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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beaumarchais

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Beaumarchais.

Bertrand du Guesclins, schloß sich in dem Erbstreit um die Bretagne zwischen Karl von Blois und Johann von Montfort ersterm an und machte sich besonders berühmt durch seine Verteidigung der Stadt Josselin (1351) und den Kampf der Dreißig, welchen er selbst mit 29 Franzosen gegen 30 Engländer bei dieser Gelegenheit bestand. In der Schlacht von Auray 1364 wurde er gefangen genommen und nach dem Frieden von Guérande Marschall der Bretagne.

Beaumarchais (spr. bomarschä), Pierre Augustin Caron de, franz. Schriftsteller, geb. 24. Jan. 1732 zu Paris, war der Sohn eines Uhrmachers, dessen Kunst er nicht ohne Talent bis zu seinem 21. Jahr ausübte. Durch sein anziehendes Äußere und gewandtes Benehmen, seinen Humor und Sinn für Poesie und Musik (er spielte vorzüglich Harfe) gewann er die Gunst der Frauen; durch seine Heirat mit der Witwe eines niedern Hofbeamten wurde er bei Hof bekannt und den Töchtern Ludwigs XV. als Lehrer des Harfenspiels empfohlen, eine Stellung, in der er sich bis 1760 zu halten wußte. Durch geschickte Benutzung seines Einflusses erwies er dem Bankier Paris-Duverney einen Dienst, den dieser so hoch schätzte, daß er B. in die Finanzgeschäfte einweihte und ihm eine große Summe vorstreckte, mit welcher B. sich den Adelstitel und einflußreiche Hofämter kaufte und ein beträchtliches Vermögen erwarb. 1764 reiste er nach Spanien, um die Ehre seiner Schwester zu schützen, der ein höherer spanischer Beamter, Clavigo, die Ehe versprochen hatte; es gelang ihm, die Entsetzung und Verbannung des Wortbrüchigen zu erwirken. Hierüber schrieb er sein erstes Stück: "Eugénie" (1767), ein bürgerliches Rührstück in Diderots Manier, welches (sowie die Erzählung der spanischen Reise im 4. Memoire) Goethe für seinen "Clavigo" benutzte; dann 1770: "Les deux amis, ou le négociant de Lyon", erfolglos wie das erste. In demselben Jahr starb sein Gönner Duverney und hinterließ die Notiz, daß er an B. 15,000 Livres schulde. Diese Summe wollte der Erbe, der Graf de la Blache, nicht bezahlen; es kam zu einem Prozeß, den B. in erster Instanz gewann. Nun wurde an das Parlament appelliert. Inzwischen mußte B. wegen eines Streits mit dem Herzog von Chaulnes ins Gefängnis wandern. Das benutzten seine Gegner; durch Verleumdungen, falsche Briefe etc. wurde das Parlament so gegen B. eingenommen, daß er verurteilt wurde. In dieser verzweifelten Lage bewährten sich seine Energie und sein erfindungsreicher Geist aufs glänzendste. Er hatte, um beim Berichterstatter seines Prozesses, dem Rat Goezman, Zutritt zu erhalten, der Frau desselben 100 Louisdor, eine Uhr mit Brillanten und 15 Louisdor für den Schreiber überreicht. Als der Prozeß verloren war, gab die Dame alles zurück, nur nicht die 15 Louisdor. Darüber Lärm und Klage von B.' Seite und von Goëzman hochmütige Antwort und neue Insinuationen. Nun veröffentlichte B. seine "Mémoires du sieur B. par lui-même", 4 Abhandlungen (1774-78; neue Ausg. von Sainte-Beuve, 1873), in denen er mit glänzender Beredsamkeit, feinem Humor und köstlicher Ironie die Schäden der damaligen Rechtspflege aufdeckt und sich zum Rächer der gedrückten Menschheit und zum Vorkämpfer des rechtlosen dritten Standes aufwirft. Damit hatte sich B. die öffentliche Meinung wiedererobert; er war der gefeiertste Mann in Paris, die ganze Aristokratie, der Prinz von Conti, ja die Dauphine Marie Antoinette trugen offen ihre Bewunderung für ihn zur Schau. Seine Feinde mochten