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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bekleidungskommissionen; Beklemmung; Bektáschi; Bel; Bel.; Bela; Béla

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Bekleidungskommissionen - Bela.

phista, Polybios, Appian, Lukian, Diodor, Suidas, Apollodors Bibliothek, Heliodors Äthiopika, Flavius Josephus, Plutarchs Biographien. Von der durch die Berliner Akademie veranstalteten Sammlung der "Scriptores historiae byzantinae" hat er 25 Bände bearbeitet. Von lateinischen Autoren hat er nur Livius (Berl. 1829) und Tacitus (Leipz. 1831, 2 Bde.) ediert. Auch besorgte er eine neue Ausgabe von Nitz' "Griechischem Wörterbuch in etymologischer Ordnung" (Berl. 1821). Außerdem hat er sich viel mit provençalischen und altfranzösischen, zum großen Teil bis dahin ungedruckten Sachen befaßt, die teils in den Abhandlungen der Akademie, teils an andern Stellen publiziert wurden; so unter andern der provençalische "Fierabras", die altfranzösischen Romane von "Aspremont", von "Flor und Blancheflor". Seine letzte Schrift sind die "Homerischen Blätter" (Bonn 1863-72, 2 Bde.). Vgl. Sauppe, Zur Erinnerung an Meineke und B. (Gött. 1872).

4) Ernst Immanuel, namhafter Rechtsgelehrter, Sohn des vorigen, geb. 16. Aug. 1827 zu Berlin, studierte daselbst und in Heidelberg und habilitierte sich nach einigen Jahren praktischer Thätigkeit 1853 in Halle, wurde dort 1855 zum außerordentlichen Professor ernannt und 1857 als ordentlicher Professor der Rechte nach Greifswald berufen. 1874 ging er als Nachfolger Windscheids nach Heidelberg. Er schrieb: "Die prozessualische Konsumption" (Berl. 1853); "Die Aktionen des römischen Privatrechts" (das. 1871, 2 Bde.); "Das Recht des Besitzes bei den Römern" (Leipz. 1880); "Über die Kouponsprozesse der österreichischen Eisenbahngesellschaften" (Weim. 1881). Mit Th. Muther begründete er das "Jahrbuch des gemeinen deutschen Rechts" (Leipz. 1857-63, 6 Bde.). Auch war er eine Zeitlang Mitherausgeber der "Kritischen Vierteljahrschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft".

Bekleidungskommissionen, im deutschen Heer Kommissionen, welche für die Beschaffung, Aufbewahrung und Auffrischung der Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke der Regimenter zu sorgen sowie deren Bekleidungsfonds zu verwalten haben; bestehen aus dem etatmäßigen Stabsoffizier, 1 Hauptmann, 2 Leutnants und 1 Zahlmeister. Außer diesen Regiments-B. gibt es noch Bataillons-B., denen die Aufbewahrung der ihnen überwiesenen Vorräte und die Abfindung der Kompanien obliegen.

Beklemmung, Gefühl des erschwerten und beeinträchtigten Atmens, entsteht bei Atemnot, Brustbräune, Herzleiden, auch durch psychische Affektionen, besonders durch deprimierende Gemütsbewegungen. Vgl. die einzelnen Artikel und Angst.

Bektáschi, ein Derwischorden, s. Derwisch.

Bel, Gott, s. Baal. Die biblische Historie vom B. zu Babel und Drachen zu Babel bildet zwei Beilagen zum Daniel (s. d.), welche in der alexandrinischen und in andern alten Bibelübersetzungen das 14. Kapitel jenes prophetischen Buches ausmachen und bei Luther unter den Apokryphen des Alten Testaments stehen. Es sind spätere, griechisch geschriebene Sprößlinge der Danielssage.

