Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beechey; Beef; Beefeaters; Beelitz; Beelzebub; Beelzebul; Beemster; Beer

602

Beechey - Beer.

Umstimmung des öffentlichen Urteils zu gunsten der Nordstaaten beitrugen. Wie ein entschiedener Gegner der Sklaverei, so ist B. stets auch einer der hervorragendsten Befürworter der Temperanzsache und der Frauenemanzipation gewesen. Seit 1870 gab er "The christian Union" heraus; die in Brooklyn gehaltenen Predigten erschienen gesammelt unter dem Titel: "The Plymouth pulpit" (New York 1859-1872, 10 Bde.); eine Auswahl seiner geistlichen Reden in deutscher Übersetzung gab Tollin (Berl. 1870) und Kannegießer (das. 1874) heraus. Ein Skandalprozeß wegen angeblichen Ehebruchs mit der Gattin seines ehemaligen Freundes Tilton 1875 hatte zwar seine Freisprechung, doch auch seine moralische Niederlage zur Folge. Vgl. Abbot und Halliday, Life and characteristics of H. W. B. (New York 1882).

Beechey (spr. bihtschi), 1) Sir William, engl. Maler, geb. 12. Dez. 1753 zu Burford (Oxfordshire), gest. 28. Jan. 1839 in Hampstead, bildete sich seit 1772 auf der Londoner Akademie zum Bildnis- und Genremaler aus und arbeitete zuerst eine Zeitlang in Norwich. Nach 1783 begann er in London lebensgroße Porträte zu malen und wurde bald so beliebt, daß ihm die englische Aristokratie und die Mitglieder des Hofs saßen. Er wurde zum Hofmaler ernannt, 1798 zum Mitglied der Akademie gewählt und erhielt die Ritterwürde. Das Reiterporträt Georgs III. mit dem Prinzen von Wales und von Generalen umgeben bei einer Truppenrevue (Hampton Court Gallery) wird als sein bestes Werk bezeichnet. Sein Hauptvorzug bestand in der großen Ähnlichkeit und der bestechenden Anordnung seiner Bildnisse.

2) Frederick William, berühmter engl. Reisender, geb. 17. Febr. 1796 zu London, Sohn des vorigen, diente seit 1808 in der britischen Marine. Er machte 1818 unter Franklin die Expedition nach Spitzbergen und 1819 als Leutnant Parrys die nach dem Nordpolarmeer mit, untersuchte 1821 die Nordküste Afrikas und beschrieb seine Reise in dem Werk "Proceedings of the expedition to explore the northern coast of Africa" (Lond. 1828). Im J. 1825 schickte ihn die britische Admiralität als Kapitän eines Proviantschiffs zur Unterstützung einer Expedition Franklins nach dem Großen Ozean ab, damit er nach der Beringsstraße segle und daselbst die Ankunft Franklins erwarte. Er verfolgte die Nordküste Nordamerikas bis zum Eiskap; eine Schaluppe konnte selbst bis zum Kap Barrow vordringen. Nachdem er darauf den Winter im Kotzebuesund zugebracht hatte, verließ er 22. Okt. 1827 diese Gegenden, ohne mit Franklin zusammengetroffen zu sein, und kam im September 1828 nach Portsmouth zurück. Seine Expedition beschrieb er in "Narrative of a voyage to the Pacific and Behring's Strait" (Lond. 1831, 2 Bde.). Von 1837 ab war B. mit der Aufnahme des Bristol- und des Irischen Kanals beschäftigt, bis er 1847 die Leitung des Marinedepartements im Handelsministerium übertragen erhielt, die er bis zu seinem Tod führte. 1854 zum Konteradmiral und 1855 zum Präsidenten der Königlichen Geographischen Gesellschaft ernannt, starb er 29. Nov. 1856 in London.

Beef (engl., spr. bihf), Rindfleisch; auch Spottname für Engländer.

Beefeaters (engl., spr. bíhf-ihters, "Rindfleischesser"), Spitzname der Engländer, besonders bekannt durch den Ausspruch Wellingtons, der in der Schlacht von Vittoria seinen Soldaten zurief: "Ihr Beefeaters werdet euch doch nicht von Zwiebelfressern schlagen lassen!" In England ist B. scherzhafte Bezeichnung der 100 Mann Leibgardisten, welche in der Tracht des 16. Jahrh. im Tower von London Wachtdienste thun und bei großen Staatsfeierlichkeiten erscheinen.

