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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Belasten; Belbês; Belbuck; Belchen; Belcher; Belchite; Belcikowski; Belcredi

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Belasten - Belcredi.

Stelle der Zivilrichter selbst Kommunalbeamte dazu genommen werden. Das Verfahren ist ein sehr summarisches, das sogen. standrechtliche. Die Verhandlungen sind öffentlich und mündlich, und der Beschuldigte kann sich eines Verteidigers bedienen. Der Berichterstatter (öffentliche Ankläger), als welcher ein Auditeur oder in Ermangelung desselben ein andrer Offizier fungiert, trägt in Anwesenheit des Beschuldigten die demselben zur Last gelegte Thatsache vor. Der Beschuldigte wird aufgefordert, sich darüber zu erklären, und wenn er dieselbe bestreitet, so wird sogleich zur Aufnahme des Thatbestandes durch Erhebung der vorliegenden Beweise geschritten. Darauf folgt sogleich in nichtöffentlicher Beratung die Fassung des Urteilsspruchs, gegen den kein Rechtsmittel zulässig ist; nur die auf Todesstrafe lautenden Erkenntnisse unterliegen in Friedenszeiten der Bestätigung von seiten des kommandierenden Generals der Provinz. Alle Strafen werden sogleich nach Verkündigung des Erkenntnisses zum Vollzug gebracht und zwar binnen 24 Stunden, Todesstrafen in gleicher Zeit nach der erfolgten Bestätigung des Befehlshabers. Die letztern werden durch Erschießen vollstreckt. In Frankreich ist 3. April 1878 ein neues Gesetz über den B. verkündet worden, wonach derselbe im Fall eines bewaffneten Aufstandes und im Fall einer feindlichen Invasion eintreten kann. Außerdem kann der Präsident auf Grund eines Gutachtens des Staatsrats auch in sonstigen Notfällen den B. erklären. Die Maßregel muß aber den Kammern zur Bestätigung unterbreitet werden. Das englische Recht kennt das Institut des Belagerungszustandes nicht, sondern nur die Suspension gewisser Gesetze in Zeiten der Not, namentlich die Suspension der Habeaskorpusakte. Als sogen. kleiner B. werden die infolge des Sozialistengesetzes über gewisse Bezirke verhängten Ausnahmsmaßregeln bezeichnet (s. Sozialdemokratie). Vgl. Finlason, A treatise in martial law (Lond. 1866).

Belasten, s. Debet.

Belbês (Bilbeis), Stadt in Unterägypten, nordöstlich von Kairo, mit 2-3000 Einw., welche Lupinen-, Bohnen- und Korianderbau treiben. B. war sonst eine große, stark befestigte Stadt, welche Ägypten gegen Syrien deckte und durch (jetzt meist verfallene) Kanäle ihr Wasser aus dem Nil erhielt. Napoleon I. ließ B. 1798 von neuem befestigen.

Belbuck (Belbog), Dorf im preuß. Regierungsbezirk Stettin, bei Treptow a. R., mit 140 Einw., geschichtlich merkwürdig durch das früher hier auf einer Anhöhe gelegene gleichnamige Kloster, das, 1170 von Kasimir I. gegründet, eins der mächtigsten in Pommern war, von dem aber heute nur noch wenige Ruinen vorhanden sind. 1269 gehörten dem Kloster 47 Dörfer und der größte Teil der Stadt Treptow; der Abt führte das Zeichen der bischöflichen Würde und übte über die meisten Adligen der Gegend die Lehnshoheit. Dabei zeichnete Bildung den Konvent vorteilhaft aus. Als sich 1523 der größte Teil der Mönche für die Reformation erklärte und das Kloster verließ, zog Herzog Bogislaw X. die Güter desselben ein.

Belchen, 1) der zweithöchste Berg des Schwarzwaldes, südwestlich vom Feldberg, 1415 m hoch, ein schroff ansteigender Kegel, dessen Spitze eine herrliche Aussicht nach dem Wasgenwald, der ganzen Alpenkette vom Montblanc bis zum Säntis und über die Rauhe Alb und den Schwarzwald gewährt. Der Belchenpaß (1119 m) führt über die Krinne aus dem Münsterthal in das Wiesenthal. -

2) (franz. Ballon) Name mehrerer Berge des Wasgenwaldes, darunter der Sulzer, Gebweiler oder Gutweiler B. (1425 m), der höchste Gipfel des Gebirges, zwischen den Thälern der Thur und Lauch, westlich von Gebweiler, besteht aus Grauwacke und gewährt eine hübsche Fernsicht; der Elsässer B. (Ballon d'Alsace), 1250 m, auf der Grenze von Deutschland und Frankreich, ganz im S., mit vortrefflicher Aussicht, an ihm geht auf der französischen Seite die Straße von Belfort nach Remiremont vorüber.

