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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Becke; Beckedorff; Becken

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Becke - Becken.

"Christliche Liebeslehre" (1872). Aus seinem Nachlaß erschienen: "Erklärung der zwei Briefe Pauli an Timotheus" (Gütersl. 1879); "Pastorallehren nach Matthäus und der Apostelgeschichte" (das. 1880); "Vorlesungen über christliche Ethik" (das. 1882-83, 3 Bde.); "Erklärung der Offenbarung Johannes 1-12" (das. 1883) und "Erklärung des Briefs an die Römer" (das. 1884).

5) Karl, Dichter, geb. 1. Mai 1817 in dem ungar. Marktflecken Baja, Sohn einer jüdischen Mutter, aber dem evangelischen Kirchenverband einverleibt, besuchte das Gymnasium seines Heimatsortes und studierte später in Wien Medizin, gab aber dieses Studium auf, um sich dem Geschäftsberuf seines Vaters, dem Kaufmannsstand, zu widmen. Nachdem er ein halbes Jahr auf einem Kontor zugebracht, ging er plötzlich nach Leipzig und ließ sich daselbst bei der philosophischen Fakultät inskribieren. Durch G. Kühne, damaligen Redakteur der "Zeitung für die elegante Welt", zuerst in die litterarische Welt eingeführt, veröffentlichte er die Gedichtsammlung "Nächte, gepanzerte Lieder" (Leipz. 1838), die großen Beifall fand. Von seinem folgenden Gedicht: "Der fahrende Poet" (Leipz. 1838), in vier Gesängen (Ungarn, Wien, Weimar, die Wartburg), enthält die schönsten Partien der erste Gesang, wie denn überhaupt Becks Schilderungen der ungarischen Natur und ungarischen Sitten zu seinen vorzüglichsten Leistungen gehören. Hierauf erschienen: "Stille Lieder" (Leipz. 1839) und das 1840 zwar in Pest zur Aufführung gekommene, aber trotz aller Pracht der Diktion dramatisch wirkungslose Trauerspiel "Saul" (das. 1841) sowie ein Roman in Versen: "Jankó der ungarische Roßhirt" (das. 1842, 3. Aufl. 1870), worin er sich wieder auf dem Terrain bewegte, das er ganz beherrschte. Bei der Herausgabe seiner "Gesammelten Gedichte" (Berl. 1844, 3. Aufl. 1870) kam B. mit der preußischen Zensur in Kollision, indem das Buch mit Beschlag belegt, aber durch das Oberzensurgericht mit Ausschluß zweier Gedichte wieder freigegeben wurde. Noch erschienen von ihm: "Lieder vom armen Mann" (Berl. 1847); "Monatsrosen" (das. 1848), eine Nachblüte der "Stillen Lieder"; "Gepanzerte Lieder" (das. 1848); "An Franz Joseph" (Wien 1849); "Aus der Heimat" (2. Aufl., Dresd. 1852); "Mater dolorosa", ein Roman (Berl. 1854); "Jadwiga", eine verifizierte Erzählung (Leipz. 1863), und "Still und bewegt", eine zweite Sammlung von Gedichten (Berl. 1870). B. hatte sich nach dem Ausbruch der ungarischen Revolution 1848 von Berlin nach Wien begeben und sich hier 1850 verehelicht, aber schon nach wenigen Monaten sein Weib durch den Tod verloren. Später (seit 1855) redigierte er eine belletristische Zeitschrift in Pest; in den letzten Jahren lebte er wieder zu Wien. Er starb 10. April 1879 in Währing bei Wien. Becks Dichtungen spiegeln die leidenschaftliche Erregbarkeit und eigentümliche Natur des ungarischen Volks und Landes ab und zeichnen sich durch Melodie der Sprache, Reinheit im Ausdruck und Bilderreichtum aus, welch letzterer allerdings hier und da in Überladung ausartet. Von Mitleid für die Armen und Unterdrückten erfüllt, ist er ein Sänger des Proletariats sowie des Judentums; doch gelingt es ihm nicht immer, die Tendenz poetisch zu verklären.