Beelitz, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Zauch-Belzig, an der Linie Berlin-Blankenheim der Preußischen Staatsbahn, mit Amtsgericht, evang. Pfarrkirche und (1880) 2984 Einw.

Beelzebub (Belzebub), ursprünglich s. v. w. Baal Sebub ("Fliegengott"), eine phönik. Gottheit (Form des Baal), die besonders in der Philisterstadt Ekron verehrt wurde. Als in der Vorstellung der Juden später die heidnischen Götter zu Dämonen geworden waren, bezeichnete B. (als Beelzebul "Hausherr") den Obersten der bösen oder unreinen Geister, und in dieser Bedeutung finden wir ihn im Evangelium.

Beelzebul, s. Brüllaffe.

Beemster, Polder in der holländ. Provinz Nordholland, nordwestlich von Edam, 1608-1612 entstanden, über 7200 Hektar haltend, ist regelmäßig abgeteilt, von geraden, mit Bäumen bepflanzten Wegen durchschnitten und hat (1879) 4269 Einw., welche Ackerbau, Viehzucht (hauptsächlich Schafe), Wolle- und Käsebereitung treiben.

Beer, 1) Wilhelm, Selenograph, Bruder des Komponisten Meyerbeer (Jakob B.), geb. 4. Jan. 1797 zu Berlin, kämpfte 1813-15 in den Reihen der Freiwilligen und widmete sich dann dem Handelsstand, um die Leitung der bedeutenden Fabrik- und sonstigen Geschäfte seines Vaters zu übernehmen. Mit den Elementen der höhern Mathematik und Astronomie vertraut, legte er sich auf seiner Villa im Tiergarten eine kleine Sternwarte an und beobachtete mit Mädler den Mars in seinen Oppositionen. Als Resultat derselben erschienen "Physische Beobachtungen des Mars in der Erdnähe" (Berl. 1830). Wichtiger und umfangreicher waren die wiederum mit Mädler angestellten Aufnahmen der Mondoberfläche, welche die erste vollständige und genaue Generalkarte des sichtbaren Teils der Mondscheibe lieferten. Sie erschien unter dem Titel: "Mappa selenographica" (Berl. 1834-36, 4 Blätter) und ward von der französischen Akademie mit dem Lalandeschen Preis gekrönt. Später erschienen von B. und Mädler noch einzelne Abhandlungen über verschiedene Körper des Sonnensystems und "Der Mond nach seinen kosmischen und individuellen Verhältnissen, oder allgemeine vergleichende Selenographie" (Berl. 1837, 2 Bde. mit Karte). B. starb 27. März 1850 in Berlin.

2) Michael, dramat. Dichter, Bruder des vorigen, geb. 19. Aug. 1800 zu Berlin, betrieb auf der Universität daselbst und zu Bonn philologische und historische sowie philosophische und naturwissenschaftliche Studien und wurde im Verkehr mit Gelehrten und Künstlern frühzeitig zu dichterischen Versuchen angeregt. Schon als 19jähriger Jüngling trat er mit seiner Tragödie "Klytämnestra" hervor, welche auf dem Berliner Hoftheater zur Aufführung kam. Ihr folgte das Trauerspiel "Die Bräute von Aragonien", worin er jedoch in eine übertriebene Romantik verfiel. Wirklich poetischen Wert hat erst sein "Paria", ein einaktiges Trauerspiel (Leipz. 1823), weil nicht nur seine Sprache schwungvoll und kernhaft, sondern seine Idee groß und bedeutend ist: es ist die ideal gehaltene Tragik des Proletariats, dessen Darstellung schon durch die Verlegung in weite Ferne gleichsam verklärt wird. Beers glückliche äußere Verhältnisse waren der Entwickelung seines Dichtertalents höchst günstig; er besuchte Italien und Frankreich und nahm dann seinen Aufenthalt abwechselnd in München, Bonn, Düsseldorf und Paris; nur zuweilen und auf kurze Zeit kehrte er in seine Vaterstadt zurück. Auf seiner dritten