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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Belgard; Belgen; Belgern; Belgĭca; Belgien

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Belgard - Belgien.

selben ließ er auf den Höhen des rechten Ufers der Lisaine starke Truppenabteilungen bis zum Abend des 18. zurück. Nach einem für die erschöpften und etwas durcheinander geratenen Truppen notwendigen Ruhetag ging Werder 19. Jan. zur Verfolgung des Feindes über, dem er dadurch noch ansehnliche Verluste beibrachte, bis demselben durch Manteuffel der Weg nach Lyon verlegt und nur noch der eine Ausweg in die Schweiz offen gelassen war. So war also die Schlacht bei B. die entscheidende Thatsache auf dem östlichen Kriegsschauplatz, und General Werder und sein Korps haben die Anerkennung, welche der deutsche Kaiser ihren außerordentlichen Leistungen gezollt hat, und den Dank des ihnen zujubelnden Deutschland mit vollem Recht verdient. Die Verluste der Franzosen in den drei Schlachttagen betrugen 6-8000 Mann, die des Werderschen Korps 81 Offiziere und 1847 Mann. Vgl. Wolff, Geschichte der Belagerung von B. im Jahr 1870-71 (Berl. 1875); Castenholz, Die Belagerung von B. 1870/71 (das. 1875-78, 4 Bde.); Thiers und de la Laurencie, La défense de B. (Par. 1871); Belin, Le siége de B. (das. 1871).

Belgard, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Köslin, an der Persante, Station der Berlin-Stettin-Danziger Bahn mit Verzweigungen nach Kolberg und Neustettin, hat ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle, eine ev. Pfarrkirche, ein Gymnasium, ein Schloß, eine Dampfschneidemühle, Eisengießerei, ansehnliche Pferdemärkte und (1880) mit der Garnison (reitende Artillerie) 7868 meist ev. Einwohner. B. wird schon um 1125 als Stadt bezeichnet.

Belgen, 1) (Belgae) die Bevölkerung der gall. Provinz Belgica. Nach Strabons Bericht waren die B. lange vor Cäsars Zeit von Osten her eingewandert, und Cäsar schreibt ihnen germanische Abstammung zu; doch unterschieden sie sich weder in Sprache, noch Sitte, noch Kleidung von den südlichern, keltischen Bewohnern Galliens, nur daß sie kriegerischer waren als jene. Die germanischen Einwanderer hatten also die Sprache der keltischen Ureinwohner angenommen. Die Kleidung der B. bestand in bunten Mänteln nach Art der schottischen Hochländer, weiten Beinkleidern und kurzen Unterkleidern mit Ärmeln, alles aus Schafwolle; gegen die Kälte schützte ein dicker wollener Umwurf (laena). Die Waffen waren ein langes Schwert, das an der rechten Hüfte herabhing, ein langer Schild, ein Speer und eine Art Wurfspieß. Milch und Fleisch bildeten die Hauptnahrungsmittel; sehr beliebt war das Schweinefleisch, berühmt die belgischen Schinken, welche nach Rom als Handelsartikel kamen. Die Häuser bestanden aus Holz. Die beschwerlichsten Geschäfte verrichteten, wie bei den Germanen, die Frauen. Die B. zerfielen in viele Stämme und Völkerschaften, die nur in Kriegszeiten ein gemeinsames Oberhaupt sich wählten. Die Zahl der waffenfähigen Mannschaft des ganzen Volks betrug nach Strabon über 1 Mill. Als die bedeutendsten belgischen Völkerschaften werden genannt: die Bellovaken mit einer Kriegsmacht von 100,000 Mann, um das heutige Beauvais; die Nervier mit 50,000 Kriegern, im Sambregebiet; die Aduatuker mit über 50,000 Kriegern, angeblich von den Cimbern abstammend, durch Cäsar vernichtet und durch die Tungrer, in der Nähe von Tongern, ersetzt; die Remer, der mächtigste Stamm, um Reims (Durocortorum); die Suessionen, westlich von den Remern, um das heutige Soissons, mit zwölf Städten und einem Kontingent von 50,000 Mann; die Atrebaten mit 15,000 Kriegern, im heutigen Artois zwischen Somme und Schelde; die Moriner mit 25,000 Kriegern, am Meer wohnhaft; die Menapier, im Scheldeland, öfters als Germanen bezeichnet; die Ambianer mit 10,000 Kriegern, um Amiens, nördlich von den Bellovaken; die Viromanduer, im heutigen Vermandois (ihre Hauptstadt das heutige St.-Quentin). Daß die Kraft Galliens auf den B. beruhte, beweist Cäsars gallischer Krieg 58-51 v. Chr.; sieben Jahre lang war er fast allein mit ihnen beschäftigt. Eine römische Legion wurde dabei vernichtet, und der Sieg über die Nervier kam den Römern teuer zu stehen. Ebenso erhielt später der Aufstand der Bataver erst nach dem Anschluß der B. größere Bedeutung. S. Karte "Germanien etc."