Bel, 1) (Belius) Matthias, ungar. Geschichtschreiber, geb. 24. März 1684 zu Ocsowa bei Neusohl, studierte in Halle Medizin, dann Theologie und ward Lehrer am Waisenhaus. Schon damals übersetzte er einige asketische Schriften Freilingshausens und Arnds ins Ungarische und Böhmische. Seit 1708 Rektor der evangelischen Schule zu Neusohl, gab er das Neue Testament in böhmischer Sprache (Halle 1709) heraus, ward 1714 Rektor zu Preßburg und 1719 Prediger der dortigen evangelisch-deutschen Gemeinde. Er gab 1722 "Die ganze Bibel in böhmischer Sprache" und 1724 Castellios lateinische Übersetzung des Neuen Testaments und eine "Ethica Davidico-Salomonea" heraus. Obwohl von dem katholischen Klerus angefeindet, namentlich wegen seiner Ausgabe von Thomas a Kempis' "De imitatione Christi", behauptete er sich ehrenvoll auf seinem Posten und wurde vom Kaiser Karl VI. zu seinem Geschichtschreiber ernannt und geadelt. Er starb 29. Aug. 1749 als Senior der evangelisch-lutherischen Prediger zu Preßburg. Große Verdienste erwarb sich B. um die Geschichte, Geographie und Statistik seines Vaterlandes, was ihm auch die Mitgliedschaft der Akademien von St. Petersburg, London und Berlin erwarb; von anerkanntem Wert sind besonders die Schriften: "De vetere literatura hunno-scythica exercitatio" (Leipz. 1718); "Apparatus ad historiam Hungariae" (Posen 1735 bis 1746); "Hungariae antiquae et novae prodromus" (Nürnb. 1723), der Vorläufer seines Hauptwerks: "Notitia Hungariae novae historico-geographica" (Wien 1735-42, 4 Bde.; unvollendet).

2) Karl Andreas, Historiker, Sohn des vorigen, geb. 13. Juli 1717 zu Preßburg, studierte in Altorf, Jena und Straßburg, wurde 1743 außerordentlicher und 1757 ordentlicher Professor der Dichtkunst zu Leipzig, erhängte sich in einem Anfall von Schwermut 5. April 1782. Er schrieb: "De vera origine et epocha Hunnorum, Avarum, Hungarorum in Pannonia" (Leipz. 1757), "De Maria Hungariae regina comment. hist. crit." (das. 1742) und "De Maria Hungariae non rege sed regina" (das. 1744) u. a. und redigierte die "Acta Eruditorum" und die "Leipziger gelehrte Zeitung", die er von 1753 bis 1781 herausgab.

Bel., bei zoolog. Namen Abkürzung für P. Belon (geb. 1517, gest. 1564 in Paris; Fische, Vögel).

Béla, Stadt im ungar. Komitat Zips, mit (1881) 2589 Einw. (meist Deutsche evangelischer Religion), Alabasterhöhle und Mineralbad.

Bela, Könige von Ungarn: 1) B. I., vom Arpadschen Stamm, zweiter Sohn Wazuls, eines Vetters Stephans des Heiligen, bemächtigte sich 1061 des Throns von Ungarn, indem er seinen Bruder Andreas besiegte, herrschte sodann kräftig, befestigte das Christentum, beförderte die Einheit des Reichs durch Ordnung des Münzwesens und Herstellung von Verkehrsmitteln und Markteinrichtungen und führte die reichstägliche Vertretung ein, indem er zum Reichstag in Stuhlweißenburg statt des gesamten Adels nur zwei Adlige aus jedem Komitat beschied. Er starb 1063 bei einem Kriege gegen die Deutschen.

2) B. II., der Blinde, Enkel des vorigen, war, als Knabe mit seinem Vater Almus vom König Koloman geblendet, ein unselbständiger Fürst, gegen welchen als Prätendent Boris, Sohn der von Koloman wegen Ehebruchs verstoßenen Gattin, der russischen Prinzessin Pendslawa, auftrat, regierte 1131-1141, wurde beherrscht von seiner Gemahlin Helena, Tochter des Serbenfürsten Wrosin, die zur Einschüchterung der Gegenpartei den sogen. Arader Bluttag in Szene setzte.

3) B. III., in Konstantinopel erzogen und Schwiegerneffe des Kaisers Manuel, regierte 1174-96, führte byzantinisches Zeremoniell in Ungarn ein, steuerte dem Raubwesen, beförderte das Aufkommen der Städte, vereinigte die dalmatische Küste wieder mit Ungarn und begründete dessen Ansprüche auf Bulgarien und Galizien. Infolge seiner Ehe mit einer Tochter des Königs von Frankreich gingen viele Ungarn nach Paris, um sich dort Bildung zu holen.