6) Johann Nepomuk, Opernsänger (Bariton), geb. 5. Mai 1828 zu Pest, debütierte dort um 1846 als Richard in den "Puritanern" und erhielt dann eine Anstellung am Operntheater in Wien. Da er jedoch hier einen seinem Talent entsprechenden Wirkungskreis nicht sofort finden konnte, begann er ein Gastspiel in verschiedenen Städten Deutschlands und wurde endlich 1851 in Frankfurt a. M. engagiert. Doch kehrte er schon nach zwei Jahren an das Wiener Hofoperntheater zurück, und hier hat er mit ungebrochener Kraft und glänzendem Erfolg als Sänger sowohl wie auch als Schauspieler bis zur Gegenwart gewirkt. - Sein Sohn Joseph, ebenfalls Baritonist; geb. 11. Juli 1850 zu Mainz, begann seine Künstlerlaufbahn in Olmütz, kam von da nach Preßburg, Salzburg, Graz, Prag, 1876 an das Berliner Hoftheater und gehört seit 1878 dem Stadttheater in Frankfurt a. M. an.

Becke, Franz Karl, Freiherr von, österreich. Staatsmann, geb. 31. Okt. 1818 zu Kollinetz in Böhmen, studierte zu Prag die Rechte und widmete sich 1840 dem Staatsdienst. Seit 1846 war er bei den Konsulaten von Galatz und Konstantinopel als Kanzler thätig, wurde 1850 in gleicher Eigenschaft bei dem Generalkonsulat in Ägypten verwendet und bald mit dessen interimistischer Leitung betraut, 1853 Kanzleidirektor des Generalkonsulats in Konstantinopel, sodann Konsul, als welcher er viel Energie an den Tag legte. In Galatz führte er 1856 mit Auszeichnung in der dort tagenden internationalen Kommission zur Regelung der Donauschiffahrt den Vorsitz; 1862 wurde er Vizepräsident der Zentralseebehörde in Triest, 1865 Sektionschef, 1866 Unterstaatssekretär im Finanzministerium des Grafen Larisch und nach dessen Rücktritt 1867 selbst Finanzminister; nach dem Ausgleich mit Ungarn Ende desselben Jahrs Reichsfinanzminister, starb er 15. Jan. 1870.

Beckedorff, Georg Philipp Ludwig von, Schriftsteller, geb. 1777 zu Hannover, studierte in Göttingen Theologie und Medizin, war seit 1810 Hofmeister bei fürstlichen Familien, trat 1819 in preußischen Staatsdienst, wurde Oberregierungsrat und Mitglied des Oberzensurkollegiums, 1821 Ministerialrat im Departement des Kultus, als welcher er besonders das Volksschulwesen leitete. Nachdem er während einer Reise in Regensburg 1827 zur katholischen Kirche übergetreten war, verlor er seine Stelle. Vom König Friedrich Wilhelm IV. geadelt und in den Staatsdienst zurückberufen, wurde er Präsident des Landesökonomiekollegiums und im Februar 1849 für Münster Mitglied des zweiten preußischen Landtags. In den Ruhestand versetzt, starb B. 27. Febr. 1858 zu Grünhof in Pommern. Als Schriftsteller hat er sich besonders durch seine heftige Polemik gegen Schleiermacher einen zweideutigen Ruf erworben. Außerdem schrieb er: "An die deutsche Jugend über die Leiche Kotzebues" (Hannov. 1819); "Jahrbücher des preußischen Volksschulwesens" (Berl. 1825-29, 9 Bde.); "Die katholische Wahrheit" (Regensb. 1840-46, 4 Bde.); "Das Verhältnis von Haus, Staat und Kirche zu einander" (Berl. 1849) u. a.

Becken, in der physikal. Geographie eine breite und auf allen Seiten von Gebirgen eingefaßte Vertiefung der Erdoberfläche, welche, falls sie sich unter das normale Niveau einsenkt, gewöhnlich von einem See oder Meer ausgefüllt ist. Beispiele solcher Einsenkungen (Meeresbecken) sind das B. des Mittelmeers, das des Mexikanischen Golfs und die B. der großen nordamerikanischen Seen, welch letztere zwischen 77 und 180 m ü. M. liegen. Die geographischen Landbecken sind stets mit einem Flußlauf verbunden, doch können auch mehrere B. an demselben Fluß hintereinander liegen. So treten im Flußgebiet der Donau fünf große, durch Thalengen, welche Gebirgsketten quer durchbrechen, voneinander getrennte B. hervor: das oberste in Bayern, bis Passau; dann das Wiener,