrieb der in Reihen mit weitem Abstand gesetzten Bäume.

Baumg., bei botan. Namen Abkürzung für J. C. G. ^[Johann Christoph Gottlob] Baumgarten, geb. 1765 zu Luckau in der Lausitz, starb 1843 als Arzt und Botaniker zu Schäßburg in Siebenbürgen. Flora Siebenbürgens.

Baumgarten (Arboretum), s. Dendrologie.

Baumgarten, 1) Konrad, nach der schweizer. Sage ein Landmann zu Altzellen im Kanton Unterwalden, welcher 1306 den österreichischen Amtmann Wolfenschieß auf Roßberg erschlug, weil dieser seine Frau zu entehren versucht hatte. Das Gedächtnis der That erhält eine Kapelle bei Altzellen.

2) Siegmund Jakob, einflußreicher Theolog des vorigen Jahrhunderts, geb. 14. März 1706 zu Wolmirstedt, studierte seit 1724 in Halle, ward 1734 ordentlicher Professor daselbst. Er starb 1757. Als Schüler und Anhänger Wolfs wandte er dessen demonstrative Methode mit Vorsicht auf die Dogmatik ("Evangelische Glaubenslehre", Halle 1759-1760, 3 Bde.) an. Um die deutsche Litteratur verdient machte er sich durch seine Übersetzung der von englischen Gelehrten bearbeiteten "Allgemeinen Weltgeschichte" (Halle 1744-59, 18 Bde.; fortgesetzt von Semler). Er schrieb noch: "Auszug der Kirchengeschichte" (Halle 1743-63, 3 Bde.); "Geschichte der Religionsparteien" (das. 1755); "Nachrichten von merkwürdigen Büchern" (das. 1752-57, 12 Bde.). Seine Biographie schrieb Semler (Halle 1758).

3) Alexander Gottlieb, philosoph. Schriftsteller, Bruder des vorigen, geb. 17. Juli 1714 zu Berlin, studierte in Halle Theologie und Philosophie und wurde 1740 Professor der Philosophie zu Frankfurt a. O., wo er 26. Mai 1762 starb. B. ist einer der tüchtigsten Schüler Wolfs, ein scharfsinniger und klarer Denker, welcher den Wolfianismus auf den Kulminationspunkt seiner innern Ausbildung führte und nach außen die schon hier und da bedrohten Grenzen tapfer verteidigte. Am bekanntesten ist jedoch B. durch die Begründung der Ästhetik als einer selbständigen philosophischen Disziplin, die in der Einteilung der philosophischen Wissenschaften dicht neben der Logik zu stehen kommen sollte, geworden (s. Ästhetik). Seine Idee einer Wissenschaft des Schönen stellte er zuerst in der Schrift "De nonnullis ad poema pertinentibus" (Halle 1735) auf. Aus seinen Diktaten entstanden Meiers "Anfangsgründe aller schönen Wissenschaften" (Halle 1748-50, 3 Bde.), worauf B. selbst seine "Aesthetica" (Frankf. 1750-1758, 2 Bde.; 2. Aufl. 1759) erscheinen ließ, an deren Vollendung ihn jedoch der Tod verhinderte. Unter seinen Schriften über andre Teile der Philosophie sind noch hervorzuheben: "Metaphysica" (Halle 1739, 7. Aufl. 1779; hrsg. von Eberhard, 1783); "Philosophia generalis" (hrsg. von Förster, das. 1770); "Ethica philosophica" (das. 1740); "Annotationes in logicam" (das. 1761); "Jus naturae" (das. 1765). Vgl. F. G. Meier, Baumgartens Leben und Schriften (Halle 1763); Joh. Schmidt, Leibniz und B. (das. 1874)

4) Michael, protest. Theolog, geb. 25. März 1812 zu Haseldorf in der holsteinischen Elbmarsch, studierte seit 1832 aus der Universität zu Kiel, habilitierte sich 1839 als Privatdozent daselbst, wurde 1846 Pastor zu Schleswig, 1850 ordentlicher Professor der Theologie in Rostock. Streng bibelgläubig, aber feind allem hierarchischen Wesen, geriet B. bald mit dem Oberkirchenrat in Zwiespalt. Als er auf einer Pfarrkonferenz zu Parchim gegen Einführung zeremonial-gesetzlicher Grundsätze in die Sonntagsfeier eiferte und arglos eine Prüfungsfrage stellte, ob sich eine Revolution aus der Heiligen Schrift rechtfertigen lasse, ward er 5. Nov. 1856 aus der theologischen Prüfungskommission entlassen und 6. Jan. 1858 unter Nichtachtung des für solche Fälle vorgeschriebenen Verfahrens seiner Professur enthoben. Die in Bezug hierauf von ihm herausgegebenen Schriften: "Eine kirchliche Krisis in Mecklenburg" (Braunschw. 1858), "Der kirchliche Notstand in Mecklenburg" (Leipz. 1861), "An die Freunde aus dem Gefängnis" (Berl. 1862) etc. zogen ihm wegen Preßvergehen zweimalige Verurteilung zu Haft und Geldbuße zu. In Rostock lebend, wirkt B. unermüdlich durch Schriften und öffentliche Vorträge für eine Neugestaltung der deutschen evangelischen Kirche und war bis 1877 im Protestantenverein Hauptvertreter der bibelgläubigen Richtung. Vgl. seine Schriften: "Der Protestantenverein, ein Panier im Deutschen Reich" (Berl. 1871); "Eine Krisis innerhalb des Deutschen Protestantenvereins" (Rostock 1876). Von Baumgartens größern Werken sind zu nennen: "Theologischer Kommentar zum Alten Testament" (Kiel 1843-44, Bd. 1); "Apostelgeschichte, oder Entwickelungsgang der Kirche