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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beati possidentes; Beatillen; Beatitūdo; Beaton; Beātrix; Béatrizet; Beatson; Beattie; Beātus; Beau

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Beatillen - Beau.

Verehrung. Die Unkosten und Zeremonien dabei sind geringer als die der Heiligsprechung. S. Heilige und Advocatus diaboli.

Beatillen (franz., spr. -tiljen), kleine Leckerbissen in Pasteten, Torten etc.

Beati possidentes, "glücklich die Besitzenden", lat. Sprichwort, soll den Vorteil des wirklichen Besitzes einer Sache vor dem bloßen Streben danach oder vor dem bloßen Rechte darauf bezeichnen.

Beatitūdo, als Anrede Beatitudo Vestra (lat., Seligkeit, Tugendhaftigkeit, Ew. Seligkeit etc.), sonst Ehrentitel der Bischöfe und auch weltlicher Personen, jetzt nur dem Papst zukommend.

Beaton (spr. bihten), David, Kardinal und Primas von Schottland, Hauptgegner der Reformation in Schottland, geb. 1494, studierte zu St. Andrews und Paris, ward Geistlicher, 1519 Gesandter der schottischen Regentschaft, 1525 Geheimsiegelbewahrer Jakobs V. von Schottland, unterhandelte seit 1533 wegen dessen Vermählung mit Magdalene von Frankreich und nach deren Tod 1537 mit Marie von Guise, wofür ihm Franz I. von Frankreich das Bistum Mirepoix in Languedoc gab und 1538 den Kardinalshut verschaffte. Seit 1539 Erzbischof von St. Andrews in Schottland und Primas des Reichs, bemächtigte sich B. ganz des schwachen Königs Jakob, entzweite denselben mit seinem Adel und trieb ihn zur Verfolgung der Protestanten. Nach Jakobs Tod (1542) beanspruchte er auf Grund eines angeblichen Testaments des Königs die Regentschaft; allein das Parlament sprach dieselbe dem Grafen von Arran zu und ließ B. 1543 verhaften. Doch dieser entkam bald, söhnte sich mit Arran aus und war nun der vornehmste Gegner der Verbindung Schottlands mit England und der Pläne Heinrichs VIII., Maria Stuarts Hand für seinen Sohn zu gewinnen. Seine Strenge gegen die Protestanten, deren eifrigen Prediger George Wishart er 28. März 1546 hinrichten ließ, führte seinen Tod herbei. Von verschwornen Edelleuten in seinem Schloß 29. Mai 1546 überfallen und ermordet, wurde er im Kardinalsanzug an dasselbe Fenster gehängt, aus welchem er zwei Monate zuvor der Verbrennung Wisharts zugesehen hatte.

Beātrix, weibl. Vorname, s. v. w. die Heilbringende. Außer mehreren Heiligen ist zu bemerken: B., natürliche Tochter König Ferdinands von Neapel und Aragonien, zweite Gemahlin des Königs Matthias Corvinus von Ungarn seit 1476. Schön, geistreich und prachtliebend, zog sie viele italienische Künstler nach Ungarn, unterstützte Gelehrte und förderte die höhere Kultur des Landes. Mit ihrem Bruder, dem zum Administrator von Gran ernannten Kardinal von Aragonien (Hippolyt von Este, 1487 bis 1497 Erzbischof von Gran, 1497-1520 von Erlau), beeinflußte sie die Regierung auf schädliche Weise. Selbst kinderlos, hinderte sie die von Matthias beabsichtigte Ernennung seines natürlichen Sohns Johann zum Thronfolger und bewirkte nach des Königs Tode die Wahl des Jagellonen Wladislaw. Indessen ihre Hoffnung, von diesem als Gemahlin und Mitregentin angenommen zu werden, wurde getäuscht, worauf sie Ungarn verließ, zuerst drei Jahre in Wien, dann zurückgezogen in Italien lebte und 1508 zu Ischia starb.

