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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bel étage; Belényes; Belesen; Beleuchtung

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Belényes - Beleuchtung.

lebender Sepien entspricht, aber nur selten erhalten ist, aus einem gekammerten Kegel, der sogen. Alveole, deren Kammern durch eine die Scheidewände durchsetzende zentrale Röhre (sipho) verbunden waren, und aus einem dickern, kalkigen, zur Aufnahme des Sipho bestimmten Scheide. Diese, fast immer allein erhalten und daher am besten bekannt, hat die Gestalt eines oft mehr walzigen oder pfeilspitzartigen Kegels und ist häufig zusammengedrückt, fingerähnlich; sie erreicht eine Größe von über 60 cm. Die B. waren die direkten Vorläufer der heutigen Zweikiemer, sie reichen vom Lias, in welchem sie oft ganze Lager bilden, bis zur weißen Kreide und dem Kreidetuff von Maastricht; zahlreiche Arten sind bekannt geworden. (Abbildung s. Tafel "Juraformation I".) Über das Tier der B. weiß man nichts Sicheres. An die B. knüpfte sich auch manche abergläubische Vorstellung, wie schon die Namen Donnerkeile, Teufelsfinger, Fingersteine andeuten. Selbst in den alten Arzneischatz fanden sie Eingang.

Belényes (spr. béllēnjesch), Markt im ungar. Komitat Bihar, an der Schwarzen Körös, mit (1881) 2614 Einw. und griechisch-kath. Gymnasium.

Belesen, in der Weberei, s. Appretur.

Bel étage (spr. bell etahsch; premier étage, franz.), Hauptgeschoß, das schönste, über dem Erdgeschoß befindliche Stockwerk eines Wohnhauses.

Beleuchtung. Das Beleuchtungswesen, d. h. die Beschaffung von künstlichem Licht, zerfällt in einen chemischen Teil, der von den Leuchtmaterialien (s. d.), ihrem Vorkommen, ihrer Gewinnung und ihren Eigenschaften handelt (vgl. die einzelnen Artikel), und in einen mechanischen Teil, der von den Beleuchtungsapparaten, Brennern, Lampen etc. handelt. Über alle diese Dinge s. die Spezialartikel: Lampen, Leuchtgas, Kerzen, Elektrisches Licht etc. Von großer Bedeutung für die Gesundheitspflege ist die durch die künstliche B. in geschlossenen Räumen hervorgebrachte Verschlechterung der Luft. 1 cbm Leuchtgas erfordert zur Verbrennung 1,12 cbm Sauerstoff und gibt 0,57 cbm oder 1,13 kg Kohlensäure und 1,07 kg Wasserdampf. Ähnlich stellt sich auch der Sauerstoffbedarf der übrigen Leuchtstoffe, so daß die Veränderung der Luft durch diesen Sauerstoffverlust nicht in Betracht kommen kann gegen die Verunreinigungen derselben durch die bei der Verbrennung entstehenden Mengen Kohlensäure und Wasserdampf. Sind nun zur Beleuchtung eines mittelgroßen Raums 100 Kerzen Leuchtkraft nötig, so ergeben sich als aufzuwendende Mittel die in der ersten Spalte der folgenden Tabelle

Für Erzeugung einer Leuchtkraft von 100 Kerzenlichten sind pro Stunde erforderlich: Dabei werden entwickelt:

Beleuchtungsart Menge Wasser Kilogr. Kohlensäure Kubikm. bei 0° Wärme Wärmeeinheiten

Elektrisches Bogenlicht 0,09-0,25 Pferdekraft - - 57-158

" Glühlicht 0,046-0,85 " - - 290-536

Leuchtgas, Siemens' Regenerativlampe 0,35-0,56 cbm - - ca. 1500

" Argandbrenner 0,8 (bis 2) " 0,86 0,46 4860

" Zweilochbrenner 2,0 (bis 8) " 2,14 1,14 12150

Erdöl, großer Rundbrenner 0,28 kg 0,37 0,44 3360

" kleiner Flachbrenner 0,60 " 0,80 0,95 7200

Solaröl, Brenner von Schuster u. Baer 0,28 " 0,37 0,44 3360

" kleiner Flachbrenner 0,60 " 0,80 0,95 7200

Rüböl, Carcellampe 0,43 " 0,52 0,61 4200

" Studierlampe 0,70 " 0,85 1,00 6800

Paraffin 0,77 " 0,99 1,22 9200

Walrat 0,77 " 0,89 1,17 7960

Wachs 0,77 " 0,88 1,18 7960

Stearin 0,92 " 1,04 1,30 8940

Talg 1,00 " 1,05 1,45 9700

angegebenen Mengen von Leuchtmaterial. Dies Material liefert bei der Verbrennung die in der zweiten und dritten Kolonne der Tabelle angegebene Menge Wasser und Kohlensäure und entwickelt die in der vierten Kolonne verzeichneten Wärmeeinheiten.

Aus der Tabelle ergibt sich, daß Solaröl und Erdöl am wenigsten Kohlensäure und Wasserdampf erzeugen, Leuchtgas und Talg am meisten; bei dem Siemensschen Regenerativbrenner werden die Verbrennungsprodukte nach außen geführt, kommen daher nicht in Betracht. Besonders schädlich ist bei der künstlichen B. das Auftreten unvollständiger Verbrennungsprodukte, wie Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoffe etc. Doch hat sich ergeben, daß bei den mit Cylindern versehenen Lampen keine oder höchstens Spuren dieser Körper gebildet werden, selbst wenn die Flammengröße innerhalb ziemlich weiter Grenzen schwankt. Sie treten aber auf, wenn die Flamme sehr stark verkleinert oder übermäßig vergrößert wird. Sämtliche bis jetzt nach dieser Richtung untersuchte Lampen führen einen großen Luftüberschuß zu. Flachbrenner für Solaröl und Erdöl geben bei normaler Flammenhöhe 4-5 Proz. Kohlensäure und etwa 15 Proz. überschüssigen Sauerstoff, kleine Rundbrenner 5-6, große 5-8,5 Proz. Kohlensäure und 9,3-14 Proz. Sauerstoff. Argandbrenner gaben 8-16 Proz. überschüssigen Sauerstoff. Je größer aber der Luftüberschuß ist, um so niedriger wird die Temperatur der Flamme, um so geringer auch die Leuchtkraft derselben, bis bei fortgesetzter Verkleinerung der Flamme die Temperatur schließlich so niedrig wird, daß ein Teil der Gase, unter die Entzündungstemperatur abgekühlt, unvollständig verbrannt entweicht. Es dürfte sich daher empfehlen, die Luftzufuhr, wenigstens bei größern Brennern, regulierbar zu machen. Unmittelbar über der Spitze von Walrat- und Stearinkerzen, bez. Zweilochbrennern entnommene Gasproben ergaben bei völlig ruhiger Luft und normaler Flamme nur Spuren oder keine brennbaren Gase; sobald aber die Flamme flackerte, war die Verbrennung unvollständig.

Für Leuchtgas kommt hinzu, daß bei schlechter Anlage oder nachlässiger Behandlung dieses direkt aus der Leitung in die Zimmerluft treten kann. Leuchtgas enthält ferner stets Schwefel, gibt also beim Verbrennen schweflige Säure und Schwefelsäure, welche auf Zimmerpflanzen, vielleicht auch auf die Bewohner und selbst auf Fenstervorhänge durch Bildung von Hydrocellulose nachteilig wirken; übrigens kommen nicht selten auch schwefelhaltige Öle in den Han-^[folgende Seite]