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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beham; Behang; Behar; Beharrungsvermögen; Behäufeln; Beheim; Behemoth

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Beham - Behemoth.

als Kriegsknecht in die Dienste des Reichserbkämmerers Konrad von Weinsberg, dem er wahrscheinlich auf seinen vielen Reisen an die Fürstenhöfe folgte. In dieser Zeit mag er seine meist auf die Zeitereignisse gerichtete meistersängerische Thätigkeit begonnen haben. Nach Konrads Tod (1448) wandte er sich zum Markgrafen Albrecht von Brandenburg, lebte dann an den Höfen des Königs Christian von Dänemark und Norwegen und des Herzogs Albrecht von Bayern, worauf er in die Dienste Albrechts von Österreich und nach kurzer Zeit in die des jungen Königs Ladislaus von Ungarn trat, bis er, in Ungnade gefallen, sich auch von hier wieder entfernen mußte. Aus dieser Zeit stammen mehrere seiner Gedichte über die Türkenangelegenheiten, die nebst seinen übrigen historischen Gedichten das Bedeutendste in seinen Werken sind. Demnächst finden wir ihn am Hof Kaiser Friedrichs III., mit dem er 1462 die Belagerung durch Erzherzog Albrecht und den Bürgermeister Holzer aushielt. Er schrieb auf diese Begebenheit ein Gedicht, dessen Weise er die "Angstweise" nannte, und worin er seinen ganzen Grimm über die Wiener, "die Handwerker, Schälke und Lasterbälge", ausschüttete. Infolgedessen bald von neuem zum Wandern gezwungen, fand er endlich eine Zufluchtsstätte an Pfalzgraf Friedrichs I. (des sogen. Bösen Fritz) Hof in Heidelberg, wo seit der Stiftung der Universität einiger litterarischer Sinn herrschte. Hier benutzte er die von dem Kaplan Matthias von Kemnat wenig früher verfaßte Prosachronik von den Thaten dieses Kurfürsten zu einem umfassenden strophischen Gedicht auf Friedrich, das diesen in niederer Schmeichelei als den edelsten und tapfersten Helden aller Zeiten feiert. Schließlich kehrte B. in seine Heimat Sulzbach zurück, ward dort Schultheiß und wurde in oder nach dem Jahr 1474 erschlagen. Viele von seinen Gedichten, die mehr historisches Interesse als poetischen Wert haben, sind noch ungedruckt; eine Anzahl findet sich mitgeteilt in Hagens "Sammlung für altdeutsche Litteratur und Kunst". Sein "Buch von den Wienern" hat Karajan (Wien 1843), sein Gedicht auf Friedrich I. K. Hofmann (in "Quellen und Erörterungen zur bayrischen und deutschen Geschichte", Bd. 3, Münch. 1863) herausgegeben. Karajan veröffentlichte auch "Zehn Gedichte" Behaims, darunter "Von der hohen Schule zu Wien" und "Von dem König Ladislaus, wie er mit den Türken streitet" (in den "Quellen und Forschungen zur Geschichte der vaterländischen Litteratur und Kunst", Bd. 1, Wien 1848). Die geistlichen Dichtungen Behaims wurden herausgegeben von Ph. Wackernagel (in "Das deutsche Kirchenlied", Bd. 2, Leipz. 1867) und von Nöldeke (Halle 1857).

Beham, 1) Barthel, Maler und Kupferstecher, geb. 1502 zu Nürnberg, bildete sich unter dem Einfluß Dürers und seines ältern Bruders, Sebald B., zum Kupferstecher aus, schloß sich dann aber eng an die Formengebung der italienischen Renaissance an. Nach Sandrart soll er sogar bei Marcantonio gelernt haben. 1525 wurde er wegen Verbreitung aufrührerischer Schriften von Münzer und Karlstadt und wegen sozialistischer Agitation ins Gefängnis geworfen und aus Nürnberg verbannt. 1527 trat er zu München in den Dienst Herzog Wilhelms IV. von Bayern, für den er eine Reihe von Fürstenporträten (in Schleißheim) und die Auffindung des heiligen Kreuzes (1530, Münchener Pinakothek) malte. Von 1535 ist das Bildnis des Pfalzgrafen Otto Heinrich (Augsburger Galerie) datiert. Um 1536 erhielt er von dem Grafen von Zimmern den Auftrag, für sein Schloß Wildenstein und die Kirche zu Meßkirch einige Altarbilder (Madonna von Heiligen umgeben und mit dem Stifterpaar, jetzt in Donaueschingen, und Anbetung der Könige) zu malen, in welchen sich seine poetische Phantasie und sein feiner malerischer Sinn am besten zeigen. Er starb 1540 auf einer Reise in Italien. Die Zahl seiner äußerst fein und sorgsam ausgeführten Kupferstiche beträgt etwa 90. Er gehört als Kupferstecher zu den sogen. Kleinmeistern. Vgl. A. Rosenberg, Sebald und Barthel B. (Leipz. 1875).