Béatrizet (spr. -sä), Nicolas, franz. Kupferstecher, geboren um 1515 in Lothringen, scheint bei Agostino Veneziano gelernt zu haben, mit dessen Manier seine ersten Arbeiten Verwandtschaft zeigen, bediente sich aber dann in G. Ghisis Manier der Punkte. Er arbeitete seit 1540 in Rom, zuletzt von Michelangelo beeinflußt, und starb um 1570 daselbst. Von seinen zahlreichen Blättern nennen wir: Joseph seinen Brüdern die Träume auslegend, Hauptwerk, nach Raffael; die Verkündigung, Christus und die Samariterin, die Bekehrung des Paulus, das Jüngste Gericht, sämtlich nach Michelangelo; der Kampf der Vernunft mit der Begierde, nach Bandinelli, 1545; die zwölf Stiche in Juan de Valverdas "Historia de la composition del cuerpo humano" (Rom 1556).

Beatson (spr. bihtsen), Alexander, Landwirt und Adjutant Wellingtons im Kriege gegen Tippu Sahib, lebte später auf seinem Gut Knowle Farm in Sussex und erregte durch Aufstellung eines neuen Ackerbausystems ohne Pflug, Brache und Dünger großes Aufsehen. Er benutzte einen rationellen Fruchtwechsel, brannte den Boden und bearbeitete ihn mit dem Skarifikator. Seine glänzenden Erfolge beruhen demnach auf physikalischer Verbesserung des Bodens, werden aber auf Kosten der Erhaltung der Fruchtbarkeit erzielt. Seine Schrift "A new system of cultivation" (Lond. 1820) erschien deutsch in 3. Auflage unter dem Titel: "Neues Ackerbausystem ohne Dünger, Pflug und Brache" (Weim. 1841). B. starb als Gouverneur auf St. Helena, wo er für die Verbesserung der Landwirtschaft eifrig thätig gewesen war.

Beattie (spr. bihti), James, schott. Philosoph und Dichter, geb. 20. oder 25. Okt. 1735 zu Lawrencekirk in der Grafschaft Kincardine, studierte zuerst Theologie, wandte sich dann der Philosophie und Poesie zu und wurde 1760 Professor der Moralphilosophie in Aberdeen, wo er 18. Aug. 1803 starb. Außer seinen dichterischen Arbeiten, zu welchen "Original poems" (Lond. 1760), "Essay on poetry and music" (das. 1762, 3. Ausg. 1779), "On laughter and ludicrous composition" (das. 1764), das in Spensers Geist und Manier verfaßte Gedicht "The minstrel, or the progress of genius" (das. 1771-74) und das didaktische Gedicht "The judgment of Paris" (das. 1775) gehören, hat er sich als Philosoph durch seine Bekämpfung des Humeschen Skeptizismus und Begründung der natürlichen Moral auf das von ihm so genannte "sittliche Gefühl" in den Schriften: "Essay on the nature and immutability of truth etc." (Edinb. 1770 u. öfter; deutsch von Gerstenberg, Kopenh. 1772; sein Hauptwerk), "Dissertations moral and critical" (Lond. 1783), "Evidences of christian religion" (das. 1786, 2 Bde.; die verbreitetste unter seinen Prosaschriften), "Theory of the language" (2. Aufl., das. 1788), "Elements of moral science" (das. 1790, 2. Ausg. 1807; deutsch von Moritz, Berl. 1790) Verdienste erworben. Die poetischen Werke erschienen zuletzt London 1871. Vgl. Forbes, Account of the life and writings of James B. (2. Aufl., Edinb. 1812, 3 Bde.); Mallet, Sur la vie et les écrits de J. B. (Comptes rendus der Pariser Akademie, 1862).

Beātus (lat.), glückselig. B. ille qui procul negotiis etc., "glückselig, wer von Geschäften fern etc.", Ausspruch des Horaz (Epod. 2, 1).

Beātus (Beat, Batt), Heiliger, ein Engländer, hieß vor seiner Taufe Suetonius, wurde nach der Legende vom Apostel Barnabas bekehrt, pilgerte nach Rom und predigte das Evangelium in Helvetien, nach andern in der Gegend von Vendôme. Bei Unterseen wurde in dem sogen. Battenloch, wo er lange als Einsiedler gelebt haben soll, später sein Kopf gezeigt und von Wallfahrern verehrt, bis 1528 die Berner Regierung denselben wegnehmen, die Höhle aber zumauern ließ. Tag: der 9. Mai.

Beau (franz., spr. boh), schön; als Substantiv s. v. w. Stutzer, Geck.