ihn immerhin verleumden, das Parlament ihn wiederum verurteilen; vor dem Publikum hatte er seine Sache gewonnen. Eine der ersten Regierungshandlungen Ludwigs XVI. war, das verhaßte Parlament Maupeou aufzulösen und das Urteil gegen B. kassieren zu lassen. Seine Popularität wuchs aber ins Ungeheure durch die Aufführung seiner beiden Lustspiele: "Le barbier de Séville, ou la précaution inutile" und dessen Fortsetzung "La folle journée, ou le mariage de Figaro", zu denen noch das spätere, aber weit schwächere Stück: "La mère coupable", gehört. Im J. 1772 am Théâtre français angenommen, während des Prozesses zurückgestellt, wurde der "Barbier" erst im Februar 1775 aufgeführt, zuerst wegen seiner Länge (5 Akte) ohne den erwarteten Erfolg, dann, als B. ihm das "fünfte Rad" genommen, mit ungeheurem Beifall. Bei diesem Stück gelang es ihm, seine Autorrechte gegenüber den maßlosen Ansprüchen der Schauspieler zu behaupten und so die Anerkennung des geistigen Eigentums zu erwirken. Mehr Geschicklichkeit, als "Le mariage de Figaro" zu schreiben, gehörte fast dazu, es zur Aufführung zu bringen. Den König und alle einflußreichen Hofämter hatte er gegen sich; sieben Jahre lang waren alle Anstrengungen vergeblich trotz der Unterstützung der Königin und des Grafen von Artois. Endlich gelang es, die Zustimmung des Königs zu einer Privatvorstellung auf dem Gute des Grafen von Vaudreuil zu erhalten und bald darauf zu der in Paris 27. April 1784. Ungeheuer war der Andrang; die ganze Blüte des ancien régime beklatschte ein Stück, das dasselbe lächerlich machte und vernichtete. Hundertmal hintereinander wurde es gegeben, immer mit großem Beifall, wenn auch nicht verschwiegen werden darf, daß B. Reklame und Claque auf das geschickteste zu verwerten wußte. In diesen von Geist, Witz und Lebendigkeit übersprudelnden Stücken steht der erfindungsreiche Figaro, der weder Eltern noch Vermögen hat, der Klasse von Leuten gegenüber, die sich "bloß die Mühe geben, geboren zu werden, weiter nichts". Und das ist die bitterste Satire, daß alle diese Almaviva und Basile nicht merkten, daß hinter Figaro nicht bloß B., sondern das Volk selber stand, und daß sie mit ihrem thörichten Beifallklatschen das Signal gaben zu ihrem eignen Untergang. "Figaro", urteilte Napoleon, war die Revolution schon in Aktion. Mit diesem welthistorischen Stück hatte B. den Gipfel seines Ruhms erreicht; er sollte nun erfahren, wie wandelbar das Glück und die Gunst des Volkes sind. Eine zu scharfe Replik auf einen anoymen ^[richtig: anonymen] Artikel hohen Ursprungs trug ihm Gefängnisstrafe ein; die Herausgabe von Voltaires Werken mißglückte fast ganz; am meisten aber schadete ihm die Gegnerschaft Mirabeaus, den er durch eine unbedachte Äußerung gereizt hatte, denn dieser erwiderte mit so beißender Ironie, geißelte B.' Hauptschwäche, die Geldgier, so schonungslos, daß B. nicht zu antworten wagte; er hatte seinen Meister gefunden. Aber auch sein Talent ging auf die Neige. Seine Memoiren gegen Kornmann (1787), der seine eigne Frau unwürdig behandelt hatte, waren schwächer als die gegen Goëzman; vor dem Parlament gewann er den Prozeß, vor dem Publikum verlor er ihn. Man erzählte aus seinem häuslichen Leben tausend wahre oder falsche Details, die nur darauf ausgingen, Skandal und Spott zu erregen. Damals dichtete er seine Oper "Tarare", ein tolles Stück mit revolutionären Anspielungen, eine Art Vorspiel zur Erklärung der Menschenrechte. Beim Ausbruch der Revolution, die er zum guten Teil vorbereitet hatte, erschrak er über die Zügellosigkeit der Geister. Er hatte sich fortwährend gegen hämische Anklagen beim