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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baumschlag; Baumschlüpfer; Baumschröter; Baumschule; Baumschwälbchen; Baumseide; Baumsetzen; Baumstark

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Baumschlag - Baumstark.

neuen Wurzeln verzögert wird, die immer nur gleichzeitig (im Frühjahr) mit dem Ausschlagen der Blätter vor sich geht; mit dem Beschneiden der Äste würde man immer die Gipfelknospen, d. h. die kräftigsten, zuerst austreibenden Augen, entfernen; es sind aber immer nur die neugebildeten Wurzeln, welche aus dem Erdboden Nahrung aufzunehmen im stande sind. Da aber die Blätter, wenn ihrer viele vorhanden sind, mehr Feuchtigkeit (Saft) aus dem Baum verdunsten, als die wenigen neugebildeten Wurzeln zu ersetzen im stande sind, beschneidet man die Krone des Baums Ende Mai oder Anfang Juni, d. h. gleich nach Beginn der Blattentwickelung (s. auch Beschneiden der Bäume). Sollte der Baum bis Johannis noch nicht getrieben haben, aber noch grün sein, dann nehme man ihn wieder heraus, beschneide die Wurzeln von neuem, lege ihn 1-2 Tage ins Wasser, pflanze ihn, und gewöhnlich wird er dann austreiben, d. h. anwachsen. Was die Stellung der Bäume unter sich betrifft, so pflanzt man auf größern Flächen gewöhnlich im "Verband" (Quincunx), d. h. die Bäume der einen Reihe mitten zwischen die der andern Reihe, an Wegen, Alleen u. dgl. meist gerade gegenüber. Die Entfernung der Bäume unter sich richtet sich nach dem Zweck, der mit der Anpflanzung verfolgt wird, und nach der Größe, welche die Bäume binnen wenigen Jahren erreichen, bei hochstämmigen Obstbäumen z. B. mit 4-6 m, bei Zwergbäumen mit durchschnittlich 3 m Zwischenraum. Um spätere Bewässerung von Obst- und andern Bäumen zu erleichtern, sollte man vier Drainierungsröhren am Rande der Pflanzgrube anbringen, durch die das Wasser in die Tiefe zu leiten ist, die aber bei Nichtgebrauch zu bedecken sind.

Baumschlag, in der Natur die Art, wie sich das Laubwerk dem Auge zeigt; in der Kunst die Darstellungsweise des Laubwerks von seiten des Zeichners und Malers. Vom technischen Standpunkt aus lassen sich drei Hauptformen des Baumschlags unterscheiden: die längliche, die eckige und die runde; Kastanie, Eiche, Pappel sind drei Repräsentanten dieser Gattungen, zwischen denen eine unendliche Reihe von Unterarten und Übergangsarten liegt. Nach einer höhern ästhetischen und künstlerischen Rücksicht unterscheidet man einen realistischen und einen idealistischen Stil des Baumschlags. Der erstere bemüht sich, den B. getreu nach seinem besondern Charakter wiederzugeben, während der letztere ihn zu einer allgemeinen idealen Erscheinung umformt, ohne daß man die bestimmte Baumart bezeichnen könnte. Dazwischen liegen mannigfache Übergangsstufen. Die holländischen Landschaftsmaler Ruisdael, Hobbema, Everdingen, Waterloo etc. gehören der erstern Richtung an, die Franzosen Claude Lorrain, G. Poussin, die Italiener der zweiten. Es hängt dies mit dem Vorwiegen des großartig aufgefaßten Historienbildes bei den Italienern und der liebevollen Naturnachbildung bei den Holländern zusammen. In neuerer Zeit fand Rottmanns idealer Stil wenig Nachahmung, desto mehr aber die realistische Auffassung, die nach dem Vorgang der Franzosen in photographiemäßige Behandlung oder in rohe Skizzierung ausgeartet ist.

Baumschlüpfer, s. v. w. Zaunkönig.

Baumschröter, s. v. w. Hirschkäfer.