2) Ein britann. Volk im jetzigen Wiltshire und teilweise in Sussex, Somerset- und Hampshire nebst der Insel Wight, mit den Städten: Magnus Portus (Portsmouth), Venta Belgarum (Winchester), Aquä Calidä oder Aquä Solis (Bath), Clausentum (Southampton), Brige (Brighton). In Religion, Sitten und Sprache waren sie stammverwandt mit den B. in Gallien. Erst unter dem Kaiser Claudius wurden die britischen B. durch Plautius von den Römern unterjocht und bald darauf auch romanisiert. Den Angelsachsen unterlagen sie 527 n. Chr. auf der Insel Wight und in Wiltshire, seit 577 auch in den übrigen Teilen ihres Gebiets. S. Karte "Germanien etc."

Belgern, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Torgau, am linken Ufer der Elbe, 14 km vom Bahnhof Torgau, mit Amtsgericht, ev. Kirche, Thongruben, Steingutfabrikation, Bierbrauerei, Schiffahrt und (1880) 2970 Einw. B. ist als Stadt schon 1083 nachzuweisen und gehörte bis zur Reformation zum Stift Wurzen. Vgl. Bertram, Chronik der Stadt B. (Torgau 1861).

Belgĭca (Gallia B.), Provinz, s. Gallien.

Belgien (hierzu Karte "Belgien"), das kleinste, ab er am dichtesten bevölkerte der europäischen (außerdeutschen) Königreiche, liegt zwischen 49° 30' und 51° 30' nördl. Br. und zwischen 2° 36' und 6° 4' östl. L. v. Gr., im N. von den Niederlanden, im O. vom niederländischen Limburg, von der preußischen Provinz Rheinland und von Luxemburg, im S. von Frankreich und im W. von der Nordsee begrenzt. Es umfaßt beinahe sämtliche ehemals österreichische Niederlande (die Grafschaften Flandern und Hennegau, das Herzogtum Brabant, das Marquisat Antwerpen, die Herrschaft Mecheln, die Grafschaft Namur sowie teilweise die Herzogtümer Luxemburg und Limburg), ferner das früher zu Deutschland gehörige Bistum Lüttich und die 1815 von Frankreich abgetrennten Kantone Mariembourg, Philippeville, Chimay, Quiévrain nebst dem Herzogtum Bouillon.

Bodenbeschaffenheit.

Der Bodenbeschaffenheit nach ist B. nördlich und nordwestlich der Maas und Sambre ein ebenes Land; der östlich der Maas belegene ^[richtig: gelegene] Teil besteht aus einer Reihe von schluchtenreichen Plateaus, die man unter dem Namen Ardennen (s. d.) zusammenfaßt. Die bedeutendsten Erhebungen zeigen die Provinzen Lüttich, Luxemburg, Namur und Hennegau, wo die von größern Flüssen bewässerten Teile oft von sehr tiefen Thälern und Schluchten durchschnitten und von Felsenwänden umsäumt sind, deren manche sich bis zu 400 m erheben. Die bedeutendsten Höhen sind: Baraque Michel an der preußischen Grenze (Provinz Lüttich) 680 m, Baraque Fraiture bei Houffalize (Provinz Luxemburg) 637 m, die Tailles (ebenda) 589 m, Odeigne 531 m, Malempré 594 m etc. Die mittlere Höhe von B. beträgt 163,36 m. Die unmittelbar von