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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baunach; Baunscheidtismus; Bauordnung; Bauplan; Baupolizei; Baur

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Baunach - Baur.

Baunach, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Ebern, an der Baunach, mit Amtsgericht, kath. Kirche, Schloß und (1880) 1186 Einw.

Baunscheidtismus, s. Akupunktur.

Bauordnung (Baureglement), s. Baurecht und Bebauungsplan.

Bauplan (Bauriß), geometr. Zeichnung eines Gebäudes in verjüngtem Maßstab, aus welchem die innere und äußere Gestalt desselben ersehen werden kann. Man unterscheidet den zunächst zur Vorlage und Beurteilung bestimmten B., welcher in einem kleinern Maßstab, und den zur Ausführung bestimmten B., welcher in größerm Maßstab gezeichnet wird und in letzterm Fall mit allen erforderlichen Maßen versehen sein muß. Bei dem erstern kommt es mehr auf Übersichtlichkeit und geschmackvolle Darstellung, bei dem letztern mehr auf Genauigkeit und Deutlichkeit an. Je nachdem der B. ein Grundplan oder ein Höhenplan ist, unterscheidet man den Grundriß, den Aufriß und den Durchschnittsriß, wobei der letztere entweder einen Querschnitt oder einen Längsschnitt bildet, je nachdem das Gebäude nach seiner Quer- oder Längsachse durchschnitten dargestellt wird. S. auch Bebauungsplan.

Baupolizei, s. Baurecht.

Baur, 1) Ferdinand Christian, berühmter Theolog der Neuzeit, geb. 21. Juni 1792 zu Schmiden bei Stuttgart, ward 1817 Professor am theologischen Seminar zu Blaubeuren und 1826 ordentlicher Professor der evangelischen Theologie an der Universität zu Tübingen, wo er 2. Dez. 1860 starb. Nach Herausgabe seiner "Symbolik und Mythologie, oder die Naturreligion des Altertums" (Stuttg. 1824-25, 3 Bde.) bebaute er in epochemachender Weise die Gebiete der Dogmengeschichte, der kirchlichen Symbolik und der biblischen Kritik. Zuerst auf dem Standpunkt Schleiermachers stehend, schloß er sich schon in seinen Schriften über "Das manichäische Religionssystem" (Tübing. 1831) und "Die christliche Gnosis, oder die christliche Religionsphilosophie in ihrer geschichtlichen Entwickelung" (das. 1835) der Hegelschen Schule an, welcher er dann in seiner philosophischen Behandlung der gesamten Kirchengeschichte treu geblieben ist. Den eigentlichen Glanzpunkt seiner historischen Forschungen bildete speziell das dogmengeschichtliche Feld, teils in den beiden umfassenden Monographien: "Die christliche Lehre von der Versöhnung in ihrer geschichtlichen Entwickelung von der ältesten Zeit bis auf die neueste" (Tübing. 1838), "Die christliche Lehre von der Dreieinigkeit und Menschwerdung Gottes" (das. 1841-43, 3 Bde.), teils in seinem "Lehrbuch der christlichen Dogmengeschichte" (Stuttg. 1847, 3. Aufl. 1867) und in seinen "Vorlesungen über die christliche Dogmengeschichte" (Leipz. 1865-67, 3 Bde.). Ein zweites verwandtes Gebiet, auf welchem B. wirkte, ist die Symbolik im kirchlichen Sinn; er verteidigte den Lehrbegriff der evangelischen Kirche gegen Möhlers "Symbolik" in der Schrift "Der Gegensatz des Katholizismus und Protestantismus" (Tübing. 1833, 2. Aufl. 1836). Mit Vorliebe endlich wandte er sich der Urgeschichte des Christentums zu. Wo man früher im apostolischen Zeitalter nur Frieden und Einheit gesehen hatte, da suchte er den Kampf entgegengesetzter Richtungen nachzuweisen, eines jüdisch-gesetzlichen Messiasglaubens und des von Paulus eingeführten Prinzips der gesetzesfreien Weltreligion. Aus der Auseinandersetzung, in welcher beide Richtungen anderthalb Jahrhunderte lang miteinander begriffen waren, ging dann die katholische Kirche hervor; als Denkmäler dieses kirchenbildenden Prozesses seien unsre neutestamentlichen Schriften entstanden, meist im 2. Jahrh. Vor dem Jahr 70 bleiben als echte Schriften nur bestehen die vier größern Briefe des Paulus und die Offenbarung des Johannes. Zusammengefaßt sind die auf die Apostelgeschichte und die Paulinischen Briefe sich beziehenden Untersuchungen in dem Werk "Paulus, der Apostel Jesu Christi" (Stuttg. 1845; 2. Aufl., Leipz. 1867), seine die evangelische Überlieferung betreffenden Studien dagegen in den "Kritischen Untersuchungen über die kanonischen Evangelien, ihr Verhältnis zu einander, ihren Ursprung und Charakter" (Tübing. 1847), wozu als Nachtrag kommt die Schrift "Das Markus-Evangelium nach seinem Ursprung und Charakter" (das. 1851). Die von B. und seinen Schülern, wie Zeller, Schwegler, Köstlin, Hilgenfeld (s. d.), verfolgte kritische Richtung, als deren Organ die "Theologischen Jahrbücher" von 1842 bis 1857 erschienen, bezeichnet man mit dem Namen der Tübinger Schule. Vgl. Baurs Schrift "Die Tübinger Schule und ihre Stellung zur Gegenwart" (Tübing. 1859) und Zeller, Vorträge und Abhandlungen, S. 267 ff., 354 ff. (Leipz. 1865). Dieselbe brach einer durchaus neuen Anschauung des Urchristentums Bahn, welche gewiß auf vielen Punkten anfechtbar, aber schon darum epochemachend ist, weil sie zuerst die allgemein gültigen Gesetze der Geschichtswissenschaft auf diesem Gebiet zur Anwendung gebracht hat. Die beste Gesamtdarstellung gibt B. selbst in dem Werk "Das Christentum und die christliche Kirche der drei ersten Jahrhunderte" (Tübing. 1853, 3. Aufl. 1863). Daran schließen sich: "Die christliche Kirche vom Anfang des 4. bis zum Ende des 6. Jahrhunderts" (Tübing. 1859; 2. Aufl., Leipz. 1863); "Die christliche Kirche des Mittelalters" (das. 1861, 2. Aufl. 1869); "Die Kirchengeschichte der neuern Zeit" (das. 1863); "Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts" (das. 1862, 2. Aufl. 1877). Vgl. auch Baurs Werk "Die Epochen der kirchlichen Geschichtschreibung" (Tübing. 1852).

