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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bayern

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Bayern (Geschichte: 1778-1808).

seiner unehelichen Kinder in den Reichsfürstenstand erhalten hatte, welche Standeserhöhung unter dem Titel Fürsten von Bretzenheim wirklich erfolgte, willigte 3. Jan. 1778 in alle Ansprüche Österreichs. Der Herzog Karl von Zweibrücken, der als nächster Agnat eine solche Zerstückelung nicht zugeben konnte, wandte sich jedoch an den König Friedrich II. von Preußen, der, argwöhnisch gegen Österreichs Vergrößerungspläne Rußland bewog, sich den Ansprüchen des Kaisers zu widersetzen, und das Interesse aller deutschen Fürsten an dieser Angelegenheit zu erwecken wußte. Da Kaiser Joseph nicht nachgeben wollte, so kam es 1778 zum Bayrischen Erbfolgekrieg (s. d.), auch Kartoffelkrieg genannt, der aber, noch ehe eine Schlacht geliefert war, auf Maria Theresias Betrieb 7. März durch einen Waffenstillstand und 13. Mai 1779 durch den Frieden zu Teschen beendigt ward. B. blieb ein Ganzes, die eventuelle Erbfolge wurde Zweibrücken zugesichert, doch mußte es das Innviertel an Österreich abtreten und für die Allodialherrschaft an Sachsen 6 Mill. Thlr. zahlen. Bald darauf verfiel Kaiser Joseph auf einen andern Plan; 1785 schlug er Karl Theodor vor, B. gegen die österreichischen Niederlande zu vertauschen und den Titel König von Burgund anzunehmen; die Verhandlungen zerschlugen sich aber, als die Agnaten, besonders der Herzog Karl von Zweibrücken, den Plan verwerfend, sich an den König von Preußen wandten, der zum Schutz der deutschen Reichsstände gegen die Vergrößerungsgelüste Österreichs 1785 den Fürstenbund gründete. Im Innern war Karl Theodors Regierung für B. ebenfalls nicht segensreich. Zwar wurde der Jesuitenorden aufgehoben, aber sein System nicht beseitigt. Jede freiere Regung des geistigen Lebens wurde unterdrückt, der Illuminatenorden verfolgt, die Presse in engsten Schranken gehalten. Als die französische Revolution ausbrach, war B. ein gänzlich verrottetes Staatswesen: der Staat erschöpft und ohne Kredit, das Heerwesen verfallen, das Beamtentum korrumpiert und willkürlich, die Geistlichkeit unwissend, das bürgerliche Gewerbe durch Zunftschranken gelähmt, das Volk verarmt u. in rohem Aberglauben befangen.

Bayern im Revolutionszeitalter 1798-1815.

In den französischen Revolutionskriegen wurde die Pfalz hart mitgenommen, und 1796 wurde auch B. der Schauplatz des Kriegs. Während Jourdan in der Oberpfalz sich mit dem Erzherzog Karl von Österreich schlug, drang eine andre französische Armee unter Moreau, nachdem sie Augsburg besetzt hatte, über den Lech über Landsberg bis München vor und besetzte Ingolstadt. Karl Theodor floh nach Sachsen, seine Minister aber schlossen mit Moreau einen Waffenstillstand für B. und seine diesseit des Rheins gelegenen Länder. Dadurch und durch das siegreiche Vordringen der Österreicher wurde B. zeitweilig wieder frei. Karl Theodor starb 16. Febr. 1799, und da auch der Herzog Karl von Zweibrücken kinderlos gestorben war, so wurde dessen Bruder, der Herzog Maximilian IV. (I.) Joseph von Pfalz-Zweibrücken, Kurfürst von Pfalzbayern. Im Juni 1800 überschwemmten die französischen Armeen die eine Hälfte von B., während in der andern die Österreicher standen. Durch den Lüneviller Frieden 1801 wurde der Krieg beendet. B. verlor dadurch zwar die ganze Rheinpfalz, die Herzogtümer Zweibrücken und Jülich (12,400 qkm mit 690,000 Einw.), erhielt aber 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß in den Bistümern Würzburg, Bamberg, Augsburg, Freising, einem Teil von Passau und Eichstätt, in 12 Abteien und 15 Reichsstädten eine reiche Entschädigung (18,000 qkm mit 900,000 Einw.) für seinen Verlust. Nun begann ein gänzlicher Umschwung in der Politik. Der Freiherr v. Montgelas, den der Kurfürst an die Spitze des Ministeriums stellte, wirkte im Sinn der Aufklärung. Die Aufhebung der Klöster begann, allgemeine Religionsduldung wurde proklamiert, der Zustand der Schulen verbessert, die Universität Würzburg neu organisiert und die von Ingolstadt nach Landshut verlegt; jene zu Dillingen, Bamberg und Altdorf wurden aufgehoben. Auch wurde ein protestantisches Generalkonsistorium in Würzburg niedergesetzt, der Staatshaushalt neu gestaltet, das Finanzwesen geordnet und die Bodenkultur verbessert. Manufakturen und Fabriken blühten empor, und durch eine zweckmäßigere Einrichtung der Justiz und gut geordnete Landespolizei wurde für die Sicherheit des Eigentums gesorgt. Das Heerwesen wurde von Grund aus reformiert und durch Aufstellung einer ansehnlichen, gut ausgerüsteten und geübten, von tüchtigen geschulten Offizieren befehligten Truppenmacht B. zur Ergreifung einer selbständigen Politik in den Stand gesetzt.