Belcher (spr. beltscher), Sir Edward, engl. Seefahrer, geb. 1799, begleitete 1825 den Kapitän Beechey nach der Beringsstraße, machte 1836-42 eine Reise um die Erde, war 1843-48 mit Aufnahme der Küsten des Indischen Ozeans beschäftigt, wobei er von den Piraten bei Borneo gefährlich verwundet ward, und leitete 1852-54 eine Expedition nach den Polarländern zur Aufsuchung Franklins, die aber trotz der weit ausgedehnten Schlittenreisen und wichtiger während derselben gemachter Aufnahmen für verfehlt gehalten wurde, zumal da er von fünf Schiffen vier im Eis zurückgelassen hatte. Vor ein Kriegsgericht gestellt, wurde er freigesprochen und 1864 zum Konteradmiral, 1866 zum Vizeadmiral ernannt. Er starb 18. März 1877 in London. B. schrieb: "Narrative of a voyage round the world" (Lond. 1843, 2 Bde.); "Voyage of the Samarang to the eastern archipelago" (1848, 2 Bde.); "The last of the arctic voyages" (1855, 2 Bde.); "The great equatorial current, misnamed Gulfstream" (1871).

Belchite (spr. beltschíte), Bezirksstadt in der span. Provinz Saragossa, im Steppengebiet am Fluß Aguas-Vivas, mit (1878) 3262 Einw. Der französische Marschall Suchet erstürmte 16.-18. Juni 1809 das hier von Blake aufgeschlagene verschanzte Lager der Spanier.

Belcikowski, Adam, poln. Schriftsteller, geb. 1839 zu Krakau, absolvierte 1865 die philosophische Fakultät der dortigen Universität und wurde im nächsten Jahr zum Dozenten der polnischen Litteratur an der Warschauer Universität ernannt. 1868 siedelte er in derselben Eigenschaft nach Krakau über, wo er 1870 auch Mitglied der Akademie wurde. Von seinen zahlreichen historischen Dramen sind hervorzuheben: "Adam Tarlo" (1869), "Hunyady" (1870), "Dwaj Radziwillowie" (1871), "Franczeska di Rimini" (1873), "Kmita i Bondarowna" (1875), "Krol Wladyslaw Warnenczyk" (1877) u. "Przysiega" (1878). Wenig Anklang fanden seine Sittenromane, wie: "Dlug honorowy" (1872), "Patryarcha" (1872) etc. Von nicht geringem Werte dagegen sind seine litterar-historischen Schriften: "Romantika przed Mickiewiczem", "Konrad Wallenrod", "Die polnische Poesie des 19. Jahrhunderts", "Kasimir Brodzinski" (1875), "Litterarische Abfälle" (1884), "Johann Kochanowski" etc. Gesammelt erschienen seine litterarhistorischen Aufsätze zu Warschau 1886, mit einer Biographie Beleikowskis von Chmielowski.

Belcredi, Richard, Graf, österreich. Staatsmann, geb. 12. Febr. 1823 aus einem mährischen Adelsgeschlecht italienischer Herkunft, studierte in Prag und Wien, stieg 1854 zum Kreishauptmann in Znaim auf, ward 1860 in den böhmischen Landtag und von diesem in den Reichsrat gewählt, wo er durch seinen feudalen und klerikalen Eifer Aufsehen erregte, aber trotzdem von Schmerling 1862 zum Landeschef in Schlesien, 1864 als "Geheimrat" zum Statthalter Böhmens ernannt. Als B. nach Schmerlings Sturz 1865 (27. Juli) Minister wurde (allerdings weniger leitend als vielmehr ein Werkzeug in der Hand des Hauptvertreters der strengsten feudal-klerikalen Richtung, des Grafen Moritz Esterházy), begann die