2) Gustav, evangel. Theolog, geb. 14. Juni 1816 zu Hammelbach im Odenwald, habilitierte sich 1841 an der theologischen Fakultät zu Gießen, wo er 1847 außerordentlicher, 1849 ordentlicher Professor wurde, ging 1861 als Hauptpastor der Jakobigemeinde nach Hamburg und 1870 als ordentlicher Professor nach Leipzig. Unter seinen Schriften sind außer mehreren Predigtsammlungen zu nennen: "Grundzüge der Homiletik" (Gießen 1848); "Grundzüge der Erziehungslehre" (3. Aufl., das. 1876); die unvollendete "Geschichte der alttestamentlichen Weissagung" (das. 1861); "Boetius und Dante" (Leipz. 1874).

3) Wilhelm, Theolog, Bruder des vorigen, geb. 16. März 1826 zu Lindenfels im Odenwald, studierte in Gießen, wurde 1865 Pastor in Hamburg und Direktor der dortigen Stadtmission, 1872 Hof- und Domprediger in Berlin, 1879 Oberkonsistorialrat, 1881 Propst, 1883 Generalsuperintendent der Rheinprovinz. Er ist Mitglied des Zentralausschusses für innere Mission. Von seinen volkstümlichen Schriften sind zu erwähnen: "Geschichts- und Lebensbilder aus der Erneuerung des religiösen Lebens in den deutschen Befreiungskriegen" (4. Aufl., Hamb. 1884, 2 Bde.); "Das deutsche evangelische Pfarrhaus" (3. Aufl., Brem. 1884); "Leben des Freiherrn vom Stein" (2. Aufl., Karlsr. 1885), kleinere Lebensbeschreibungen von Stein (4. Aufl., Barm. 1880), Friedrich Perthes (2. Aufl., das. 1880) und E. M. Arndt (5. Aufl., Hamb. 1882).

4) Hans, Bildhauer, geb. 1829 zu Konstanz, lernte die Bildhauerei zunächst bei Öchslin in Schaffhausen, dem Schüler Danneckers, und studierte dann in Mün-^[folgende Seite]