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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beilast; Beilbrief; Beilegen; Beilngries; Beilstein; Beim Winde segeln; Bein

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Beilast - Bein.

als ihre Vertreter das B. halten. Nach der förmlichen Trauung legte sich der Gesandte in Gegenwart der höchsten Herrschaften neben der hohen Braut seines Herrn einige Minuten lang, leicht gerüstet, auf ein prächtiges Ruhebett; hierauf wurde die Ehe als gültig und vollzogen betrachtet.

Beilast, s. Pacotille.

Beilbrief (Bylbrief, Bielbrief), früher ein in der Regel von der Obrigkeit (hier und da vom Schiffszimmermann) auszustellendes Zeugnis über den vollkommen vorschriftsmäßig ausgeführten Bau eines Schiffs, an dessen Stelle jetzt das Schiffscertifikat und der Meßbrief (s. d.) getreten sind. Auch wird der Ausdruck B. gleichbedeutend mit Bodmereibrief gebraucht (s. Bodmerei).

Beilegen (Beidrehen), in der Schiffersprache die Segel des Schiffs so gegeneinander richten, daß sich der Wind darin fängt, wodurch der Einfluß desselben auf die Fortbewegung des Schiffs stark vermindert wird; es wird zum B. gebracht, d. h. die Ortsveränderung des Schiffs ist nun hauptsächlich von der Strömung abhängig. Das B. geschieht bei heftigem Sturm, und wenn das Schiff zeitweilig an einem Ort verbleiben soll, wo man keinen Anker auswerfen kann oder will. B. heißt auch das völlige Einziehen der Segel, wenn ein Handelsschiff von einem Kriegsschiff zum B. aufgefordert wird, etwa zur Untersuchung seiner Schiffspapiere.

Beilngries, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, am Einfluß der Sulz in die Altmühl und am Ludwigskanal, 368 m ü. M., Sitz eines Bezirksamts und eines Amtsgerichts, hat 3 Kirchen, Bierbrauerei und (1880) 1682 Einw. Auf dem nahen Hirschberg lag das Stammschloß der Grafen von Hirschberg, an dessen Stelle der Bischof Strasoldo von Eichstätt 1762 ein Jagdschloß errichtete.

Beilstein, s. v. w. Nephrit oder edler Serpentin.

Beilstein, 1) Stadt im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Marbach, 249 m ü. M., hat eine ev. Pfarrkirche mit Grabdenkmälern, trefflichen Weinbau und (1880) 1545 Einw. Dabei die Ruinen der Burg B. mit dem "Langhans", einem großen, fünfeckigen Turm. B. ist Geburtsort des Philosophen Niethammer (gest. 1848). - 2) Dorf im Dillkreis des preuß. Regierungsbezirks Wiesbaden, Hauptort der ehemaligen Herrschaft Nassau-B., mit ev. Kirche, einer Schloßruine und 300 Einw.

Beilstein, Friedrich Konrad, Chemiker, geb. 17. (5.) Febr. 1838 zu St. Petersburg, studierte seit 1852 in Heidelberg, München und Göttingen Chemie und Physik, arbeitete ein Jahr lang bei Wurtz in Paris, wurde 1859 Assistent Löwigs in Breslau, ging aber bald als Assistent Wöhlers nach Göttingen, wo er 1860 sich als Privatdozent habilitierte und bald außerordentlicher Professor wurde. 1866 ging er als ordentlicher Professor der Chemie an die technische Hochschule nach Petersburg. Außerdem übernahm er hier die chemischen Vorlesungen an der Militäringenieur-Akademie und wurde Chemiker des Handels- und Gewerberats im russischen Finanzministerium. Beilsteins Forschungen liegen hauptsächlich auf dem Gebiet der organischen Chemie. Er durchforschte die Abkömmlinge des Benzols, Toluols, Naphthalins, der Benzoesäure u. a., entdeckte viele neue Körper und brachte große Klarheit in die Isomerieverhältnisse und die Systematik dieser wichtigen Körperklassen, so daß die chemische Theorie derselben zum großen Teil auf seinen Arbeiten beruht. In der analytischen Chemie gab er wertvolle Methoden zur Bestimmung des Zinks, zur Trennung von Eisen und Mangan u. a. an. Ein von ihm verfaßter Leitfaden der qualitativen Analyse (5. Aufl., Leipz. 1882) erfreut sich wegen Zuverlässigkeit und Übersichtlichkeit großer Beliebtheit. Seine Untersuchungen über amerikanisches und kaukasisches Petroleum waren für die Erdölindustrie von Bedeutung. Er schrieb noch ein ausführliches "Handbuch der organischen Chemie" (2. Aufl., Hamb. 1885).

