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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bayern

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Bayern (Bergbau, Mineralquellen; Industrie).

kommt in B. fast allenthalben vor, namentlich in Oberbayern, Schwaben und Aschaffenburg. Biber finden sich nur noch in den Salzachauen. Auerwild kommt fast überall längs des Alpengebirges vor, weniger zahlreich im Bayrischen Walde, dagegen ziemlich verbreitet in der Oberpfalz (bei Tirschenreuth, Weiden), im Nürnberger Reichswald, Fichtelgebirge, in einigen Spessart- und Rhönrevieren, endlich bei Johannesberg im Pfälzer Wald. Haselhühner trifft man in allen Vorbergen der Alpen und des Algäus, im Bayrischen Wald, Fichtelgebirge und Spessart. Schneehühner zeigen sich im Algäu und in den Bergen um Hohenschwangau. Das Steinhuhn ist in B. selten, Rebhühner finden sich in Oberbayern, insbesondere in der Nähe von München und Schleißheim, in Niederbayern, in der Oberpfalz, in Franken sowie in der Rheinpfalz. Fasanen kommen vor in den Isar-, Inn- und Rheinauen. Bären gibt es in B. nicht mehr. Die Wölfe treten nur in manchen Jahren ganz vereinzelt auf. Der Luchs ist in B. verschwunden; die Wildkatze kommt vereinzelt vor, ebenso der Uhu. Adler horsten nur im Hochgebirge.

Bergbau. Auch die mineralische Produktion ist ansehnlich. Am wichtigsten sind Kohlen, Eisen und Salz. Man zählte 1882 zur Aufschließung und Gewinnung von Mineralkohlen und Bitumen 29 betriebene Werke, in welchen 3002 Arbeiter 509,117 Ton. im Wert von 4,287,546 Mk. zu Tage förderten. Steinkohle findet sich hauptsächlich in Oberbayern (Miesbach, Hausham, Penzberg, Au bei Aibling, Peißenberg), in der Pfalz (St. Ingbert, Mittelbexbach und im Bezirksamt Kusel) und in Oberfranken (Kronach); Braunkohle in Oberbayern (Großweil), Niederbayern (Kelheim), in der Oberpfalz (Burglengenfeld, Stadtamhof), in Unterfranken (Bischofsheim) und in der Pfalz (Dürkheim). Für Gewinnung von Graphit bestehen in Niederbayern (Bezirksamt Passau) 44 Gruben, die 1882: 2123 T. im Wert von 210,280 Mk. gewannen. Erze (Eisen-, Zink- und Blei-, Kupfer-, Antimon-, Manganerze, Schwefelkies) wurden 1882 in 31 Werken durch 727 Arbeiter 77,183 T. im Wert von 575,790 Mk. gewonnen; Eisenerze am meisten in Oberfranken (Arzberg, Wolfsdorf, Grundfeld und Burkheim), in der Oberpfalz (Amberg, Etzmannsberg, Rosenberg, Krottensee), in Oberbayern (Achthal) und in Schwaben (im Bezirksamt Dillingen). Eine große Zahl von Eisenerzgruben steht übrigens zur Zeit außer Betrieb. Bleierze werden in Mittenwald (Oberbayern), in Freihung (Oberpfalz) und in Wolfersgrün (Oberfranken), Kupfererze in den Ämtern Naila (Oberfranken) und Alzenau (Unterfranken), Schwefelkies in Niederbayern bei Bodenmais zu Tage gefördert. Außerdem gewinnt man Ocker und Farberde 5655 T. (in 45 Werken im Bezirk Eschenbach in der Oberpfalz, bei Battenberg und Neuleiningen in der Pfalz), Porzellanerde (hauptsächlich im Bezirk Tirschenreuth in der Oberpfalz und bei Wunsiedel in Oberfranken), Thonerde 66,923 T. in 105 Werken (bei Stulln, Schwarzenfeld, Ehenfeld in der Oberpfalz, bei Landau und Edenkoben in der Rheinpfalz), Speckstein (bei Töpfersgrün in Oberfranken), Dach- und Tafelschiefer 1428 T. (in Oberfranken in den Bezirksämtern Hof, Naila und Kronach), Schwerspat (in Unterfranken) und Schmirgel (bei Albertsried und Wildenreuth in der Oberpfalz). Auch etwas Gold wird aus der Isar und dem Inn gewaschen (1882: 0,2 kg im Wert von 525 Mk.). Hervorragend ist die Gewinnung von Kalksteinen (100,000 T.); von Basalt in Oberpfalz, Unterfranken und Pfalz (74,000 T.); von Granit (120,000 T.) vorzugsweise in Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken und Pfalz; von Melaphyr in der Pfalz (100,000 T.). Wetzsteine werden in Oberbayern 130 T., Lithographiesteine bei Solnhofen (Mittelfranken) 8000 T. im Wert von 1,130,000 Mk. gewonnen. Für Salz ist der Hauptbezirk im SO., wo sich das Steinsalzwerk Berchtesgaden und die großen Salinen Berchtesgaden, Reichenhall, Traunstein und Rosenheim befinden. Diese vier Salinen nebst denen von Dürkheim und Kissingen produzierten 1882 mit 304 Arbeitern 44,226,7 T. Kochsalz im Wert von 1,965,056 Mk.; der Ertrag des Staatsbergwerks Berchtesgaden an Steinsalz belief sich auf 922 T. im Wert von 23,360 Mk. und 127,000 cbm gesättigte Sole, welche in den vier Salinen versotten wird. Der Bergbau Bayerns wird zum kleinern Teil vom Staat, zum größern von Privatgewerken betrieben. Die Regalität desselben ist durch das Berggesetz vom 20. März 1869 aufgehoben und der Bergbau auf den Standpunkt des konzessionierten Gewerbes gestellt, dessen Regeln der Staat nicht weniger als der Privatmann unterworfen ist. Es bestehen als erste Instanzen die drei Bergämter München, Baireuth und Zweibrücken, als zweite und letzte Instanz das Oberbergamt in München. Die Bergämter Amberg, St. Ingbert und das Berg- und Hüttenamt Bodenwöhr (in der Oberpfalz) sind ausschließlich für den Betrieb und die Verwaltung der dortigen Staatswerke bestimmt. Die General-Bergwerks- und Salinenadministration leitet und verwaltet nur die ihr unterstellten Staatswerke.