Baumschule, Anlage, in welcher Bäume und Sträucher für Obstgarten, Park, Blumengarten und jede Art Baumpflanzung gezogen werden. Die B. fordert einen möglichst sonnigen und freien, aber gegen heftige Winde einigermaßen geschützten Platz aus bestem Boden, wenn möglich tiefgrundigen lehmigen Sand- oder sandigen Lehmboden, der von etwanigem stehenden Grundwasser durch Drainierung, besser durch offene Gräben, befreit sein muß. Nur kräftige Bäume mit zahlreichen Wurzeln werden in magerm wie in nahrhaftem, auch in schwerem Boden gut gedeihen; deshalb muß der Boden für die B. durch Bearbeitung (Rigolen, tiefes Graben) und Düngung möglichst verbessert werden. Auf die Düngung läßt man aber zunächst Gemüsebau folgen, damit die Baumwurzeln nicht mit frischem Dünger in Berührung kommen. Daraus folgt die Notwendigkeit der Wechselwirtschaft für die B. Die B. besteht aus der Saatschule, in der Sämlinge (Kernlinge, Wildlinge, s. d.) aus Samen, Stockholz und Stecklingen gezogen werden, der Versatzschule, wohin man die in voriger gezogenen Pflanzen versetzt, und der Edelschule, in der Obst- und feinere Parkbäume und Sträucher veredelt werden (s. Impfung). Nach jedesmaligem Abräumen einer Abteilung düngt und rigolt man dieselbe, bei jedem Rigolen 10-15 cm tiefer als das vorige Mal. Die B., welche schon bis 4 m tief rigolt wurde, ist als solche nicht mehr zu brauchen. Die Saatschule hat das Rigolen kaum, die Versatzschule nur bis 0,3-0,5 m Tiefe nötig. Wegen des häufigen Pflanzens in der B. darf hier fließendes oder stehendes Wasser nicht fehlen; auch haben sich Wassertröge, durch Röhrenleitungen mit dem Brunnen verbunden, aus dem das Wasser durch ein Windrad gefördert wird, gut bewährt.

Baumschwälbchen, s. Fliegenfänger.

Baumseide, baumwollenes oder wollenes Gewebe, hauptsächlich in Hamburg, Lüneburg, Lübeck, Westfalen gebräuchlich.

Baumsetzen, s. Baumsatz.

Baumstark, 1) Anton, Philolog, geb. 14. April 1800 zu Sinzheim in Baden, vorgebildet zu Rastatt, studierte 1820-24 in Heidelberg, ward 1826 Lehrer am Gymnasium zu Freiburg, 1836 ordentlicher Professor der klassischen Philologie und alternierender Direktor des philologischen Seminars an der dortigen Universität, stellte 1871 seine Lehrthätigkeit ein und starb 28. März 1876. Sein Hauptwerk ist: "Urdeutsche Staatsaltertümer" (Berl. 1873); daran schlossen sich: "Ausführliche Erläuterung des allgemeinen Teils der Germania des Tacitus" (Leipz. 1875), eine Ausgabe der "Germania" mit Erläuterungen (das. 1876), eine Übersetzung derselben (Freiburg 1876) und "Ausführliche Erläuterungen des besondern völkerschaftlichen Teils der Germania des Tacitus" (Leipz. 1880). Sonst nennen wir seine Ausgaben des Cäsar (Stuttg. 1828, 3 Bdchn.; mit deutschen Anmerkungen, Freiburg 1832) und Curtius (Stuttg. 1829, 3 Bdchn.) sowie seine Übersetzung des Cäsar (das. 1837; 3. Aufl., das. 1854), "Die Blüten der griechischen Dichtkunst, in deutscher Nachbildung" (Karlsr. 1840-41, 6 Bde.) und "Die Blüten der römischen Dichtkunst" (das. 1841, 4 Bde.). In das Gebiet der Pädagogik fallen die Schriften: "Zur Neugestaltung des badischen Schulwesens" (Leipz. 1862); "F. A. Wolf und die gelehrte Schule" (das. 1864) und "Quintus Horatius Feldbausch zu Karlsruhe" (Freiburg 1864). Unter dem Pseudonym Hermann vom Busche schrieb er noch: "F. K. v. Moser" (Stuttg. 1846); "Die freie religiöse Aufklärung" (Darmst. 1846, 2 Bde.) und "Populäres Staatslexikon" (Stuttg. 1847-51). Baumstarks Selbstbiographie gab sein Sohn Reinhold heraus (Freib. 1876).

2) Eduard, Volkswirt, Bruder des vorigen, geb. 28. März 1807 zu Sinzheim, habilitierte sich 1828 in Heidelberg als Privatdozent der Kameralwissen-^[folgende Seite]