2) Hans Sebald, Maler, Kupferstecher und Zeichner für den Formschnitt, geb. 1500 zu Nürnberg, Bruder des vorigen, bildete sich in seinen Kupferstichen nach Dürer, wurde 1525 mit seinem Bruder aus gleichem Grund aus Nürnberg verbannt, illustrierte dann einige reformatorische Schriften, kehrte 1528 nach Nürnberg zurück, wurde 1529 wegen eines unzüchtigen Kupferstichs abermals ausgewiesen und begab sich nach München. In den Jahren 1530-1531 schmückte er zwei Gebetbücher für den Kardinal Albrecht von Mainz mit Miniaturen. Für denselben Fürsten bemalte er auch 1534 eine Tischplatte mit Szenen aus dem Leben Davids (im Louvre). Um 1532 siedelte er nach Frankfurt a. M. über, wo er für den Buchdrucker Chr. Egenolff zahlreiche Zeichnungen für Holzschnittwerke (Bibeln und Chroniken) lieferte und auch als Kupferstecher eine fruchtbare Thätigkeit entfaltete. In seinen letzten Jahren kopierte er meist die Stiche seines Bruders, den er jedoch in der Feinheit der Grabstichelführung nicht erreicht. B. starb 22. Nov. 1550 in Frankfurt a. M. Er hat etwa 270 Kupferstiche und 300 Holzschnitte hinterlassen. Seine große Handfertigkeit und Gewandtheit offenbaren sich auch in seinen Zeichnungen. Wie sein Bruder, gehörte auch er zu den Kleinmeistern.

Behang, die herunterhängenden Ohren der Jagdhunde, deren Länge ein Zeichen edler Rasse ist.

Behar, Gewicht, s. Bahar.

Behar, ostind. Provinz, s. Bihar.

Beharrungsvermögen (Trägheit), diejenige Eigenschaft der Körper, nach welcher sie in der Ruhe oder in einmal angenommener geradliniger, gleichförmiger Bewegung beharren, solange sie nicht durch äußere Veranlassung eine Änderung ihres Zustandes erleiden. Vgl. Bewegung.

Behäufeln, Feld- und Gartenarbeit, welche zum Zweck hat, dem Wurzelstock der Pflanzen eine größere Erdumhüllung zu geben oder fruchtbare Erde um die Wurzeln anzuhäufen oder auf dieselben gestreuten Dünger zu bedecken. Es wird im kleinen mit der Handhacke, im großen mit dem Häufelpflug ausgeführt, nachdem vorher der Boden durch Behacken gehörig aufgelockert und gereinigt worden ist. Oft kann der Zweck der Nahrungszufuhr durch tiefe Bearbeitung eines mit Dungstoffen genügend versehenen Ackerbodens erreicht werden, indem der Regen auf einem tief gelockerten Boden gleichmäßiger eindringt; der bessere Halt aber, welchen die angehäufte Erde den Pflanzen gibt, kann durch Tiefkultur nicht ersetzt werden. Viele Pflanzen, z. B. Mais, alle Rübenarten, die Kartoffeln u. dgl., müssen öfters behäufelt werden und würden auf dem besten Feld ohne starke Erdbedeckung nicht die gewünschten Erträge geben. Man nimmt das B. am besten vor, wenn die Pflanzen eine Höhe von 10-15 cm erreicht haben, vermeidet aber dabei das Bedecken der Blätter mit Erde.

Beheim, Minnesänger, s. Behaim.

Behemoth (hebr., Plural von behema, "Vieh"), in der Bibel (Hiob 40, 10-19) Name eines großen und starken vierfüßigen Tiers, wahrscheinlich des