Beim Winde segeln, den Wind von einer Seite her haben.

Bein, im allgemeinen jeder Knochen (wie in Gebein, Beinhaus, Elfenbein), dann insbesondere beim Menschen die Hintergliedmaße, bei den übrigen Wirbeltieren die dieser entsprechende Extremität (Hinterflosse, Hinterbein); auch in übertragener Bedeutung (als zum Gehen oder Laufen dienendes Organ) bei den Vierfüßern die vordere Extremität (Vorderbein), bei den Wirbellosen die Extremität überhaupt. Bei den Wirbeltieren ist es mittels des Beckengürtels am Rumpf befestigt; im großen und ganzen sind seine Knochen eine Wiederholung derjenigen des Arms und bilden sich gleich diesen zurück oder verschmelzen miteinander. Namentlich ist hier das Vogelbein bemerkenswert, für welches schon Anklänge bei den Reptilien vorhanden sind. Die oberste Reihe der Fußwurzel- (Tarsus-) Knochen verschmilzt nämlich unter sich und mit dem Unterende des Schienbeins, dem sich der Rest des Wadenbeins gleichfalls anfügt; anderseits verschmilzt die zweite Reihe der Tarsusknochen mit dem ersten Glied jeder Zehe (mit Ausnahme der großen Zehe) oder mit den sogen. Mittelfuß- (Metatarsal-) Knochen zum sogen. Lauf. Sonach befindet sich die Gelenkverbindung des Fußes mit dem Unterschenkel bei den Vögeln nicht wie bei den Säugetieren am Anfang des Fußes, sondern mehr in der Mitte, der Fuß ist also hier gleichsam zerrissen. Bei den Säugetieren wird am Unterschenkel das Wadenbein gleichfalls oft zurückgebildet oder verwächst mit dem Schienbein; von den ursprünglichen 10 Knochen des Fußes sind höchstens 7 vorhanden, vielfach aber noch weniger (s. Fuß); dasselbe gilt von den Zehen, welche bis auf eine verkümmern können (Einhufer). S. die einzelnen Gruppen.

Am B. des Menschen (s. Tafel "Skelett I") wird die Grundlage des Oberschenkels (femur) aus einem Röhrenknochen gebildet, der zugleich der längste Knochen des Körpers ist. Sein oberes, rechtwinkelig umgebogenes Ende trägt einen kugelförmigen Gelenkkopf, welcher in die einer halben Hohlkugel entsprechende Pfanne des Beckenknochens eingesenkt ist und mit dieser zusammen das Hüftgelenk (s. Hüfte) bildet; das untere Gelenkende tritt mit dem breiten obern Ende des Schienbeins zu dem Kniegelenk (s. Knie) zusammen. Der Unterschenkel (crus) besitzt zwei Knochen: das stärkere Schienbein (tibia) und das viel dünnere Wadenbein (fibula). Das obere Ende des letztern ist unbeweglich mit dem entsprechenden Ende des Schienbeins verbunden, beteiligt sich aber nicht an der Bildung des Kniegelenks. Dagegen steht der Fuß (s. d.) mit beiden Röhrenknochen des Unterschenkels in Gelenkverbindung, indem der oberste Fußwurzelknochen, das Sprungbein (talus, astragalus, s. Fuß), von den fest verbundenen untern Enden (den sogen. Knöcheln, s. d.) des Schien- und Wadenbeins wie von einer Gabel umfaßt und durch viele Bänder (s. Tafel "Bänder") in dieser Lage gesichert wird. Die mächtigen Muskeln (s. die betr. Tafel) zur Bewegung des Beins als eines Ganzen kommen gleich den zur Streckung oder Beugung des Unterschenkels im Kniegelenk bestimm-^[folgende Seite]