Bei seiner geographischen Lage hatte B. nun zwischen einem Anschluß an Österreich und Frankreich zu wählen. Das Bündnis mit letzterm hatte zwar schon zweimal, im spanischen und im österreichischen Erbfolgekrieg, B. ins Verderben gestürzt und beinahe seinen Untergang herbeigeführt. Dennoch schien es damals das vorteilhaftere, weil Österreich militärisch schwächer als Frankreich war und nicht bloß 1742 und 1778, sondern noch in den letzten Jahren ganz offen seine auf Bayerns Annexion gerichteten Absichten kundgegeben hatte. In dem französisch-österreichischen Krieg von 1805 trat daher der Kurfürst, durch Österreichs drohende Haltung veranlaßt, auf die Seite Napoleons I. Infolge des Siegs der Franzosen und des Preßburger Friedens verzichtete B. zwar auf den Besitz von Würzburg, erhielt aber dafür ganz Tirol, Vorarlberg, die Markgrafschaft Burgau, die übrigen Teile von Passau und Eichstätt und einige Bezirke des südöstlichen Schwaben mit Augsburg, d. h. für 5500 qkm mit 200,000 Einw. 32,000 qkm mit 1,028,000 Einw. Dazu belohnte Napoleon seinen neuen Verbündeten mit der Königswürde. Am 1. Jan. 1806 nahm der Kurfürst den Titel König von B. mit voller Souveränität an und trat aus dem deutschen Reichsverband zum Rheinbund über (12. Juli 1806), mußte aber die Verpflichtung eingehen, Napoleon in allen seinen Kriegen mit 30,000 Mann zu unterstützen.

B. hatte nach dem Frieden von Preßburg einen Flächenraum von beinahe 90,000 qkm mit ungefähr 3 Mill. Einw. Nach einem weitern Vertrag mit Frankreich erhielt König Maximilian Joseph gegen Abtretung des Herzogtums Berg (3000 qkm mit 260,000 Einw.) die Markgrafschaft Ansbach (3750 qkm mit 245,000 Einw.), welche Preußen an Frankreich gegen Hannover überlassen hatte, und bald darauf die Reichsstadt Nürnberg mit ihrem Gebiet und die Souveränität über verschiedene Graf- und Herrschaften, so daß es sich auf 91,000 qkm mit 3,231,000 Einw. vergrößerte. Über die Rechte der mediatisierten Fürsten, Grafen und Herren erließ der König 19. März 1807 eine Deklaration, welche 1815 in der deutschen Bundesakte als Basis und Norm angenommen wurde. Am 1. Mai 1808 erhielt das neue Königreich eine Verfassung, welche die so heterogenen Bestandteile desselben zu einem einheitlich organisierten Staat verschmelzen sollte. Alle Sonderrechte, Privilegien, landschaftlichen und ständischen Kor-^[folgende Seite]