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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beckers; Becket; Beckford; Beckmann

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Beckers - Beckmann.

schon 5. Sept. wieder aus, als die Nationalversammlung durch Verwerfung des Waffenstillstandes von Malmö den Bruch mit Preußen herbeiführte. Kurz darauf wurde B. nach Berlin berufen, um die Bildung eines neuen Kabinetts zu übernehmen. Die Sache zerschlug sich aber, da B. in seinem Programm eine wirklich konstitutionelle Politik forderte, die Friedrich Wilhelm IV., der B. als Freund hochschätzte, ablehnte. B. kehrte nach Frankfurt zurück, wirkte nach Kräften für das preußische Erbkaisertum und war im April 1849 Mitglied der Kaiserdeputation. Er erklärte sich nach Ablehnung der Krone durch den König gegen den Antrag Wydenbrugks, das deutsche Volk zur Durchführung der Reichsverfassung aufzufordern und die Wahlen zum neuen Reichstag auszuschreiben, und beantragte, daß sich das Parlament vertage und den Ereignissen ihren Lauf lasse. Da er damit nicht durchdrang, legte er Anfang Mai 1849 sein Mandat als Abgeordneter nieder. Er schloß sich dann der von Preußen aufgenommenen Unionspolitik an und vertrat seine Vaterstadt als Abgeordneter im Erfurter Volkshaus. Als Mitglied der preußischen Zweiten Kammer seit 1849 suchte er von konstitutionellen Freiheiten gegen die Reaktion zu retten, was möglich war. Als das Ministerium Manteuffel die Union fallen ließ und im Innern freiheitsfeindlich regierte, zog sich B. 1851 vom politischen Schauplatz zurück, um seine Kraft ausschließlich seinen Geschäften und den Gemeindeangelegenheiten seiner Vaterstadt zu widmen. 1858 ließ er sich wieder zum Landtagsabgeordneten wählen, mußte aber seiner geschwächten Gesundheit wegen sein Mandat schon 1859 niederlegen. Zum letztenmal trat er öffentlich auf, als er auf dem Handelstag in München 1862 Preußens Handelspolitik erfolgreich verteidigte. Er starb 12. Mai 1870 in Krefeld. Vgl. Kopstadt, H. v. B., ein Lebensbild (Braunschw. 1874).

Beckers, Hubert, Philosoph, geb. 4. Nov. 1806 zu München, studierte und habilitierte sich daselbst, wurde 1832 zum Professor der Philosophie am Lyceum zu Dillingen und 1847 zum ordentlichen Professor an der Universität München ernannt, seit 1853 Mitglied der Akademie der Wissenschaften daselbst. B. zählt zu den hervorragendsten Schülern Schellings aus letzter Zeit, für dessen positive Philosophie er außer vielen andern in den Schriften: "Denkrede auf Schelling" (Münch. 1855), "Über die Bedeutung der Schellingschen Metaphysik" (das. 1861), "Über die Bedeutung der Naturphilosophie Schellings" (das. 1864), "Die Unsterblichkeitslehre Schellings" (das. 1865) und "Schellings Geistesentwickelung" (das. 1875) eingetreten ist. Auch gab er "Cantica spiritualia" (Münch. 1845-47), eine Sammlung geistlicher Lieder älterer Zeit, in vierstimmiger Bearbeitung heraus.