Unter den zahlreichen Mineralquellen Bayerns, die meist in den Gebirgsgegenden Ober- und Unterfrankens und Oberbayerns liegen, nimmt Kissingen in Unterfranken mit seinen berühmten kohlensäurereichen Kochsalzquellen den ersten Rang ein. Kochsalzquellen befinden sich außerdem in Berchtesgaden, Reichenhall und Rosenheim (Oberbayern), Dürkheim (Pfalz); Schwefelquellen in Kreuth und Kainzenbad bei Partenkirchen (Oberbayern), Abbach und Höhenstadt (Niederbayern), Faulenbach bei Füssen, Tiefenbach und Au bei Sonthofen (Schwaben), Neumarkt in der Oberpfalz (Stahl- und Schwefelquellen), Langenkandel und Freinsheim (Pfalz); Jodquellen in Heilbrunn bei Benediktbeuern und in Tölz (Oberbayern), bei Sulzberg (Schwaben); Eisensäuerlinge in Alexanderbad bei Wunsiedel und Steben (Oberfranken), bei Kondrau und Wiesau (Oberpfalz), zu Kellberg bei Passau (Niederbayern), zu Bocklet und Brückenau (Unterfranken). Berneck (Oberfranken) ist hauptsächlich Molkenkuranstalt.

Industrie.

B. hatte sich als Glied des Zollvereins, seit 1833, schon in seiner Gewerbegesetzgebung von 1825 und 1862 insbesondere die Aufgabe gestellt, dem kleinen Gewerbe durch Beseitigung des Zunftzwanges die lang entbehrte Entwickelung zu verleihen, bis mit 1. Mai 1868 die volle Gewerbefreiheit eingeführt wurde. Seitdem ist die Industrie Bayerns in einer steten Entwickelung begriffen. Als industrielle Plätze ragen unter den größern Städten hervor: Nürnberg, Fürth, München, Augsburg, Würzburg, Schweinfurt, Zweibrücken, Speier, Kaiserslautern, Ludwigshafen, Baireuth, Hof etc. Ziemlich bedeutend ist die Produktion von Eisen und die Fabrikation von Eisen- und Stahlwaren. Für die Produktion von Roheisen waren 1882: 5 Hochöfen in Betrieb, welche mit 490 Arbeitern 41,110 Ton. Roheisen in Masseln und Gänzen im Wert von 2,086,624 Mk. erzeugten, darunter 3 Werke, welche 1015 T. Eisenguß erster Schmelzung lieferten. Die Hauptwerke für Verarbeitung