Becket, Thomas, Vorkämpfer der päpstlichen Hierarchie in England, geboren um 1119 zu London, studierte in Paris und kam an den Hof des Erzbischofs Theobald von Canterbury. Seit 1154 Archidiakonus zu Canterbury, gewann B. die Gunst Heinrichs II., der ihn zum Reichskanzler und 1162 zum Erzbischof von Canterbury ernannte. Damit trat ein Wendepunkt in Beckets Leben ein: aus dem vertrauten Gehilfen der monarchischen Bestrebungen des Königs wurde er Vorkämpfer der Hierarchie im Sinn Alexanders III. Seinem Versuch, den Klerus von der weltlichen Gerichtsbarkeit zu befreien, stellte der König durch die Konstitutionen von Clarendon das alte Herkommen als Landesgesetz entgegen, und als B., vom Papst seines Eides entbunden, seine Unterschrift zu den Konstitutionen zurücknahm, ward er des Meineides schuldig erklärt. Er floh hierauf nach Frankreich, von wo aus er unter dem Schutz des Papstes den Kampf mit den geistlichen Waffen fortsetzte; erst 1170 kam es zu einem Ausgleich. B. kehrte nach England als Erzbischof von Canterbury zurück. Aber als er sofort die alten Bannflüche erneuerte und drei hohe Prälaten suspendierte, stieß der König im Zorn die Worte aus: "Ist denn unter den Feigen, die mein Brot essen, keiner, der mich von diesen unruhigen Priestern befreien will?" Sofort eilten vier Edelleute aus seinem Gefolge nach Canterbury und erschlugen B. am Altar der Kathedralkirche 29. Dez. 1170. Geistlichkeit und Volk warfen die Blutschuld auf den König, der sich 1172 einer Untersuchung der Sache durch päpstliche Legaten unterwerfen, den Reinigungseid schwören, die fast gänzliche Exemtion der Geistlichkeit von weltlichen Gerichten nebst andern kirchlichen Anmaßungen zugestehen mußte. B. ward als Märtyrer der kirchlichen Freiheit 1172 kanonisiert und bald als der vornehmste Schutzheilige Englands verehrt. Heinrich II. selbst unterwarf sich 1174, um sein Volk zu versöhnen, einer schimpflichen Buße auf Beckets Grab zu Canterbury. Heinrich VIII. von England ließ 1538 die Gebeine des Heiligen als eines Majestätsverbrechers verbrennen, die Asche in den Wind streuen und die an seinem Grab aufgehäuften Reichtümer in den königlichen Schatz bringen. Beckets Briefe ("Epistolarum libri VI"), für die Kirchengeschichte seiner Zeit wichtig, wurden um 1180 durch den Benediktinerabt Alanus von Droche gesammelt und mit seinem Leben nach vier gleichzeitigen Schriftstellern ("Quadrilogus") von Christ. Lupus 1682 in 2 Bänden zu Brüssel herausgegeben. Beckets Leben beschrieben Giles (Lond. 1846, 2 Bde.), Robertson (das. 1859), Hope (das. 1868). Vgl. "Materials for the history of Th. B." (hrsg. von Robertson, Lond. 1876-86, 7 Bde.). K. F. Meyer behandelte sein Leben in der Novelle "Der Heilige".

Beckford, William, engl. Schriftsteller, zugleich als Sonderling bekannt. Als Sohn eines Aldermans von London 1760 geboren, erbte er ein kolossales Vermögen, machte ausgedehnte Reisen auf dem Kontinent und baute sich dann an verschiedenen Orten Englands luxuriös ausgestattete Schlösser, auf deren einem er 2. Mai 1844 sein üppiges und einsiedlerisches Dasein beschloß. Schon 1780 trat er litterarisch mit der Satire "Biographical memoirs of extraordinary painters" auf; berühmt machte ihn der erst französisch geschriebene, dann von ihm selbst ins Englische übersetzte, großartig angelegte Roman "Vathek" (1786, neue Ausg. 1868), der einen wilden arabischen Stoff mit ungewöhnlicher Kraft und mächtiger, oft zügelloser Phantasie, aber auch mit bitterstem Sarkasmus behandelt, und dessen Episode "The hall of Eblis" Byron für unübertrefflich erklärte. Weniger bedeutend sind seine spätern Romane; einige Reiseschilderungen sind leicht und geschmackvoll ausgeführt. Vgl. "Memoirs of W. B." (Lond. 1858, 2 Bde.).

Beckmann, 1) Johann Gottlieb, Forstmann, geboren gegen 1700, war Privatforstbeamter beim Grafen Schönburg zu Lichtenstein im Königreich Sachsen, beim Freiherrn v. Hohenthal in Torgau und als Forstinspektor beim Grafen Einsiedel in Wolkenburg. Er starb gegen 1770. B. war von Bedeutung für die Ausbildung der Waldbaulehre und der Forstabschätzung. Er schrieb: "Gegründete Versuche und Erfahrungen von der zu unsern Zeiten höchst nötigen Holzsaat" (Chemn. 1756, 5. Aufl. 1788); "Anweisung